holen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungho-len
Wortbildung mit ›holen‹ als Letztglied: ↗Atemholen · ↗abholen · ↗anholen · ↗aufholen · ↗ausholen · ↗durchholen · ↗einholen · ↗fortholen · ↗heimholen · ↗herabholen · ↗heranholen · ↗heraufholen · ↗herausholen · ↗herbeiholen · ↗hereinholen · ↗herholen · ↗herunterholen · ↗hervorholen · ↗herüberholen · ↗hinüberholen · ↗hochholen · ↗kielholen · ↗nachholen · ↗niederholen · ↗rausholen · ↗runterholen · ↗vorholen · ↗wegholen · ↗wiederholen1 · ↗wiederholen2 · ↗zurückholen · ↗zusammenholen · ↗überholen
 ·  mit ›holen‹ als Grundform: ↗Holen · ↗erholen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
von einem Ort zu einem anderen gehen, dort etw. ergreifen und es herbeibringen, jmdn. zur Stelle schaffen, führen
a)
Beispiele:
das Kind holt dem Vater die Zeitung
er holte für den Redner ein Glas frisches Wasser
du kannst dir das wieder holen
der Junge holt seinen Bruder vom Spielplatz
die Feuerwehr wurde zur Brandstelle geholt
sie holten Holz und Kohlen mit dem Handwagen
der Bauer holt das Pferd aus dem Stall
das Essen aus der Küche holen
die Jungen holten Nüsse vom Baum (= pflückten sie)
umgangssprachlich Bücher vom Regal holen (= herunternehmen)
umgangssprachlich Brötchen vom Bäcker holen (= einkaufen)
umgangssprachlich den Wagen aus der Garage holen (= herausfahren)
umgangssprachlich jmdn. zum Militär holen (= einziehen)
umgangssprachlich der Bursche holt das Mädchen zum Tanz (= fordert es zum Tanz auf)
umgangssprachlich jmdn. nachts aus dem Bett holen (= jmdn. veranlassen, aufzustehen und mitzukommen)
umgangssprachlich er wurde als Dozent an die Universität geholt (= wurde berufen)
umgangssprachlich das Kind musste mit der Zange geholt (= bei der Geburt mit der Zange ergriffen) werden
umgangssprachlich, verhüllend jmdn. verhaften
Beispiele:
die Polizei hat den Mann geholt
Sie sagen: Wenn einmal die Schwarzen kommen, dann wird jeder, der Jud ist, auf der Stelle geholt [FrischAndorra227]
b)
übertragen
Beispiele:
salopp den Kerl werde ich mir mal holen! (= mit ihm werde ich mich gründlich auseinandersetzen)
umgangssprachlich der arbeitsscheue Sohn holte seinen Eltern das letzte Geld aus der Tasche (= nahm ihnen mit Raffinesse das Geld ab)
umgangssprachlich hier ist nichts mehr zu holen (= es ist nichts Brauchbares zu gewinnen)
umgangssprachlich ihr wollt euch wohl Schläge holen? (= Drohung)
salopp holʼs der Teufel! (= Verwünschung)
salopp der Teufel soll dich holen! (= Verwünschung)
salopp der Henker holʼ dich (= Verwünschung)
umgangssprachlich für jmdn. die Kastanien aus dem Feuer holen (= für jmdn. eine unangenehme, gefährliche Aufgabe übernehmen)
umgangssprachlich die Sterne vom Himmel holen (= fast Unmögliches vollbringen)
2.
sich [Dativ] bei jmdm. Rat holenbei jmdm. Rat suchen und bekommen
Beispiele:
die Flüchtlinge holten sich bei hilfsbereiten Menschen Rat und Trost
das Kind holt sich von dem Lehrer Hilfe bei der Lösung der Rechenaufgabe
das Mädchen hat sich von der Mutter die Erlaubnis geholt, zur Geburtstagsfeier zu gehen
und viel Volk kam aus ganz Kasakstan, / Rat zu holen bei dem einstigen Nomaden [BrechtHirse14]
3.
etw. erwerben, gewinnen
Beispiele:
der Sportler holte den Sieg für sein Land
er holte sich [Dativ] eine Goldmedaille im Weitsprung
die Pianistin holte sich [Dativ] beim internationalen Wettbewerb den ersten Preis
in dem unerschlossenen Gebiet sind noch viele Bodenschätze zu holen
4.
umgangssprachlich sich [Dativ] etw. holensich etw. Schlimmes zuziehen
Beispiele:
in der Zugluft hat sich der Junge eine Erkältung geholt
sich Schnupfen, Fieber, die Grippe holen
du kannst dir bei deinem unvorsichtigen Verhalten beim Motorradfahren den Tod holen
der Lungenkranke hat sich in der feuchten Wohnung den Rest geholt (= ist unheilbar krank geworden)
sich einen Anschnauzer holen (= einen Anschnauzer bekommen)
beim zweiten Tanz holte sich der Bursche einen Korb von dem Mädchen (= wurde abgewiesen)
salopp sich kalte Füße holen (= einen Mißerfolg haben)
salopp sich blutige Köpfe holen (= zurückgeschlagen werden)
5.
Seemannssprache etw. ziehen, herablassen
Beispiele:
das Ende (= Tau) holen
die Schot dicht holen
Jetzt zum Schlusse wurden sie [die Segel] so straff geholt, daß ihre Kanten fein wie Flötenzungen zitterten und pfiffen [BartningErdball39]
6.
Atem, Luft holeneinatmen
Beispiele:
er holte tief Atem
der Kranke hustete und holte stoßweise Luft
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

holen · erholen · Erholung · nachholen · überholen · überholt
holen Vb. ‘hingehen und etw. herbringen, herbeischaffen, jmdn. veranlassen, bitten zu kommen’, reflexiv ‘sich etw. Schlimmes zuziehen’, ahd. halōn, (seltener) holōn (8. Jh.), holēn (9. Jh.), mhd. hol(e)n, (seltener) haln ‘herbeirufen, herbeibringen, erreichen, erwerben und mit sich fortführen’, asächs. halon ‘holen, ziehen, bringen’, mnd. mnl. hālen, nl. halen ‘holen, ziehen’, aengl. geholian ‘bekommen, erhalten’. Die Herkunft der (untereinander ablautenden) westgerm. Verbformen ist nicht sicher geklärt. Man verbindet sie gewöhnlich mit griech. kalé͞in (καλεῖν) ‘rufen, nennen, herbeirufen’, lat. calāre ‘aus-, zusammenrufen’ und stellt sie in Sinne von ‘(herbei)rufen’ bzw. ‘rufen beim gemeinschaftlichen Ziehen’ zu der unter ↗hell (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. auch ↗Hall). Oder man geht von einer Grundbedeutung ‘ziehen, mit Anstrengung herbeischaffen’ aus, vergleicht griech. kálōs (κάλως) ‘Seil, Tau, Kabel’ (das Frisk 1, 770 allerdings als technisches Fremdwort fernhalten will) und setzt eine Wurzel ie. *kal- ‘ziehen’ voraus; vgl. Mansion in: PBB 33 (1908) 547 ff. erholen Vb. reflexiv ‘sein Wohlbefinden wiedererlangen, wieder zu Kräften kommen, gesund werden, ausspannen’, ahd. irholōn (9. Jh.), irhalōn (10. Jh.) ‘herbeiholen, (Geld) einfordern’, mhd. erholn ‘einbringen, erwerben, Versäumtes nachholen, erfrischen’, reflexiv ‘sich erholen, ein Versäumnis gutmachen, sich anders besinnen’; Erholung f. (15. Jh.). nachholen Vb. ‘nachträglich holen, Versäumtes nachträglich erledigen, nacharbeiten’ (17. Jh.). überholen Vb. in unfester Zusammensetzung ‘herüberholen, übersetzen, ans andere Ufer befördern’, besonders im Ruf nach dem Fährmann hol’ über!, mhd. überholn (s. ↗hallo); in fester Zusammensetzung ‘einholen und hinter sich lassen, an Geschwindigkeit übertreffen’ (16. Jh.), übertragen ‘in der Leistung übertreffen’, in der Technik ‘(Maschine, Fahrzeug) auf Fehler durchsehen, prüfen, Mängel beseitigen, ausbessern’, zuerst in der Seemannssprache (als Übersetzung von engl. to overhaul) ‘gründlich nachsehen und instand setzen’ (um 1870); vgl. Generalüberholung (20. Jh.); überholt Part.adj. ‘veraltet’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) zulegen · ↗anschaffen · ↗besorgen · ↗einkaufen · ↗erkaufen · käuflich erwerben  ●  ↗kaufen  Hauptform · (sich) holen  ugs. · ↗(sich) kaufen  ugs. · ↗erstehen  geh. · ↗shoppen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
abholen · ↗abtransportieren · ↗einsammeln · holen
Synonymgruppe
besorgen · ↗heranholen · ↗heranschaffen · ↗herbeischaffen · holen · ↗mobilisieren · ↗zusammenbekommen  ●  ↗organisieren  ugs. · ↗zusammenkriegen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
erreichen · holen · ↗kommen (auf)  ●  ↗(Ergebnis) einfahren  fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (ein Rennen) für sich entscheiden · ↗(einen Preis / eine Auszeichnung...) einheimsen · den Sieg erlangen · erster werden · ↗triumphieren  ●  ↗gewinnen  Hauptform · mit dem Pokal nach Hause fahren (können)  mediensprachlich, auch figurativ · ↗siegen  Hauptform · (einen Pokal / Preis) holen  ugs. · So sehen Sieger aus!  ugs., Spruch · das Rennen machen  ugs. · den Sieg erringen  geh. · ↗obsiegen  geh.
Synonymgruppe
(sich) zuziehen (Krankheit) · ↗bekommen (Krankheit) · ↗erkranken (an) · krank werden  ●  ↗(sich was) einfangen  ugs., salopp · ↗(sich was) wegholen  ugs., salopp · (sich) den Tod holen  ugs., übertreibend · ↗(sich) einhandeln  ugs. · (sich) holen (Krankheit)  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(auf die Welt) holen · Geburtshilfe leisten
Assoziationen
Synonymgruppe
reißen (Beutegreifer) · ↗schlagen (Greifvogel)  ●  (sich) holen  ugs.
Oberbegriffe
  • (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden · ↗auslöschen · ↗ermorden · ins Jenseits befördern · ↗killen · ↗meucheln · tot... · ↗umbringen · ums Leben bringen · zum Schweigen bringen · zur Strecke bringen  ●  (jemandem) das Lebenslicht auslöschen  fig., variabel · ↗töten (absichtlich)  Hauptform · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · ↗abmurksen  ugs. · ↗abservieren  ugs., salopp · ↗ausknipsen  ugs., fig., salopp · ↗entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · ↗kaltmachen  ugs. · ↗totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs. · ↗umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein Rennen) für sich entscheiden · ↗(einen Preis / eine Auszeichnung...) einheimsen · den Sieg erlangen · erster werden · ↗triumphieren  ●  ↗gewinnen  Hauptform · mit dem Pokal nach Hause fahren (können)  mediensprachlich, auch figurativ · ↗siegen  Hauptform · (einen Pokal / Preis) holen  ugs. · So sehen Sieger aus!  ugs., Spruch · das Rennen machen  ugs. · den Sieg erringen  geh. · ↗obsiegen  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
die Puppen zum Tanzen bringen · in Begeisterung versetzen  ●  ↗(etwas) aufrollen  fig. · ↗(im Sturm) einnehmen  fig. · (sich) holen  fig. · ↗(etwas) rocken  ugs., jugendsprachlich, Hauptform
Synonymgruppe
(Preis / ersten Platz) holen · ↗(Preise) abräumen  ●  (Pokal) nach Hause bringen (Sportjournalismus)  Jargon · ↗(Preis) gewinnen  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Boot Bronze Goldmedaille Haus Hilfe Medaille Meisterschaft Punkt Rat Schrank Sieg Spiel Spieler Titel WM-Titel abholen aufholen ausholen einholen er herausholen hervorholen ich nachholen raus rausholen tief wir zurück zurückholen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›holen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man muss schon mal tief Luft holen, um das selbst glauben zu können.
Die Zeit, 17.09.2013 (online)
Weil er nicht noch einmal fahren wollte, entschied er sich, trotz des Sturms auch die anderen gleich zu holen.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 73
Wie schon so oft in der deutschen Geschichte dieses Jahrhunderts hat sich die Bourgeoisie rechtssozialdemokratische Führer zu Hilfe geholt.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1971]
Und als sie damit fertig waren, holten sie ihre Mutter.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 465
Vielleicht, wer weiß, wie es bei so einem im Kopf aussieht, vielleicht will Franz sich von Reinhold seinen Arm wieder holen.
Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz, Olten: Walter 1961 [1929], S. 308
Zitationshilfe
„holen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/holen>, abgerufen am 15.10.2019.

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