humanistisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunghu-ma-nis-tisch
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›humanistisch‹ als Letztglied: ↗antihumanistisch
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
die Würde des Menschen bewahrend und das Wohl der Menschheit fördernd, vom Geiste der Menschlichkeit erfüllt
Beispiele:
ein humanistischer Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler
eine humanistische Kultur, Literatur, Kunst
sein humanistisches Werk, Denken, Wollen, Anliegen
(wahrhaft) humanistische Ideale, Gesinnungen, Standpunkte
die (besten) humanistischen Traditionen
das humanistisches Erbe, Vermächtnis bewahren, weiterführen
sein humanistisches Handeln als Arzt
der humanistische Inhalt seiner Schriften
diese Bemühungen haben einen humanistischen Charakter, sind von humanistischem Gedankengut getragen
er handelt im humanistischen Sinne, aus humanistischen Gründen
er denkt humanistisch, ist humanistisch gesinnt
2.
historisch
entsprechend der Bedeutung von Humanismus (2)
Beispiele:
die humanistische Bewegung, Epoche
die humanistische Bestrebungen gingen von Italien aus
3.
den klassischen Studien gewidmet, auf Sprachen und Kultur der Antike aufbauend
Beispiele:
das humanistisches Gymnasium
eine humanistische Bildung haben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

human · Humanität · Humanist · humanistisch · Humanismus
human Adj. ‘menschlich, menschenfreundlich, feingebildet’, Entlehnung (17. Jh.) aus gleichbed. lat. hūmānus, einer Adjektivbildung zu lat. homo (Genitiv hominis) ‘Mensch’ (dieses zu lat. humus ‘Erde, Erdboden’, s. ↗Humus). Im 18. Jh. nimmt das Adjektiv unter dem Einfluß von Humanität (s. unten) auch die Bedeutung ‘menschenwürdig’ an. Humanität f. ‘Menschlichkeit, menschliche Würde, menschliches Denken und Handeln’, seit der Klassik (Herder) ‘umfassende Bildung und höchstes sittliches Verhalten des Menschen’, Entlehnung (16. Jh.), zunächst im Sinne von ‘Freundlichkeit, Güte’, aus lat. hūmānitās (Genitiv hūmānitātis) ‘menschliche Natur, Menschheit, Menschenfreundlichkeit, Milde, feine Bildung’, zu lat. hūmānus. Im Sinne von ‘gelehrte Kenntnis, höhere Bildung, freie Entfaltung aller menschlichen Geisteskräfte’ wird lat. hūmānitās zum Losungswort des aus der Renaissance hervorgegangenen Humanismus. Humanist m. ‘Kenner des klassischen Altertums, seiner Sprachen und Schriften, Anhänger einer auf dieser Kenntnis beruhenden Bildung’ (1. Hälfte 18. Jh.), ‘Vertreter der historischen Bewegung des Humanismus’ (um 1800), latinisierte Entlehnung von ital. umanista bzw. mfrz. humaniste ‘wer höhere Bildung besitzt, Kenner der antiken Schriften’ (beide 16. Jh.), zu ital. umano, afrz. frz. humain, lat. hūmānus (s. oben). humanistisch Adj. ‘die Kenntnis der Antike, die alten Sprachen betreffend, altsprachlich’ (2. Hälfte 18. Jh.), vgl. humanistische Schulen, Studien, humanistisches Gymnasium; ‘den Humanismus betreffend, auf ihm beruhend’ (19. Jh.). Humanismus m. pädagogisches System, das besonderen Wert auf die Erlernung der antiken Sprachen legt (um 1800); in Anlehnung an Humanist (s. oben) gebildet zu lat. hūmānus. Danach, besonders seit der Darstellung von G. Voigt „Die Wiederbelebung des klassischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus“ (1859), Bezeichnung für die im Italien des 14. Jhs. einsetzende frühbürgerliche Bewegung, die sich mit der klassischen griechischen, lateinischen und der frühchristlichen Literatur und Bildung beschäftigt und die Wiederbelebung antiker Bildungsideale anstrebt; in Anlehnung an lat. hūmānitās (s. oben). Heute auch ‘Gesamtheit aller Ideen und Bestrebungen mit dem Ziel eines menschenwürdigen Daseins’ (20. Jh.), in Anlehnung an human (s. oben).

Typische Verbindungen zu ›humanistisch‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›humanistisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›humanistisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Meine erste Stelle als Lehrer hatte ich an einem humanistischen Internat.
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2001
Wie der Name vermuten läßt, soll die Schule humanistischen Idealen folgen.
Die Welt, 22.06.1999
Das ließ sich womöglich nicht mit seiner vorzüglichen humanistischen Bildung vereinbaren.
Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 159
Es ist die humanistische Tradition, auf die wir zurückverwiesen werden.
Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 12
Die Bildung dient ihm, humanistisch, die Bildung bedroht ihn, rationalistisch.
Heimpel, Hermann: Luthers weltgeschichtliche Bedeutung. In: ders., Der Mensch in seiner Gegenwart, Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht 1957 [1946], S. 150
Zitationshilfe
„humanistisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/humanistisch>, abgerufen am 30.03.2020.

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