Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

hold

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Wortbildung  mit ›hold‹ als Erstglied: holdselig  ·  mit ›hold‹ als Letztglied: abhold · unhold  ·  formal verwandt mit: Unhold

Bedeutungsübersicht+

  1. [gehoben] ...
    1. 1. anmutig, lieblich
    2. 2. geneigt, wohlgesonnen, zugetan
eWDG

Bedeutung

gehoben
1.
anmutig, lieblich
Beispiele:
das holde Kind
eine holde Gestalt
ein holder Anblick, Gesang
der holde Frühling
sie lächelt hold, hold verschämt
scherzhaftdie holde Weiblichkeit
Du holde Kunst [ SchubertAn die Musik]
so daß unter ihm eine steinfreie, saftig begrünte Lehne blieb, aus der in entzückender Fülle und holdester Lieblichkeit gelbe Kuhblumen bis an die Rampe vor die Haustüre hinankletterten [ G. Hauptm.Ketzer4,100]
Du bist wie eine Blume / So hold und schön und rein [ HeineDu bist wie eine Blume1,117]
2.
geneigt, wohlgesonnen, zugetan
Grammatik: oft in Verbindung mit »sein«
in gegensätzlicher Bedeutung zu abhold
Beispiele:
der Bursche war dem Mädchen hold
schon in der Schule war das Kind dem Schreiben und Lesen nicht hold gewesen
die Stiefmutter war ihrem Stiefsohn nicht hold gesinnt
sie blieb dem Freund hold gesinnt
das Glück war uns nicht hold (= wir hatten kein Glück)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hold · abhold · holdselig · Holdseligkeit · Unhold · unhold
hold Adj. ‘geneigt, günstig gesinnt, zugetan’, auch (seit dem 18. Jh.) ‘anmutig, lieblich, bezaubernd’. Das Adjektiv ahd. hold (8. Jh.), mhd. mnd. holt ‘geneigt, zugetan, gnädig, treu, ergeben, dienstbar’, asächs. afries. aengl. hold, mnl. hout, anord. hollr, schwed. dän. huld, got. hulþs (germ. *hulþa-) bezieht sich im Mittelalter besonders auf das gegenseitige Verhältnis zwischen Lehnsherrn und Gefolgsmann und bedeutet daher einerseits ‘gnädig, geneigt’, andererseits ‘treu ergeben’. Dazu gehören das Abstraktum Huld (s. d.) und die Substantivierungen ahd. holdo m. (9. Jh.), mhd. holde m. ‘Freund, Geliebter, Diener, Dienstmann’, holde f. ‘Freundin, Dienerin’, die auch übernatürliche Wesen (Geister, Dämonen, mythische Gestalten) bezeichnen können, vgl. mhd. die guoten holden ‘Hausgeister’, des tievels holde ‘Höllengeister’, ferner Unhold (s. unten) und Frau Holle. Das Adjektiv führt im Sinne von ‘geneigt’ mit der unter Halde (s. d.) dargestellten Wortgruppe auf die Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’. – abhold Adj. ‘nicht gewogen, abgeneigt, feindlich gesinnt’, mhd. abholt. holdselig Adj. ‘reizend, lieblich, anmutig’ (15. Jh.), Zusammensetzung aus hold und -selig (s. d.) und früher als das Simplex (s. oben) auf die Anmut der Erscheinung bezogen; dazu Holdseligkeit f. (16. Jh.). Unhold m. ‘böser, furchterregender Geist des Volksglaubens, Teufel, Ungeheuer, roher, gewalttätiger Mensch’, asächs. unholdo, mhd. unholde ‘der Ungeneigte, Böse, Feindselige, Dämon, Teufel’, aengl. unholda, got. unhulþa sowie die fem. Formen ahd. unholda (8. Jh.), mhd. unholde (wofür im 17. Jh. Unholdin neben Unhold f.), got. unhulþō sind Substantivierungen des heute selten gebrauchten Adjektivs unhold ‘böse, feindselig, unfreundlich, abgeneigt’, ahd. (9. Jh.), asächs. aengl. unhold, mhd. unholt ‘nicht geneigt, feindlich, feindselig’. Unhold bezeichnet ursprünglich ein ‘dämonisches Wesen’, im christlichen Sinne den ‘Teufel’, heute einen ‘bösartigen Menschen’, oft einen ‘Sittlichkeitsverbrecher’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) Hingucker · (eine) wahre Pracht · allerliebst · anziehend · attraktiv · entzückend · gut aussehend · herrlich · hinreißend · hübsch · hübsch anzusehen · lieblich · liebreizend · reizend · schmuck · schön anzusehen · wie gemalt  ●  fesch  österr. · hold  dichterisch · schön  Hauptform · was fürs Auge  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
gutgesinnt · gütig · verständnisvoll · wohlgesinnt · wohlgesonnen · wohlwollend  ●  wohlsinnig  schweiz. · affektioniert  geh., franz., lat. · freundlich gesonnen  geh. · geneigt  geh. · gewogen  geh. · hold  geh., veraltend · wohlmeinend  geh. · zugetan  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›hold‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hold‹.

Verwendungsbeispiele für ›hold‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie waren ihm nicht hold, und auch er schimpfte über sie. [Die Zeit, 19.04.1985, Nr. 17]
Besänftigt die »holde Kunst« den musizierenden Musiker tatsächlich, oder macht sie ihn erst wahrhaft zum Tier? [Süddeutsche Zeitung, 08.09.2000]
Seine großen, grauen Augen sogen sich fest an ihren holden Zügen, die durch die Freude noch verklärt schienen. [Die Zeit, 07.10.1988, Nr. 41]
Nie war sie ihm schöner, holder erschienen als in dieser sehnsüchtigen Haltung. [Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 68]
Hold und lind geht sie immer noch nicht mit denen um, die sie nicht leiden kann. [Süddeutsche Zeitung, 08.05.2002]
Zitationshilfe
„hold“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hold>.

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