Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

hochherzig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung hoch-her-zig
Wortzerlegung hoch Herz -ig
Wortbildung  mit ›hochherzig‹ als Erstglied: Hochherzigkeit
eWDG

Bedeutung

gehoben großmütig, edel
siehe auch Herz (3)
Beispiele:
eine hochherzige Tat
Und doch, wie hochherzig und rührend tapfer betrug sie sich in der allgemeinen Verwirrung! [ Th. Mann11,84]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hoch · Hoch · Höhe · Anhöhe · Hoheit · höchstens · erhöhen · Hochachtung · hochachtungsvoll · hochdeutsch · hochherzig · Hochmeister · Hochmut · hochmütig · hochnäsig · Hochofen · Hochschule · Hochstapler · hochtrabend · Hochwasser · Hochwild
hoch Adj. ‘aus einer Ebene herausragend, weit nach oben reichend’, übertragen ‘nach Wert, Maß, Rang, Bedeutung hervorragend, über den Durchschnitt hinausgehend’, ahd. hōh (8. Jh.), mhd. hōch, , asächs. hōh, mnd. hō(ch), mnl. , hooch, nl. hoog, aengl. hēah, engl. high, anord. hār, got. hauhs, germ. *hauha- geht vielleicht wie Hügel (s. d.) und aind. kucaḥ ‘weibliche Brust’, kucáti ‘zieht sich zusammen, krümmt sich’, lit. kaūkas ‘Beule’, kaũkaras ‘Hügel’, russ. kúča (куча) ‘Haufen, Heuschober’ auf die Gutturalerweiterung ie. *keuk-, *kūk- der Wurzel ie. *keu-, *keu̯ə- ‘biegen, Wölbung, Höhlung’ zurück (wozu auch Hocke1, Hobel, Haufen, hüpfen, Haube, s. d.), so daß hoch ursprünglich als ‘(hervor-, empor)gewölbt’ zu verstehen ist. – Hoch n. ‘Höhe, Größe’ (17. Jh.); in der Meteorologie (20. Jh.) Kurzform für Hochdruckgebiet (um 1900). Höhe f. ‘Ausdehnung, Ausmaß in vertikaler Richtung, Dimension, Spitze, Gipfel’, mit vielfältigem übertragenem Gebrauch, ahd. hōhī (8. Jh.), mhd. hœhe, hōhe, asächs. hōhi, got. hauhei. Anhöhe f. ‘Hügel, ansteigendes Gelände’ (17. Jh.). Hoheit f. ‘Erhabenheit, hohe Würde, Herrschaftsbefugnis (über ein bestimmtes Gebiet)’, auch Anrede für einen hohen fürstlichen Würdenträger, mhd. hōchheit, hōcheit. höchstens Adv. ‘maximal, im äußersten Falle’ (16. Jh.), dann auch ‘im günstigsten Falle, bestenfalls’, gebildet zum Superlativ höchst. erhöhen Vb. ‘in eine höhere Position bringen, (an)heben, verherrlichen’, ahd. irhōhen (9. Jh.), mhd. erhœhen; vgl. gleichbed. ahd. hōhen (8. Jh.), mhd. hōhen, hœhen. Hochachtung f. ‘Wertschätzung, Respekt’ (16. Jh.); hochachtungsvoll Adj. ‘respektvoll, von Wertschätzung erfüllt’, besonders als Schlußfloskel bei förmlichen Briefen (19. Jh.). hochdeutsch Adj. Bezeichnung des (vor allem durch die 2. Lautverschiebung gekennzeichneten) Sprachstandes des Mittel- und Oberdeutschen (2. Hälfte 15. Jh.), dann auch im Sinne von ‘nicht mundartlich, der Norm der Literatursprache entsprechend’; ausgehend wohl von der meist gebirgigen Beschaffenheit der mittel- und oberdeutschen Landschaften (s. das Gegenwort niederdeutsch und vgl. die Bezeichnung Niederlande). hochherzig Adj. ‘großmütig, von edler, selbstloser Gesinnung’ (17. Jh.), vgl. aengl. hēahheort, got. hauhhaírts ‘hochmütig, überheblich’. Hochmeister m. ‘Oberster eines geistlichen Ritterordens’, mhd. hōchmeister, hōmeister, dann auch ‘Vorsteher der gesamten Judenschaft im Reich, hoher Gelehrter’. Hochmut m. ‘übersteigertes Selbstgefühl, Überheblichkeit’, ahd. hōhmuot (11. Jh.), mhd. hōchmuot, auch im Sinne von ‘hohe, edle Gesinnung, Hochstimmung, Freude’; hochmütig Adj. ‘überheblich, übertrieben stolz’, ahd. hōhmuotīg (um 1000), mhd. hōchmüetic. hochnäsig Adj. ‘anmaßend, eingebildet’ (18. Jh.); vgl. die Redensart die Nase hoch tragen (18. Jh.). Hochofen m. hoher Schachtofen zur Ausschmelzung des Roheisens aus dem Erz, zunächst Hoherofen (18. Jh.), Hohofen (19. Jh.). Hochschule f. Bildungsstätte, in der die Qualifikation für akademische Berufe vermittelt wird, ‘Universität’ (15. Jh.), daneben zunächst auch Hohe Schule, Hoheschule. Hochstapler m. ‘seriös und vornehm auftretender Betrüger’ (18. Jh.), zu rotw. Stappler, Stabeler, Stabuler ‘Bettler’ (15. Jh.), vgl. rotw. stappeln, stapeln, stabeln ‘bettelnd umherziehen’, nhd. (literatursprachlich und landschaftlich) stapeln ‘hochbeinig, gespreizt gehen, betteln gehen’. hochtrabend Part.adj. ‘von oben herab, überheblich’ (vgl. auf dem hohen Roß sitzen), mhd. hōchtrabende. Hochwasser n. ‘höchster Wasserstand innerhalb der Gezeiten, Überschwemmung(sgefahr)’ (19. Jh.), vorher hoch Wasser (16. Jh.). Hochwild n. ‘wertvollste Wildkategorie’, z. B. Rotwild, Schalenwild, edles Federwild (16. Jh.), hoewilt (15. Jh.), entsprechend der Einteilung in hohe, (mittlere,) niedere Jagd.

Thesaurus

Synonymgruppe
freigebig · freigiebig · generös · großherzig · großmütig · großzügig · gönnerhaft · hochherzig · in Geberlaune · nobel (aus der Nehmerperspektive) · spendabel · spendierfreudig  ●  Man muss auch gönnen können.  ugs., sprichwörtlich
Assoziationen
  • entgegenkommend · gefällig · großherzig · großmütig · gütig · kulant · mild · milde  ●  wohlwollend Hauptform
  • (die) Runde geht auf (...) · (die) Zeche zahlen (für jemanden) · (eine) Runde ausgeben · (einen) ausgegeben bekommen · (jemandem) (ein) Getränk spendieren · (jemanden) freihalten · aufs Haus gehen  ●  (etwas) spendieren Hauptform · (eine) Runde schmeißen ugs. · das geht auf meinen Deckel ugs. · das geht auf mich ugs. · einen ausgeben ugs. · frei saufen haben derb
  • (es) nicht fehlen lassen (an) · großzügig austeilen · nicht sparen an · nicht sparen mit  ●  es hagelt (nur so) fig. · (nur so) um sich schmeißen (mit) ugs. · um sich werfen (mit) ugs.
  • (viel) Geld ausgeben · in Kauflaune · in Konsumlaune sein  ●  (Geld) mit vollen Händen ausgeben fig. · (das) Geld locker sitzen haben ugs. · (das) Geld sitzt locker (bei jemandem) ugs. · nicht aufs Geld gucken ugs., fig.
  • nicht alles für sich haben wollen · teilen können · verzichten können  ●  (anderen) auch etwas gönnen ugs.
  • (sich) großzügig zeigen · (sich) in Geberlaune zeigen · in Geberlaune sein · nicht knausern · sich nicht lumpen lassen  ●  die Spendierhosen anhaben fig. · (etwas) springen lassen ugs. · (sich) als großzügig erweisen geh.

Typische Verbindungen zu ›hochherzig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hochherzig‹.

Verwendungsbeispiele für ›hochherzig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Von einer »hochherzigen Tat« spricht Baumstark, von einer »glückhaften Entscheidung", einem »fulminanten Start". [Süddeutsche Zeitung, 09.06.2000]
Viele der hochherzigen journalistischen Ideale lassen sich unter diesen Umständen nicht verwirklichen. [Die Zeit, 24.11.2008, Nr. 47]
Damit ist die Schattenseite dieses sonst so hochherzigen Buches angedeutet. [Die Zeit, 23.01.1956, Nr. 04]
Sie verbindet sich der hochherzigen Befreiungstat nicht, macht sie sich nicht zu eigen. [Süddeutsche Zeitung, 31.01.1995]
Und die lieben deutschen Mitbürger im hochherzigen Bayern haben etwas zum Lachen. [Die Welt, 19.06.2001]
Zitationshilfe
„hochherzig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hochherzig>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
hochherrschaftlich
hochhelfen
hochheilig
hochheben
hochhangeln
hochhieven
hochholen
hochhopsen
hochhüpfen
hochindustrialisiert