hungern

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung hun-gern
Wortbildung  mit ›hungern‹ als Letztglied: ↗abhungern · ↗aushungern · ↗durchhungern · ↗erhungern · ↗runterhungern · ↗tot hungern · ↗tothungern · ↗verhungern

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. anhaltend Hunger leiden
  2. 2. [gehoben] ⟨jmdn. hungert (es), jmd. hungert⟩ jmd. hat Hunger, ist hungrig
  3. 3. [gehoben, übertragen] ⟨jmdn. hungert (es) nach etw., jmd. hungert nach etw.⟩ jmd. hat heftiges Verlangen, Begierde nach etw.
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
anhaltend Hunger leiden
Beispiele:
der Arme, Arbeitslose, Schiffbrüchige hungerte
ein ganzes Land, Volk hungert
im Winter des letzten Kriegsjahres mussten alle hungern
sie haben das Vieh hungern lassen
er hat sehr gehungert
salopp, übertriebener hat furchtbar gehungert
um schlank zu werden, hat sie freiwillig gehungert
die Lage der Elenden und Hungernden verbessern
umgangssprachlichsich durchs Studium, zu Tode hungern
umgangssprachlichich hungre, hungere mich wieder gesund (= ich faste, um gesund zu werden)
Und was vom Hungern matt war / War so voll Hoffnung nie [ BrechtGedichte208]
2.
gehoben jmdn. hungert (es), jmd. hungertjmd. hat Hunger, ist hungrig
Beispiele:
es hungert mich
der kleine Junge weinte, denn ihn hungerte sehr
er hungert nach einer warmen Mahlzeit
3.
gehoben, übertragen jmdn. hungert (es) nach etw., jmd. hungert nach etw.jmd. hat heftiges Verlangen, Begierde nach etw.
Beispiele:
nach Reichtum, Ehre, Liebe, Gerechtigkeit hungern
es hungerte ihn, ihn hungerte nach Wissen, Schönheit, Glück, einem tröstenden Wort
sie hungert nach einem verständnisvollen Menschen
sein hungernder Geist sucht nach Erkenntnis
den Streit dreier Göttinnen, deren jede nach dem Ruhmestitel der Schönsten hungerte [ HagelstangeSpielball40]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hunger · hungern · hungrig · aushungern · verhungern · Hungersnot · Hungertuch
Hunger m. ‘Verlangen nach Nahrung, starkes Bedürfnis’, ahd. hungar (8. Jh.), mhd. mnd. hunger, asächs. hungar, mnl. hongher, nl. honger, aengl. hungor, hungur, engl. hunger, anord. hungr, schwed. hunger mit grammatischem Wechsel gegenüber got. hūhrus. Germ. *hungru-/ *hunhru- führt mit griech. kánkanos (κάγκανος) ‘dürr, trocken, brennbar’, kénkei (κέγκει) ‘hungert’, lit. kankà ‘Schmerz, Pein, Marter, Qual’, kankìnti ‘peinigen, quälen’, keñkti ‘schaden, schmerzen’ und möglicherweise auch aind. kā́ṅkṣati ‘er begehrt, verlangt brennend, sehnt sich’ auf eine Wurzel ie. *kenk- ‘brennen, weh tun’ (auch von Durst und Hunger). Vom Substantiv abgeleitet hungern Vb. ahd. hungarēn (8. Jh.), hungarōn (11. Jh.), mhd. hungern. hungrig Adj. ‘Hunger leidend’, ahd. hung(a)rag (9. Jh.), mhd. hungerec, hungeric, hungerc. aushungern Vb. ‘hungern lassen, durch Hunger zum Nachgeben, zur Auf-, Übergabe zwingen’ (15. Jh.). verhungern Vb. ‘an Hunger zugrunde gehen’, mhd. verhungern. Hungersnot f. mhd. hungernōt. Hungertuch n. ehemals ‘in der Fastenzeit den Altar verhüllendes bemaltes oder besticktes Tuch’, mhd. hungertuoch, mnd. hungerdōk. Dazu die Wendung am Hungertuche nagen ‘Not leiden’ (16. Jh.), scherzhafte Umbildung (H. Sachs, Fischart) von (ebenfalls im 16. Jh. bezeugtem) am Hungertuche nähen, flicken ‘fasten, sich kümmerlich behelfen’, eigentlich ‘das Fastenvelum nähen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
fasten · hungern
Assoziationen
Synonymgruppe
Hunger leiden · ↗darben · hungrig sein · nichts zu essen haben · ↗schmachten  ●  hungern  Hauptform · Kohldampf schieben  ugs.
Assoziationen
  • (einen) Mordshunger haben · (jemandem) knurrt der Magen · Heißhunger haben (auf) · ausgehungert sein · ordentlich Hunger haben  ●  (jemandem) hängt der Magen in den Kniekehlen  fig. · (mächtig) Kohldampf haben  ugs. · Hunger für zwei / drei / vier ... (mitgebracht) haben  ugs. · Hunger für zwei / drei / vier ... mitbringen  ugs. · dürsten und darben  geh., ironisch · einen Bärenhunger haben  ugs., variabel · einen Mordsappetit haben  ugs.

Typische Verbindungen zu ›hungern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hungern‹.

Verwendungsbeispiele für ›hungern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Land ist immer noch arm, aber niemand hungert mehr.
Der Tagesspiegel, 26.07.2002
Dort hungerte er wohl weiter, aber bereits mit viel Flair.
Süddeutsche Zeitung, 07.09.2000
Man werde niemanden hungern lassen, denn es gehe um einen Teil des sowjetischen Volkes.
Nr. 267: Gespräch mit Schewardnadse vom 4. Mai 1990. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1990], S. 22649
Es hungerte ihn auf eine manchmal verzehrende Weise nach Erkenntnis.
Wiechert, Ernst: Das einfache Leben, München: Ullstein Taschenbuchverl. 2000 [1946], S. 293
Das deutsche Volk werde nicht hungern, das Hungern überlasse er notfalls den besetzten Gebieten.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 248
Zitationshilfe
„hungern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/hungern>, abgerufen am 25.09.2020.

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