hofieren

Grammatik Verb · hofiert, hofierte, hat hofiert
Aussprache 
Worttrennung ho-fie-ren
eWDG

Bedeutung

veraltend jmdn. umschmeicheln, sich um jmds. Gunst bemühen
Beispiele:
einen berühmten Künstler, angesehenen Politiker, Gast hofieren
Dieser Kaiser mit der Seele eines Parvenu hofierte unentwegt die reichen Leute [ H. MannZeitalter512]
bildlich
Beispiel:
denn das Unglück ist eine eitle Frau und will hofiert sein [ TucholskyPanter94]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hof · Gehöft · hofieren · höfisch · höflich · Höflichkeit · Höfling · Hofmeister · Hofnarr
Hof m. ‘in einen Wohnkomplex einbezogener eingezäunter Platz, bäuerliches Anwesen, fürstliche Residenz, fürstliches Gefolge und Milieu’, ahd. (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. nl. aengl. hof können der unter Hobel (s. d.) behandelten Labialerweiterung ie. *keup-, *kūp- der Wurzel ie. *keu-, *keu̯ə- ‘biegen, Wölbung, Höhlung’ zugeordnet werden; dann würde Verwandtschaft mit Hübel ebenso wie mit Hügel, hoch (s. d.) und den dort genannten Wörtern bestehen. Der inhaltliche Bezug zur genannten Wurzel ließe sich aus der Vorstellung eines auf erhöhtem Gelände, auf einer Anhöhe gelegenen Anwesens erklären, wofür Parallelen wie norw. hov ‘Hügel’, anord. hof ‘Tempel’ sprechen. Vertreten wird auch die Vermutung, daß die aus Lehm und Flechtwerk errichtete Wand eines Gebäudes oder einer Einhegung um den Wohnkomplex, also eine Wurzelbedeutung ‘biegen, flechten; umhegter, umzäunter Raum’ als Ausgangspunkt zu betrachten sei (vgl. de Vries Nl. 261). Die bereits im Ahd. und Asächs. nachzuweisende und bei mhd. hof deutlich hervortretende Verwendung im Sinne von ‘Fürstenresidenz, fürstlicher Hofstaat’, an die die meisten Komposita und Ableitungen anknüpfen, entwickelt sich unter dem Einfluß von gleichbed. afrz. cort (frz. cour), mlat. cortis, curtis. Gehöft n. ‘bäuerliches Anwesen, ländlicher Gebäudekomplex’, frühnhd. (md.) gehofte (15. Jh.), dann Gehöfte, Gehöfde; Kollektivbildung zu Hof. hofieren Vb. ‘jmdn. mit Galanterie, übertriebener Liebenswürdigkeit behandeln, sich mit Höflichkeit und Dienstbeflissenheit um jmds. Gunst bemühen’ (vgl. jmdm. den Hof machen), mhd. hovieren, hofieren, auch ‘in festlicher Geselligkeit sich erfreuen, aufwarten, musizieren, einherstolzieren’. höfisch Adj. ‘zum Hof (eines Fürsten) gehörig, den Fürstenhof betreffend’, mhd. hövesch, hövisch ‘hofgemäß, fein, gesittet, unterhaltend’, entsprechend afrz. corteis, cortois (frz. courtois); s. auch hübsch. höflich Adj. ‘zuvorkommend, aufmerksam, gute Umgangsformen beweisend’, mhd. hovelich ‘dem Hof angemessen, fein gebildet’; Höflichkeit f. ‘guter Umgangston, Zuvorkommenheit’, mhd. hovelecheit. Höfling m. ‘Angehöriger eines fürstlichen Hofstaats, Fürstendiener’, mhd. hovelinc. Hofmeister m. ‘Verwalter, Aufseher über Dienerschaft und Hofhaltung eines Fürsten, Erzieher (in einem vornehmen Hause)’, mhd. hovemeister. Hofnarr m. ‘Spaßmacher, Unterhalter an einem Fürstenhof’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden) hofieren · (sich) Liebkind machen (bei) · (sich) anbiedern · (sich) einschmeicheln (bei) · (sich) lieb Kind machen (bei jemandem)  ●  (jemandem) Honig um den Bart schmieren  ugs., fig. · (sich) einkratzen (bei)  ugs., salopp · (sich) einschleimen (bei)  derb · (sich) ranschmeißen  ugs. · Kreide fressen  ugs., fig. · herumscharwenzeln (um)  ugs. · rumschleimen  ugs., fig. · schleimen  ugs., fig. · schwänzeln  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden) hofieren · (sich) bemühen um (jemanden) · (sich) heranmachen (an) · nachlaufen · nachrennen · nachstellen · umschmeicheln · umwerben · werben (um)  ●  (eine) Charmeoffensive (starten)  fig., variabel · (jemandem) den Hof machen  fig. · (sich) ranschmeißen  ugs., salopp · (ständig) herumschleichen (um)  ugs., salopp · buhlen (um)  geh., veraltet · freien (um)  geh., veraltet · hinter jemandem her sein  ugs.
Assoziationen
  • (jemanden) haben wollen · (jemanden) kriegen wollen · (sein) Interesse zeigen · (sich) interessieren für · (sich) interessiert zeigen an · Lust auf (jemanden) · interessiert an  ●  geil auf (jemanden)  derb · heiß auf (jemanden)  ugs. · hinter jemandem her  ugs. · scharf auf (jemanden)  ugs.
  • (einer Frau) nachsteigen · fensterln
  • (eine) Charmeoffensive (starten)  ●  es auf die nette Tour versuchen  ugs. · versuchen, freundlich rüberzukommen  ugs.
  • (sich jemandem) an den Hals werfen · (sich jemandem) aufdrängen  ●  (sich) ranschmeißen (an)  ugs.

Typische Verbindungen zu ›hofieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hofieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›hofieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

War es richtig, das Unternehmen über Jahre derart zu hofieren? [Die Zeit, 28.01.2008, Nr. 04]
Anstatt Journalisten zu manipulieren, fanden es die Politiker daher zunehmend notwendig, sie zu hofieren. [Die Zeit, 08.04.1994, Nr. 15]
Es sei jedoch noch nie seine Art gewesen, die Träger zu hofieren. [Süddeutsche Zeitung, 07.07.1997]
Politiker hat Beck hofiert, in ihre Zirkel haben sie ihn dennoch nicht gelassen. [Süddeutsche Zeitung, 20.07.1995]
Sie sind hofiert, sie sind bekniet und dafür verehrt, sich selber zu beschreiben. [Die Welt, 30.04.1999]
Zitationshilfe
„hofieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hofieren>.

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