hotten

Grammatik Verb · hottet, hottete, hat gehottet
Aussprache  [ˈhɔtn̩]
Worttrennung hot-ten
Grundform Hot
Wortbildung  mit ›hotten‹ als Letztglied: ↗abhotten

Bedeutungsgeschichte

Der im frühen 20. Jahrhundert von Jazzanhängern geprägte Ausdruck bezeichnete ursprünglich das Spielen von bzw. das stark rhythmische Tanzen zu Jazzmusik. In der Jugendsprache der darauffolgenden Jahrzehnte wurde er auch allgemein in Bezug auf ausgelassenes Tanzen verwendet.
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

umgangssprachlich jmd. hottet (etw.)
a)
(in leidenschaftlicher Weise) Jazz, insbesondere Hot (1) spielen
Beispiele:
»Wir hotteten, bis uns die Finger bluteten«, schreibt [Jazzpianist Michael] Naura in seinem Buch Jazz-Attacken. [Frankfurter Rundschau, 18.02.2004]
Es hotteten 35 Bands mit 220 Musikern aus zehn Ländern und boten an fünf Festivaltagen für rund eine halbe Million Zuschauhörer mehr als 300 Stunden Jazz. [Leipziger Volkszeitung, 30.12.2008]
Vom begeisterten Publikum gedrängt, setzten sie sich am Schluss gleichzeitig alle ans Klavier und hotteten sechshändig Jazz nach Strich und Faden. [Aachener Zeitung, 07.11.2008]
Ganz früher haben sie schon mal gemeinsam gejazzt und gehottet, die drei Herren im gesetzten Alter. [Allgemeine Zeitung, 18.02.2003]
allgemeinerGediegenes Handwerk mit Folkie‑Einschlag ist [beim Konzert von »Toad The Wet Sprocket«] zu erwarten, vielleicht sogar Momente jener Rührung, die entsteht, wenn sympathische Neurotiker sich auf der Bühne in die Enthemmung hotten. [die tageszeitung, 06.02.1993]
Die drei Saxophonspieler im Vordergrund spielen, oder besser gesagt »hotten« im Stehen. [Neues Deutschland, 20.11.1946]
b)
ausgelassen, verausgabend tanzen
besonders mit rhythmisch betonter Gestik zu Jazzmusik
Beispiele:
Ab 21 Uhr bis tief in die Nacht wird dann wild »gehottet«: Swing‑Fans zwischen 18 und 30 Jahren wirbeln ihre Arme und Beine durch die Luft, springen übereinander und kreisen die Hüften, bis ihnen die Schweißperlen auf der Stirn stehen. Getanzt werden Lindy‑Hop, Shag, Boogie‑Woogie und Charleston. [Welt am Sonntag, 03.08.2008]
Wollen junge Leute Spaß haben und mal eine Nacht durchmachen, geht’s ab in die Disko. Da wird auf der Tanzfläche gehottet, gesprungen, sich verrenkt. [Leipziger Volkszeitung, 14.01.2019]
»Ich habe mich der Musik hingegeben wie einer Droge«, sagt er. Vor allem aber fühlte er sich aufgehoben in der Gemeinschaft: »Bei den Swings (= oppositionelle Jugendkultur im Nationalsozialismus) habe ich gelernt, frei zu atmen, ohne in Angst zu leben.« Statt im Gleichschritt zu marschieren, »hotteten« sie – abgeleitet von »Hot Music«, dem Synonym für Jazz. [Der Spiegel, 20.11.2016 (online)]
Ab 19.30 Uhr soll die Innenstadt in ein großes Tanzfest verwandelt werden. An zehn Orten und Plätzen kann kostenlos geswingt, gehottet, gerockt und klassisch getanzt werden. [Badische Zeitung, 12.07.2008]
Während Deutschland gerade dabei ist, Moskau erobern zu wollen, wird in »Leo’s Bar« ausgelassen zu »The Swing Is On« […] geswingt und gehottet. [Berliner Morgenpost, 22.02.2005]
Damals haben wir ganz wild gehottet, zu Pop, Wave und Hits aus den 70er‑ und 80er‑Jahren. Schön war das, nicht so ein Krach, wie ihn die Jugend heute hört! [Hamburger Abendblatt, 19.04.2001]
Von der Tanzmeile Hasenheide heißt es: »Man ging nicht tanzen, sondern puffern, schweuern, hotten, zittern«. […] Der Obrigkeit war dieses hemmungslose Treiben durchaus unheimlich. [die tageszeitung, 01.06.1990]

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›hotten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hotten‹.

Zitationshilfe
„hotten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hotten>, abgerufen am 15.04.2021.

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