Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

in die Röhre schauen

Grammatik Mehrwortausdruck
Hauptbestandteile Röhre schauen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [umgangssprachlich] ⟨jmd. schaut in die Röhre⟩ benachteiligt, übervorteilt werden; (bei der Verteilung von etw.) nichts abbekommen, keinen Anteil an etw. haben
  2. 2. [umgangssprachlich, veraltend] ⟨jmd. schaut in die Röhre⟩ fernsehen
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich jmd. schaut in die Röhrebenachteiligt, übervorteilt werden; (bei der Verteilung von etw.) nichts abbekommen, keinen Anteil an etw. haben
Beispiele:
Die Ware kam nie an, der Verkäufer war verschwunden und der geprellte Kunde schaute in die Röhre. [Mittelbayerische, 02.05.2020]
Die Telekom baut ihr Glasfasernetz in Gmund aus. Doch die Bewohner im Weiler Schmerold‑Holzschleife an der Mangfall schauen weiter in die Röhre. Für das Unternehmen ist das Gebiet wohl zu unrentabel. [Münchner Merkur, 17.09.2022]
[…] auch in den Großstädten werde die Luft für die Wirte immer dünner. […] Weil […] Personal fehlt, würden jetzt schon Öffnungszeiten gekürzt, Speisekarten zusammengestrichen und der Küchenschluss vorgezogen. Wer heute um 23 Uhr noch etwas zu essen haben wolle, schaue immer öfter in die Röhre. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 25.09.2018]
Wer sich in der kalten Jahreszeit im Langlaufzentrum am Tangrintel wintersportlich betätigen wollte, schaut bislang in die Röhre. Mit jedem Tag in Richtung Frühling schwinden die Chancen für die Langläufer, sich noch in dieser Saison auf den schmalen Brettern verausgaben zu können. [Mittelbayerische, 05.03.2018]
Sollte die EZB (= Europäische Zentralbank) beim Kauf von Unternehmensanleihen zu stark aufs Gaspedal treten, könnte der Markt schnell austrocknen[…]. Privatanleger, die sich ebenfalls für solche Papiere interessieren, dürften in die Röhre schauen. [Unberechenbare Verzweiflungstat, 08.06.2016, aufgerufen am 24.04.2022]
2.
umgangssprachlich, veraltend jmd. schaut in die Röhrefernsehen
Beispiele:
War vor zwei Jahren für 2005 das Ende des analogen Fernsehens verkündet worden, so schaut heute die Mehrheit der Deutschen immer noch analog in die Röhre. [Badische Zeitung, 02.09.2005]
Sie [Besucher der Technologiemesse »ifa«] schauen fern, und das auf Tausenden von Bildschirmen. Ob Kinofilm, Bundesligareport oder Nachrichten über den Unfalltod Lady Dianas: Es ist ihnen halbwegs egal, ob die Bilder durch die Luft oder von der Platte kommen, ob sie in die Röhre schauen oder auf Flachbildschirme. [Die Zeit, 05.09.1997]
Wer zu Hause bis zu fünf Kanäle empfängt, guckte 178 Minuten durchschnittlich fern, wen aber mehr als 16 Sender verwöhnen, schaute lediglich 13 Minuten mehr in die Röhre. [Berliner Zeitung, 12.07.1993]
[…] auch Neujahr darf in die Röhre geschaut werden. Wer den ersten Tag im neuen Jahr gut überstanden hat, durfte auch spätabends noch Sinn haben für den Karneval der Tiere, Mi, 23.35 Uhr. [Berliner Zeitung, 31.12.1991]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
fernsehen  ●  Fernseh schaung  ugs., bayr. · Fernseh(en) gucken  ugs. · ferngucken  ugs. · in die Röhre gucken  ugs., fig. · in die Röhre schauen  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
benachteiligt werden · das Nachsehen haben · ins Hintertreffen geraten · leer ausgehen · nicht berücksichtigt werden (verhüllend) · nichts abbekommen · schauen (können) wo man bleibt · schlecht wegkommen (bei) · sehen (können) wo man bleibt  ●  durch den Rost fallen  fig. · durchs Gitter fallen  fig. · (einfach) Pech gehabt haben  ugs. · am Katzentisch sitzen  ugs., fig. · gekniffen sein  ugs., fig. · hinten rüber fallen  ugs., fig. · in die Röhre gucken  ugs., fig. · in die Röhre schauen  ugs., fig. · zu kurz kommen  ugs. · zusehen (können) wo man bleibt  ugs.
Assoziationen
  • benachteiligen · diskriminieren · ungleich behandeln
  • keine Handhabe haben (, um gegen jemanden / etwas vorzugehen) · nichts machen können · nichts tun dürfen (in einer Sache) · nichts unternehmen dürfen (in) · tatenlos zusehen müssen  ●  (jemandem) sind die Hände gebunden  fig. · (aber) gut, dass wir (mal) d(a)rüber gesprochen haben  ugs., Spruch, zynisch
  • (jemandem) keine Vorteile bringen · (jemandem) keinen Vorteil bringen · (jemandem) nichts einbringen · nichts herausspringen (für)  ●  (jemand) hat nichts von (etwas)  ugs. · (jemandem) nichts bringen  ugs. · seine Zeit schon sinnvoller verbracht haben  ugs., Spruch, ironisch · uninteressant sein (für)  ugs.
  • (den) Anschluss verlieren · (den) Anschluss verpassen · an Boden verlieren · in Rückstand geraten · ins Hintertreffen geraten · nachlassen · nicht Schritt halten (können) · nicht hinterherkommen · nicht mitkommen · nicht nachkommen · zurückbleiben · zurückfallen  ●  abgehängt sein  fig. · abgehängt werden  fig. · absteigen  fig. · hinterherhinken  fig. · nicht mithalten (können)  Hauptform · (ganz schön) alt aussehen  ugs., salopp, fig. · abbleiben  ugs. · auf der Strecke bleiben  ugs. · blass vor Neid werden  ugs., fig.
  • (sich) umsonst anstrengen · (sich) vergeblich abmühen · keine Chance haben (gegen)  ●  nicht punkten können  fig. · (mit etwas ist) kein Blumentopf zu holen  ugs., fig. · (sich) die Zähne ausbeißen  ugs., fig. · auf Granit beißen  ugs., fig. · auf keinen grünen Zweig kommen  ugs., fig. · kein Bein auf die Erde kriegen  ugs., fig. · keine Schnitte kriegen  ugs., fig. · keinen Blumentopf gewinnen können (mit)  ugs., fig. · keinen Fuß auf die Erde kriegen  ugs., fig. · keinen Stich bekommen  ugs., fig., variabel · keinen Stich haben  ugs., fig., variabel · keinen Stich holen  ugs., fig., variabel · keinen Stich landen  ugs., fig., variabel · keinen Stich machen  ugs., fig., variabel
Zitationshilfe
„in die Röhre schauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/in%20die%20R%C3%B6hre%20schauen>.

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