hold
GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›hold‹ als Erstglied: ↗holdselig  ·  mit ›hold‹ als Letztglied: ↗abhold · ↗unhold
 ·  formal verwandt mit: ↗Unhold
eWDG, 1969

Bedeutung

gehoben
1.
anmutig, lieblich
Beispiele:
das holde Kind
eine holde Gestalt
ein holder Anblick, Gesang
der holde Frühling
sie lächelt hold, hold verschämt
die holde Weiblichkeit scherzhaft
Du holde Kunst [SchubertAn die Musik]
so daß unter ihm eine steinfreie, saftig begrünte Lehne blieb, aus der in entzückender Fülle und holdester Lieblichkeit gelbe Kuhblumen bis an die Rampe vor die Haustüre hinankletterten [G. Hauptm.Ketzer4,100]
Du bist wie eine Blume / So hold und schön und rein [HeineDu bist wie eine Blume1,117]
2.
oft in Verbindung mit »sein«
geneigt, wohlgesonnen, zugetan
Gegenwort zu abhold
Beispiele:
der Bursche war dem Mädchen hold
schon in der Schule war das Kind dem Schreiben und Lesen nicht hold gewesen
die Stiefmutter war ihrem Stiefsohn nicht hold gesinnt
sie blieb dem Freund hold gesinnt
das Glück war uns nicht hold (= wir hatten kein Glück)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hold · abhold · holdselig · Holdseligkeit · Unhold · unhold
hold Adj. ‘geneigt, günstig gesinnt, zugetan’, auch (seit dem 18. Jh.) ‘anmutig, lieblich, bezaubernd’. Das Adjektiv ahd. hold (8. Jh.), mhd. mnd. holt ‘geneigt, zugetan, gnädig, treu, ergeben, dienstbar’, asächs. afries. aengl. hold, mnl. hout, anord. hollr, schwed. dän. huld, got. hulþs (germ. *hulþa-) bezieht sich im Mittelalter bes. auf das gegenseitige Verhältnis zwischen Lehnsherrn und Gefolgsmann und bedeutet daher einerseits ‘gnädig, geneigt’, andererseits ‘treu ergeben’. Dazu gehören das Abstraktum ↗Huld (s. d.) und die Substantivierungen ahd. holdo m. (9. Jh.), mhd. holde m. ‘Freund, Geliebter, Diener, Dienstmann’, holde f. ‘Freundin, Dienerin’, die auch übernatürliche Wesen (Geister, Dämonen, mythische Gestalten) bezeichnen können, vgl. mhd. die guoten holden ‘Hausgeister’, des tievels holde ‘Höllengeister’, ferner Unhold (s. unten) und Frau Holle. Das Adjektiv führt im Sinne von ‘geneigt’ mit der unter ↗Halde (s. d.) dargestellten Wortgruppe auf die Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’. abhold Adj. ‘nicht gewogen, abgeneigt, feindlich gesinnt’, mhd. abholt. holdselig Adj. ‘reizend, lieblich, anmutig’ (15. Jh.), Zusammensetzung aus hold und ↗-selig (s. d.) und früher als das Simplex (s. oben) auf die Anmut der Erscheinung bezogen; dazu Holdseligkeit f. (16. Jh.). Unhold m. ‘böser, furchterregender Geist des Volksglaubens, Teufel, Ungeheuer, roher, gewalttätiger Mensch’, asächs. unholdo, mhd. unholde ‘der Ungeneigte, Böse, Feindselige, Dämon, Teufel’, aengl. unholda, got. unhulþa sowie die fem. Formen ahd. unholda (8. Jh.), mhd. unholde (wofür im 17. Jh. Unholdin neben Unhold f.), got. unhulþō sind Substantivierungen des heute selten gebrauchten Adjektivs unhold ‘böse, feindselig, unfreundlich, abgeneigt’, ahd. (9. Jh.), asächs. aengl. unhold, mhd. unholt ‘nicht geneigt, feindlich, feindselig’. Unhold bezeichnet ursprünglich ein ‘dämonisches Wesen’, im christlichen Sinne den ‘Teufel’, heute einen ‘bösartigen Menschen’, oft einen ‘Sittlichkeitsverbrecher’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) gewogen · ↗angetan (von) · auf jemandes Seite sein · ↗eingenommen (von) · ↗geneigt (Publikum/Leser) · nicht abgeneigt · zugeneigt · ↗zugetan  ●  ↗(jemandem / einer Sache) hold  geh., veraltet
Assoziationen
  • (gut) leiden können · gernhaben · gewogen sein · leiden mögen · lieb gewonnen haben · ↗lieb haben · liebgewonnen haben · ↗liebhaben · ↗mögen · sympathisch finden  ●  ans Herz gewachsen (sein)  ugs., fig. · für (jemanden) etwas übrig haben  ugs., fig. · gut ausstehen können  ugs. · in sein Herz geschlossen haben  ugs. · ins Herz schließen  ugs. · mit jemandem gut können  ugs. · mit jemandem können  ugs.
  • (voll) entflammt (für jemanden) · Feuer und Flamme (für) · betört · heillos verliebt · hingerissen · in Liebe entbrannt · ↗liebeskrank · ↗liebestoll · ↗liebestrunken · rettungslos verliebt · schrecklich verliebt · unsterblich verliebt · vernarrt (in) · ↗verrückt (nach)  ●  in Flammen stehen  fig. · in hellen Flammen stehen  fig. · ↗verliebt  Hauptform · von Amors Pfeil getroffen  fig. · Flugzeuge im Bauch (haben)  ugs., fig. · Frühlingsgefühle haben  ugs., fig. · Schmetterlinge im Bauch (haben)  ugs., fig. · auf Wolke sieben  ugs. · bis über beide Ohren verliebt  ugs. · hin und weg  ugs. · im siebten Himmel  ugs. · schwer verliebt  ugs. · ↗verknallt  ugs. · verschossen  ugs. · weiche Knie (haben)  ugs.
  • (...) eingestellt · ↗(...) gesinnt · aufgeschlossen für · mit Sympathien für · sympathisierend (mit ...)
  • aufgeschlossen · ↗empfänglich · ↗geneigt · ↗interessiert · nicht abgeneigt · zu haben (für) · ↗zugänglich
Synonymgruppe
(bewundernde) Blicke auf sich ziehen · (ein) herrlicher Anblick · (eine) Wohltat fürs Auge · (eine) wahre Pracht · ↗Hingucker · ↗allerliebst · ↗attraktiv · ein erfreulicher Anblick · eine Augenweide · ↗entzückend · ↗gut aussehend · ↗herrlich · hinreißend · ↗hübsch · hübsch anzusehen · ↗lieblich · ↗liebreizend · ↗reizend · ↗schmuck · schön anzusehen · wie gemalt  ●  ↗fesch  österr. · ↗schön  Hauptform · ↗Augenschmaus  geh. · Augenschmeichler  geh. · ↗ansehnlich  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
gutgesinnt · ↗gütig · ↗verständnisvoll · ↗wohlgesinnt · ↗wohlwollend  ●  wohlsinnig  schweiz. · affektioniert  geh., franz., lat. · ↗geneigt  geh. · ↗gewogen  geh. · wohlgesonnen  ugs. · ↗wohlmeinend  geh. · ↗zugetan  geh.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abendstern Anmut Antlitz Bescheiden Blonde Damenwelt Einfalt Eintracht Flöte Gattin Geschöpf Glück Gönner Göttin Jugendzeit Jungfrau Jüngling Knabe Lenz Maid Muse Schwachsinn Schwäne Wahn Wahnsinn Weib Weiblichkeit belebenden holder unholde

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hold‹.

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Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Besänftigt die "holde Kunst" den musizierenden Musiker tatsächlich, oder macht sie ihn erst wahrhaft zum Tier?
Süddeutsche Zeitung, 08.09.2000
Sie waren ihm nicht hold, und auch er schimpfte über sie.
Die Zeit, 19.04.1985, Nr. 17
Nie war sie ihm schöner, holder erschienen als in dieser sehnsüchtigen Haltung.
Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 68
In diesen Minuten gab ihm die Nähe des holden Mädchens ein zartes Glücksgefühl.
Boy-Ed, Ida: Vor der Ehe. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 3319
Ich weiß, du wirst diese Gesinnung verstehen, mein holdes Mädchen.
Meysenbug, Malwida von: Unerfüllt. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1907], S. 3425
Zitationshilfe
„hold“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hold>, abgerufen am 24.06.2017.

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