Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

in die Röhre gucken

Grammatik Mehrwortausdruck
Aussprache 
Hauptbestandteile Röhre gucken
ZDL-Verweisartikel

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich jmd. guckt in die Röhre
Beispiele:
Kein Platz und fehlende Angebote für die Dorfjugend [Überschrift] Im Salzkottener Stadtgebiet guckt die Jugend oft in die Röhre. [Neue Westfälische, 10.09.2022]
Taxifahrer guckt in die Röhre [Überschrift] […] Um Geld geprellt worden ist Samstagnacht ein Taxifahrer in Andernach. Der Fahrgast, den er in Koblenz aufgenommen hatte, war getürmt, ohne bezahlt zu haben. [Rhein-Zeitung, 01.08.2022]
Wer sporadisch ein Auto benötigt und kein eigenes hat, guckt auf dem Land oft in die Röhre. Die meisten Carsharing‑Anbieter konzentrieren sich auf größere Städte. [Allgemeine Zeitung, 06.06.2020]
Beim Weihnachtsbaumkauf muss niemand in die Röhre gucken: Ware gibt’s genug. Nach wie vor sind besonders Nordmanntannen gefragt. [Rhein-Zeitung, 20.12.2011]
Die meisten Aktien, die seit April an den Markt gekommen sind, liegen inzwischen unter ihren Einstandspreisen. Statt, wie in der Vergangenheit, satte Gewinne zu kassieren, gucken Anleger immer häufiger in die Röhre. [Die Zeit, 24.06.1999]
Wer gestern Wim Wenders »Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten« in der ARD sehen wollte, guckte in die Röhre: Wegen finanzieller und juristischer Probleme wurde sein Porträt des japanischen Modeschöpfers Yamamoto kurzfristig aus dem Programm gestrichen. [die tageszeitung, 06.08.1992]
2.
umgangssprachlich, veraltend jmd. guckt in die Röhre
Beispiele:
Wäre das Leben langweiliger ohne unsere Flimmerkiste Fernsehen? Wird wirklich so viel in die Röhre geguckt, wie allerhand Leute kritisieren? [Südkurier, 28.06.2004]
Eher gemächlich, Kaffee trinkend und desillusioniert schimmernd sitzen vereinzelt junge Männer an Bildschirmen und gucken in die Röhre. [Die Welt, 02.06.2004]
[…] nachmittags gucke ich ein bißchen in die Röhre, und dann geht’s ins Bett. [die tageszeitung, 17.06.1998]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
benachteiligt werden · das Nachsehen haben · ins Hintertreffen geraten · leer ausgehen · nicht berücksichtigt werden (verhüllend) · nichts abbekommen · schauen (können) wo man bleibt · schlecht wegkommen (bei) · sehen (können) wo man bleibt  ●  durch den Rost fallen  fig. · durchs Gitter fallen  fig. · (einfach) Pech gehabt haben  ugs. · am Katzentisch sitzen  ugs., fig. · gekniffen sein  ugs., fig. · hinten rüber fallen  ugs., fig. · in die Röhre gucken  ugs., fig. · in die Röhre schauen  ugs., fig. · zu kurz kommen  ugs. · zusehen (können) wo man bleibt  ugs.
Assoziationen
  • benachteiligen · diskriminieren · ungleich behandeln
  • keine Handhabe haben (, um gegen jemanden / etwas vorzugehen) · nichts machen können · nichts tun dürfen (in einer Sache) · nichts unternehmen dürfen (in) · tatenlos zusehen müssen  ●  (jemandem) sind die Hände gebunden fig. · (aber) gut, dass wir (mal) d(a)rüber gesprochen haben ugs., Spruch, zynisch
  • (jemandem) keine Vorteile bringen · (jemandem) keinen Vorteil bringen · (jemandem) nichts einbringen · nichts herausspringen (für)  ●  (jemand) hat nichts von (etwas) ugs. · (jemandem) nichts bringen ugs. · seine Zeit schon sinnvoller verbracht haben ugs., Spruch, ironisch · uninteressant sein (für) ugs.
  • (den) Anschluss verlieren · (den) Anschluss verpassen · an Boden verlieren · in Rückstand geraten · ins Hintertreffen geraten · nachlassen · nicht Schritt halten (können) · nicht hinterherkommen · nicht mitkommen · nicht nachkommen · zurückbleiben · zurückfallen  ●  abgehängt sein fig. · abgehängt werden fig. · absteigen fig. · hinterherhinken fig. · nicht mithalten (können) Hauptform · (ganz schön) alt aussehen ugs., salopp, fig. · abbleiben ugs. · auf der Strecke bleiben ugs. · blass vor Neid werden ugs., fig.
  • (sich) umsonst anstrengen · (sich) vergeblich abmühen · keine Chance haben (gegen)  ●  nicht punkten können fig. · (mit etwas ist) kein Blumentopf zu holen ugs., fig. · (sich) die Zähne ausbeißen ugs., fig. · auf Granit beißen ugs., fig. · auf keinen grünen Zweig kommen ugs., fig. · kein Bein auf die Erde kriegen ugs., fig. · keine Schnitte kriegen ugs., fig. · keinen Blumentopf gewinnen können (mit) ugs., fig. · keinen Fuß auf die Erde kriegen ugs., fig. · keinen Stich bekommen ugs., fig., variabel · keinen Stich haben ugs., fig., variabel · keinen Stich holen ugs., fig., variabel · keinen Stich landen ugs., fig., variabel · keinen Stich machen ugs., fig., variabel
  • auf der Schattenseite des Lebens (stehen) · nicht auf der Sonnenseite des Lebens (geboren) · sozioökonomisch benachteiligt · wirtschaftlich benachteiligt · zu kurz gekommen (sein)  ●  (sozial) benachteiligt (sein) Hauptform
  • (einfach) Pech gehabt haben · ein Problem haben · in (echten) Schwierigkeiten sein  ●  arm dran sein ugs. · gekniffen sein ugs. · in den Arsch gekniffen sein ugs.
  • (nur) ein dummes Gesicht machen  ●  am Arsch des Propheten sein derb, scherzhaft, sarkastisch · angeschmiert sein ugs. · belämmert dastehen ugs. · blöd dastehen ugs. · der Angeschmierte sein ugs. · der Blöde sein ugs. · der Dumme sein ugs. · der Gelackmeierte sein ugs. · die Arschkarte (gezogen) haben ugs., fig. · die Blöde sein ugs. · dumm dastehen ugs., fig.
  • Einbußen erleiden · Nachteile hinnehmen müssen  ●  Haare lassen (müssen) fig.
  • als letzter bedient werden · warten müssen, bis man an der Reihe ist  ●  (sich) hinten anstellen müssen auch figurativ · als letzter drankommen ugs. · noch lange nicht dran sein ugs. · warten müssen, bis man dran ist ugs. · warten müssen, bis man drankommt ugs.
Synonymgruppe
fernsehen  ●  Fernseh schaung  ugs., bayr. · Fernseh(en) gucken  ugs. · ferngucken  ugs. · in die Röhre gucken  ugs., fig. · in die Röhre schauen  ugs., fig.
Unterbegriffe
  • zappen · zwischen Fernsehprogrammen hin- und herschalten
  • (sich) ein Länderspiel im Fernsehen angucken  ●  Deutschland kucken ugs., regional, salopp
Assoziationen
Zitationshilfe
„in die Röhre gucken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/in%20die%20R%C3%B6hre%20gucken>.

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