idealisieren

GrammatikVerb · idealisierte, hat idealisiert
Aussprache
Worttrennungide-ali-sie-ren · idea-li-sie-ren
HerkunftGriechisch
Wortzerlegungideal-isieren
Wortbildung mit ›idealisieren‹ als Erstglied: ↗Idealisierung
eWDG, 1969

Bedeutung

Personen oder Sachen für vollkommener, schöner, besser halten oder als vollkommener, schöner, besser darstellen, als sie in Wirklichkeit sind
Beispiele:
seine Lehrer, die Gattin, Wirklichkeit, Zustände, Schulzeit idealisieren
ein idealisierendes Porträt
idealisierte Darstellungen
etw. idealisiert schildern, abbilden
Idealisierst Du nicht wieder Deine Gefühle? [UnruhNike167]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ideal · idealisch · Ideal · idealisieren · Idealismus · Idealist · idealistisch
ideal Adj. ‘nur gedacht, vorbildlich, mustergültig’. Seit dem 17. Jh. wird Ideal-, aus spätlat. ideālis ‘dem Urbild entsprechend’ (5. Jh.), abgeleitet von lat. idea (s. ↗Idee), alserstes Glied in Zusammensetzungen gebräuchlich, vgl. Idealform ‘mustergültige Form’ (17. Jh., nach spätlat. forma ideālis), Idealbild, Idealschönheit (18. Jh.). Um 1800 tritt ideal auch als selbständiges Adj. mit der Bedeutung ‘vorbildlich, mustergültig’ auf. Spätlat. ideālis erhält in der Gelehrtensprache des 14. Jhs. (Ockham) die Bedeutung ‘nur geistig existent, gedanklich’, im Dt. seit der 1. Hälfte des 18. Jhs. durch ideal ‘nur gedacht, geistig vorgestellt’ wiedergegeben. Daneben steht ebenfalls auf ideālis zurückgehendes idealisch Adj. (nach der Mitte des 18. Jhs.), zunächst gleichbed. mit ideal in beiden Verwendungen und bis ins 19. Jh. gebräuchlich. Im 19. Jh. setzt sich ideal ‘vorbildlich, mustergültig’ gegenüber idealisch durch, während idealisch, ideal im Sinne von ‘nur gedacht, geistig vorgestellt’ durch ↗ideell (s. d.) ersetzt wird. Ideal n. ‘Vollkommenheitsbegriff, Muster, Vorbild’ (18. Jh., nach Wieland 1775 bereits Modewort). idealisieren Vb. ‘etw. vollkommener sehen, als es in Wirklichkeit ist’ (18. Jh.), zu Ideal gebildet. Idealismus m. philosophische Grundrichtung, die im Gegensatz zum Materialismus das Bewußtsein gegenüber der Materie als primär und bestimmend ansetzt (18. Jh.), bei M. Mendelssohn ‘Lehre, nach der die Außenwelt nur im Bewußtsein existiert’; auch ‘opferbereite Begeisterung’ (19. Jh.). Idealist m. ‘Anhänger des Idealismus, wer sich nach Idealen richtet’ (18. Jh.). idealistisch Adj. ‘den Idealismus betreffend, nach der Verwirklichung von Idealen strebend’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anbeten · ↗beweihräuchern · eine (ihm / ihr) nicht zukommende Bedeutung beimessen · eine (ihm / ihr) nicht zukommende Bedeutung verleihen · ↗emporstilisieren · ↗hochjubeln · ↗hochstilisieren · mit einem Glorienschein umgeben · mit einem Glorienschein versehen · ↗verbrämen · ↗verherrlichen · ↗verklären · ↗überhöhen  ●  idealisieren  Hauptform · ↗anhimmeln  ugs. · ↗glorifizieren  geh. · ↗huldigen  geh.
Assoziationen
  • (einer Sache) zu viel Gewicht beimessen · zu hoch bewerten · zu viel Wichtigkeit beimessen · ↗überbewerten · ↗überschätzen
  • (verborgene) Absichten unterstellen · ↗hineininterpretieren · ↗hineinlesen  ●  ↗hineingeheimnissen  geh.
  • (ein) Geheimnis machen (aus) · geheimnisvolle Kräfte zuschreiben · magische Kräfte zuschreiben · ↗mystifizieren · zu einem Mysterium emporstilisieren
  • (ein) Loblied anstimmen (auf) · (jemandem) ein großes Lob aussprechen · (jemandem) großes Lob spenden · (jemandem) hohes Lob zollen · (jemandes) Lob singen · (jemandes) Loblied singen · ↗(sehr) rühmen · (sich) in Lobeshymnen ergehen · in den Himmel heben · in den höchsten Tönen loben · in den höchsten Tönen reden (von) · ↗lobpreisen · sehr loben  ●  (sich) in Lobtiraden ergehen  abwertend · (einer Sache / jemandem) Weihrauch spenden  geh., fig. · (jemandem einen) Lorbeerkranz flechten  geh., fig. · (jemandem) Lorbeerkränze flechten  geh., fig. · (jemandem) ein dickes Lob geben  ugs. · (sich) in Lobestiraden ergehen  geh., abwertend · des Lobes voll (sein)  geh. · voll des Lobes (sein)  geh. · über den grünen Klee loben  ugs.
  • (begeistert) gefeiert · bejubelt · gepriesen · hoch gerühmt · hoch geschätzt · ↗hochgelobt · in den Himmel gehoben · in den höchsten Tönen gelobt · mit Preisen überhäuft · vielfach ausgezeichnet
Synonymgruppe
anschmachten · jemand lebt nur noch für · ↗schmachten (nach) · schwärmerisch bewundern · ↗verehren · ↗verklären · ↗verschmachten (nach)  ●  in den Himmel heben  fig. · (jemandes) Ein und Alles (sein)  ugs. · (sich) verzehren (nach)  geh. · Feuer und Flamme sein (für)  ugs. · ↗anbeten  ugs. · ↗anhimmeln  ugs. · höchste Bewunderung zollen  geh. · idealisieren  fachspr. · ↗vergöttern  ugs. · zu Füßen liegen  ugs., fig.
Assoziationen
  • Galionsfigur · ↗Idol · ↗Ikone · ↗Leitbild · Säulenheiliger · ↗Vorbild · lebende Legende · leuchtendes Beispiel · leuchtendes Vorbild  ●  ↗Musterschüler  fig. · ↗Mythos  fig. · ↗Musterknabe  ugs.
  • rückhaltlos · ↗unbeschränkt
  • abgöttisch · aus tiefster Seele · ↗rasend · ↗unendlich · ↗überschwänglich  ●  ↗blind  fig.
  • Fan · ↗Groupie
  • begeistert (von) · berauscht · entflammt · ↗enthusiastisch · entzückt · erregt · ↗euphorisch · fasziniert · gebannt · glühend vor Begeisterung · ↗hochgestimmt · im Überschwang der Gefühle · in Hochstimmung · mit glänzenden Augen · mit strahlenden Augen · mitgerissen · rasend vor Begeisterung · tobend vor Begeisterung · verzückt · voller Begeisterung · wie im Rausch · wie von Sinnen · ↗überschwänglich  ●  (ganz) aus dem Häuschen  ugs. · Feuer und Flamme (sein)  ugs. · ↗angetan  ugs. · ↗dithyrambisch  geh. · enthusiasmiert  geh., bildungssprachlich · hellauf begeistert  ugs. · ↗high  ugs. · himmelhoch jauchzend  ugs. · hin und weg  ugs. · hingerissen  ugs. · von den Socken  ugs. · wie auf Droge  ugs. · wild begeistert  ugs.
  • (starke) Zuneigung · ↗Liebe
  • (sich) verzehren vor Sehnsucht · ↗verschmachten · vor Sehnsucht vergehen · vor Sehnsucht zergehen  ●  ↗dahinschmelzen  ugs., fig., poetisch · ↗zerschmelzen  ugs.
  • alles aufsaugen, was jemand sagt  variabel · an jemandes Lippen hängen  Hauptform, fig.
  • Casanova · ↗Charmeur · ↗Don Juan · Liebling der Frauen · ↗Schmeichler · ↗Verführer  ●  ↗Hurenbock  vulg. · ↗Schürzenjäger  ugs. · ↗Süßholzraspler  ugs.
  • (voll) entflammt (für jemanden) · Feuer und Flamme (für) · heillos verliebt · hingerissen · in Liebe entbrannt · ↗liebeskrank · ↗liebestoll · ↗liebestrunken · rettungslos verliebt · schrecklich verliebt · unsterblich verliebt · vernarrt (in) · ↗verrückt (nach)  ●  in Flammen stehen  fig. · in hellen Flammen stehen  fig. · ↗verliebt  Hauptform · von Amors Pfeil getroffen  fig. · Flugzeuge im Bauch (haben)  ugs., fig. · Frühlingsgefühle haben  ugs., fig. · Schmetterlinge im Bauch (haben)  ugs., fig. · auf Wolke sieben  ugs. · betört  geh. · bis über beide Ohren verliebt  ugs. · hin und weg  ugs. · im siebten Himmel  ugs. · schwer verliebt  ugs. · ↗verknallt  ugs. · verschossen  ugs. · weiche Knie (haben)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Figur Körper Natur Vergangenheit Wirklichkeit dämonisieren heroisieren rechtfertigen romantisieren verklären

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›idealisieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um mit allem klar zu kommen, idealisierte ich ihn lange Zeit.
Der Tagesspiegel, 25.10.2003
Sie sollten sich auch davor hüten, die Lebensweise in anderen Ländern zu idealisieren.
Süddeutsche Zeitung, 24.01.1998
Indem also die Wissenschaft abstrahiert, idealisiert sie auch ihre Objekte.
Mach, Ernst: Erkenntnis und Irrtum. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1905], S. 9630
Die Darstellung der Bauern ist gefühlsbetont wie bei H. Thoma und stark idealisiert.
o. A.: Lexikon der Kunst - B. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1987], S. 28829
Es gibt keinen Grund, die Vergangenheit des Menschengeschlechtes zu idealisieren.
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 304
Zitationshilfe
„idealisieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/idealisieren>, abgerufen am 20.10.2019.

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