Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

holdselig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung hold-se-lig
Wortzerlegung hold -selig
Wortbildung  mit ›holdselig‹ als Erstglied: Holdseligkeit
eWDG

Bedeutung

gehoben liebreizend, anmutig
Beispiele:
ein holdseliger Anblick
da blickte das schönste Mädchengesicht herein […] lachte holdselig [ G. KellerGr. Heinrich4,659]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hold · abhold · holdselig · Holdseligkeit · Unhold · unhold
hold Adj. ‘geneigt, günstig gesinnt, zugetan’, auch (seit dem 18. Jh.) ‘anmutig, lieblich, bezaubernd’. Das Adjektiv ahd. hold (8. Jh.), mhd. mnd. holt ‘geneigt, zugetan, gnädig, treu, ergeben, dienstbar’, asächs. afries. aengl. hold, mnl. hout, anord. hollr, schwed. dän. huld, got. hulþs (germ. *hulþa-) bezieht sich im Mittelalter besonders auf das gegenseitige Verhältnis zwischen Lehnsherrn und Gefolgsmann und bedeutet daher einerseits ‘gnädig, geneigt’, andererseits ‘treu ergeben’. Dazu gehören das Abstraktum Huld (s. d.) und die Substantivierungen ahd. holdo m. (9. Jh.), mhd. holde m. ‘Freund, Geliebter, Diener, Dienstmann’, holde f. ‘Freundin, Dienerin’, die auch übernatürliche Wesen (Geister, Dämonen, mythische Gestalten) bezeichnen können, vgl. mhd. die guoten holden ‘Hausgeister’, des tievels holde ‘Höllengeister’, ferner Unhold (s. unten) und Frau Holle. Das Adjektiv führt im Sinne von ‘geneigt’ mit der unter Halde (s. d.) dargestellten Wortgruppe auf die Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’. – abhold Adj. ‘nicht gewogen, abgeneigt, feindlich gesinnt’, mhd. abholt. holdselig Adj. ‘reizend, lieblich, anmutig’ (15. Jh.), Zusammensetzung aus hold und -selig (s. d.) und früher als das Simplex (s. oben) auf die Anmut der Erscheinung bezogen; dazu Holdseligkeit f. (16. Jh.). Unhold m. ‘böser, furchterregender Geist des Volksglaubens, Teufel, Ungeheuer, roher, gewalttätiger Mensch’, asächs. unholdo, mhd. unholde ‘der Ungeneigte, Böse, Feindselige, Dämon, Teufel’, aengl. unholda, got. unhulþa sowie die fem. Formen ahd. unholda (8. Jh.), mhd. unholde (wofür im 17. Jh. Unholdin neben Unhold f.), got. unhulþō sind Substantivierungen des heute selten gebrauchten Adjektivs unhold ‘böse, feindselig, unfreundlich, abgeneigt’, ahd. (9. Jh.), asächs. aengl. unhold, mhd. unholt ‘nicht geneigt, feindlich, feindselig’. Unhold bezeichnet ursprünglich ein ‘dämonisches Wesen’, im christlichen Sinne den ‘Teufel’, heute einen ‘bösartigen Menschen’, oft einen ‘Sittlichkeitsverbrecher’.

Typische Verbindungen zu ›holdselig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›holdselig‹.

Verwendungsbeispiele für ›holdselig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sein Herz zog sich beklemmender zusammen – sie war holdseliger als jemals. [Schaeffer, Albrecht: Helianth II, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 157]
Aber jetzt erfreut er sich ihrer, eines holdselig liebevollen Wesens. [Die Zeit, 20.07.1950, Nr. 29]
Als sie heute mittag das Wort Pastete hörte, lächelte sie holdselig. [Die Zeit, 29.01.1951, Nr. 05]
Ich gebe zu: »Holdselig« ist schwer verdaulich und hoffe, daß mit »Wacholder« kein Gin gemeint war. [Bild, 17.01.1998]
Dies alles wäre nun ebenso holdselig wie sterbenslangweilig, gäbe es keine Widersacher gegen das utopische Projekt. [Die Zeit, 14.02.1997, Nr. 8]
Zitationshilfe
„holdselig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/holdselig>.

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