hohl

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›hohl‹ als Erstglied: ↗Hohlball · ↗Hohlbaustein · ↗Hohlbirne · ↗Hohlfigur · ↗Hohlform · ↗Hohlglas · ↗Hohlhippe · ↗Hohlkehle · ↗Hohlkopf · ↗Hohlkreuz · ↗Hohlkörper · ↗Hohlleiste · ↗Hohlmaß · ↗Hohlmuskel · ↗Hohlnagel · ↗Hohlnaht · ↗Hohlorgan · ↗Hohlpfanne · ↗Hohlraum · ↗Hohlsaum · ↗Hohlschliff · ↗Hohlsonde · ↗Hohlspiegel · ↗Hohltaube · ↗Hohlvene · ↗Hohlweg · ↗Hohlziegel · ↗hohlbrüstig · ↗hohlwangig · ↗hohläugig
 ·  mit ›hohl‹ als Binnenglied: ↗Betonhohlstein  ·  mit ›hohl‹ als Grundform: ↗höhlen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
im Innern ohne Inhalt, unausgefüllt, leer, ausgehöhlt
Beispiele:
ein hohler Baum, Zahn
eine hohle Kugel
hohle Gefäße
ein hohles (= leeres) Fass
eine hohle (= taube) Nuss
bildlich
Beispiel:
salopp das ist (ja) nur für den hohlen Zahn (= das ist zuwenig, reicht nicht aus)
2.
einwärtsgebogen, konkav, muldenförmig vertieft
Beispiele:
eine hohl geschliffene Linse, Rasierklinge
einen hohlen Rücken, ein hohles Kreuz machen
aus der hohlen Hand trinken
mit der hohlen Hand Wasser schöpfen
eine Fliege, ein Geldstück in der hohlen Hand halten
die hohlen (= schüsselförmig aneinandergelegten) Hände unter einen Wasserstrahl halten
durch die hohlen (= trichterförmig gehaltenen) Hände rufen
Durch diese hohle Gasse (= durch diesen Hohlweg) muß er kommen [SchillerTellIV 3]
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlich, verhüllend eine hohle Hand machen (= bestechlich sein)
umgangssprachlich, verhüllend die hohle Hand hinhalten (= Bestechungsgeld verlangen)
umgangssprachlich aus der hohlen Hand zahlen (= genügend Geld haben)
er hat ein knochiges Gesicht mit hohlen (= eingefallenen) Wangen
ein Kranker mit gelbem Gesicht und hohlen (= tiefliegenden, eingesunkenen) Augen
3.
wie aus einem leeren Raum kommend, tief und dumpf klingend
Beispiele:
ein hohler Klang, Ton
ein hohles Gelächter, Seufzen
etw. mit hohler Stimme sagen
etw. dröhnt, klingt, schallt hohl
hohl husten, lachen
Nicht mehr vernimmt man ... das dumpfe, hohle Tuten der Seinedampfer [UnruhNike40]
Und stille wird's über dem Wasserschlund, / In der Tiefe nur brauset es hohl [SchillerTaucher]
4.
abwertend, übertragen gehaltlos, nichtssagend, inhaltslos
Beispiele:
hohle Phrasen, Worte
hohles Gerede
das hohle Treiben dieser Menschen
dieses Theaterstück ist ein hohles Machwerk
etw. ist nur hohles Pathos, hohler Schein
Ertragen Sie das denn ... diese Unechtheit der Dinge und Menschen ringsum, diesen frechen, hohlen Glanz? [Feuchtw.Nero168]
geistig matt
Beispiele:
ein hohles Gesicht
ein hohler Blick
sich innerlich ganz hohl (= seelisch leer) fühlen
geistlos, beschränkt, dumm
Beispiele:
ein hohler Mensch, Geselle, Schwätzer, Kopf (= Dummkopf)
Zawilski, dumm, frech, lustig und absolut hohl [Weiskopf8,145]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hohl · Höhle · Höhlung · hohläugig · Hohlspiegel · Hohlweg
hohl Adj. ‘innen nicht ausgefüllt, leer, nach innen gekrümmt, konkav, dumpf klingend, ohne inneren Gehalt’. Die Herkunft des germ. Adjektivs ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. nl. aengl. hol (vgl. sustantiviertes engl. hole ‘Loch, Grube, Höhle’), anord. holr (germ. *hula-) ist nicht geklärt. Falls sich aind. kulyam ‘Aufbewahrungsort für die Knochen eines verbrannten Leichnams’, kulyā́ ‘Bach, Graben, Kanal’, kúlam ‘Geschlecht, Sippe, Menge, Herde’, mahā-kulá- ‘eine große Höhlung habend’ und griech. kaulós (καυλός) ‘Stengel, Federkiel, Schaft’, lat. caulis (vlat. cōlis) ‘Stengel, Stiel, Strunk, Kohl’ (s. ↗Kohl), mir. cuaille ‘Pfahl’, lit. káulas ‘Knochen, Bein, Kern im Steinobst’, lett. kauls ‘Knochen, Stengel, Kern, Schale’, apreuß. kaulan ‘Knochen, Bein’ vergleichen lassen, kann von ie. *kaul-, *kul- ‘hohl, Hohlstengel, Röhrenknochen’ ausgegangen werden. Höhle f. ‘Hohlraum in der Erde, im Felsen, Tierbehausung’, ahd. holī (8. Jh.), hulī (9. Jh.), mhd. höl(e), hüle; Abstraktbildung zum Adj. Höhlung f. ‘ausgehöhlte Stelle, Vertiefung, Einbuchtung’, frühnhd. holung (15. Jh.), Abstraktum zu seltenem höhlen ‘hohl machen’, mhd. höln, vgl. ahd. holōn (10. Jh.), mhd. holn, got. ushulōn ‘aushöhlen’; heute meist aushöhlen (15. Jh.). hohläugig Adj. ‘mit tiefliegenden Augen’ (16. Jh.). Hohlspiegel m. ‘Spiegel mit nach innen gewölbter Oberfläche’ (18. Jh.). Hohlweg m. ‘Weg durch einen Geländeeinschnitt’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abgedroschen · ↗abgeschmackt · ↗banal · ↗beliebig · ↗flau · ↗geistlos · ↗inhaltsleer · ↗leer · ↗nichts sagend · ↗nichtssagend · ↗oberflächlich · ohne Aussage · ↗schal · ↗seicht · ↗trivial · ↗witzlos · ↗wohlfeil  ●  ↗billig  ugs. · hohl  ugs. · ↗platt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
geschröpft · hohl
Synonymgruppe
gehaltlos · hohl · ↗leer · ohne Inhalt · ohne Substanz · ↗substanzlos
Synonymgruppe
ausgehöhlt · hohl · ↗leer
Synonymgruppe
(geistig) beschränkt · ↗(geistig) minderbemittelt · ↗blöd · ↗blöde · ↗dämlich · geistig nicht (mehr) auf der Höhe · ↗idiotisch · ↗irrsinnig · keinen Grips im Kopf (haben) · nicht besonders helle · nicht gerade helle · ↗schwachköpfig · ↗stockdumm · ↗strohdumm · ↗stupid · ↗stupide · unintelligent · weiß nicht (mehr), was er sagt · weiß nicht (mehr), was er tut  ●  Stroh im Kopf (haben)  fig. · ↗dumm  Hauptform · ↗talentfrei  ironisch · (das) Pulver nicht erfunden haben  ugs. · (die) Weisheit nicht mit Löffeln gegessen haben  ugs. · (die) Weisheit nicht mit dem Schöpflöffel gegessen haben  ugs. · (ein) Spatzenhirn haben  ugs. · (jemandem) haben sie ins Gehirn geschissen  derb · (so dumm) dich beißen doch die Schweine im Galopp  ugs., Spruch · (so) dumm wie 10 Meter Feldweg  ugs. · (so) dumm wie Bohnenstroh  ugs. · (so) dumm, dass ihn die Gänse beißen  ugs. · (so) dumm, dass ihn die Schweine beißen  ugs. · (total) Banane (sein)  ugs. · (voll) panne  ugs. · ballaballa  ugs. · ↗bedeppert  ugs. · ↗behämmert  ugs. · ↗bekloppt  ugs. · ↗beknackt  ugs. · ↗belämmert  ugs. · ↗bescheuert  ugs. · beschruppt  ugs. · besemmelt  ugs. · ↗bestusst  ugs. · birnig  ugs. · ↗deppert  ugs., süddt. · ↗doof  ugs. · dumm wie Brot  ugs. · dumm wie Schifferscheiße  derb · dümmer als die Polizei erlaubt  ugs. · ↗gehirnamputiert  derb · ↗grenzdebil  derb · hirnig  ugs. · hohl  ugs. · ↗merkbefreit  ugs. · naturblöd  ugs. · nicht (ganz) bei Trost  ugs. · nicht bis drei zählen können  ugs. · nicht ganz dicht  ugs. · ↗saublöd  ugs. · ↗saudoof  ugs. · ↗saudumm  ugs. · selten dämlich (Verstärkung)  ugs. · strunzdoof  ugs. · ↗strunzdumm  ugs. · strunzendumm  ugs. · unterbelichtet  ugs. · von allen guten Geistern verlassen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bauch Baum Baumstamm Baumstumpf Deklamation Eiche Floskel Gasse Geschwätz Kürbis Nuß Pathos Phrase Rhetorik Sprechblase Stamm Stengel Versprechung Wange Wortgeklingel Zahn dumpf innen klingen klingend morsch scheppernd tönen tönend verlogen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hohl‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch vieles aus seinem Mund klingt nun seltsam hohl, nachdem sich sein Partner der letzten sieben Jahre in dieser Form zu Wort gemeldet hat.
Die Welt, 21.09.2005
Für die hohlen Phrasen der Politiker hat er nichts als ein verächtliches Schnauben übrig.
Süddeutsche Zeitung, 09.08.1996
Also bücke ich mich schnell und fange sie mit der hohlen Hand.
Bücherl, Wolfgang: Das Haus der Gifte, Stuttgart: Franckh'sche Verlagshandlung 1963, S. 112
Meine Beine lagen mit den Stiefeln etwas zu hoch und hohl.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1928], S. 97
Zitationshilfe
„hohl“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hohl>, abgerufen am 20.10.2019.

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