Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

inkriminieren

Grammatik Verb · inkriminiert, inkriminierte, hat inkriminiert
Aussprache  [ɪnkʀimiˈniːʀən]
Worttrennung in-kri-mi-nie-ren
Herkunft aus gleichbedeutend incriminarespätlat, zu crīmenlat ‘Anschuldigung, Urteil’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
besonders Rechtssprache jmd., etw. inkriminiert jmdn.eine Person eines Verbrechens, einer Straftat beschuldigen; eine Person eines Vergehens, Normverstoßes beschuldigen
Beispiele:
Kurz vor den Präsidentschaftswahlen tauchte jetzt aus zweifelhafter Quelle Material über Hunter Biden auf, das vor allem den Vater, Trumps Gegenkandidaten Joe Biden, inkriminieren sollte. [Süddeutsche Zeitung, 29.10.2020]
[Das verschärfte deutsche Kulturschutzgesetz wird den liberalen Kunstmarkt völlig verändern:] Der Verbraucher wird überwacht, der Kunsthandel muss seine Ressourcen preisgeben, und Sammler werden inkriminiert. [Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2015]
Wer die finanziellen Eliten inkriminiert, treibt sie ins Ausland – so lautet die unbequeme, aber ökonomisch richtige Wahrheit. [Süddeutsche Zeitung, 25.06.2005]
In einem anonym an das Präsidialbüro des Abgeordnetenhauses versandten Schreiben wurde die Nebentätigkeit der [Bundestags-]Abgeordneten inkriminiert. [Welt am Sonntag, 23.01.2005]
Sie [die gesetzliche Regelung] inkriminiert Verschwörungen aller Art, konkrete Straftaten müssen nicht begangen worden sein. [Berliner Zeitung, 23.12.2002]
[In den letzten Wochen wurden über 150 entlassene albanische Polizisten einer ehemals selbstverwalteten Provinz verhaftet]. Der Schlag solle die albanische Union Unabhängiger Gewerkschaften inkriminieren[…]. [Süddeutsche Zeitung, 29.12.1994]
Beverly W[…] berichtet von Beamten, die, wenn sie Schwarze und Weiße zusammen erwischten, diesen Marihuana unterschoben, um sie zu inkriminieren. [Die Zeit, 27.01.1989]
2.
jmd. inkriminiert jmdn., etw.eine Person eines Vergehens oder Verstoßes gegen gesellschaftliche oder sittliche Normen beschuldigen
Beispiele:
Der Papst inkriminiert mit diesem [seinem] brutalen Vergleich [Abtreibung sei die Bestellung eines Auftragsmordes] Frauen auf der ganzen Welt. [Die Welt, 11.10.2018]
»Stolz« [in der Politik] […] ist eine von den Diskurswächtern hierzulande seit Langem inkriminierte, angeblich überholte politische Kategorie, die ähnlich wie »Ehre« oder »Würde« auf die schwarze Liste streng zu kontrollierender sittlicher Affekte gesetzt wurde. [Welt am Sonntag, 23.04.2017]
Der Zwang, den ein niederträchtiger Vater oder ein sittlich verdorbener Erzieher gegen einen wehrlosen Geist und Körper ausübt, wird inkriminiert, doch der Zwang, der in einem auf Verdummung zielenden Erziehungsstil liegt, wird kaum wahrgenommen. [die tageszeitung, 17.01.1997]
Sie [die Tagebücher des Schriftstellers Karl August Varnhagen von Ense] wurden von der zeitgenössischen Zensur zwar inkriminiert, vom Publikum jedoch um so begieriger gelesen. [Neue Zürcher Zeitung, 11.03.1996]
3.
jmd. inkriminiert etw.einen Verstoß gegen geltendes Recht, eine strafbare Handlung bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder einem Gericht anzeigen (3 a)
Beispiele:
Die Verletzungen des Disco‑Betreibers wurden von den Geschworenen […] nicht – wie von der Anklage inkriminiert – als versuchter Mord, sondern als fahrlässige Körperverletzung qualifiziert. [Der Standard, 22.02.2016]
Insgesamt war ein Schaden von rund 60.000 Euro [durch den Mietbetrug einer Wohnungsbesitzerin] inkriminiert, den die 47‑Jährige inzwischen großteils gutgemacht hat. [Der Standard, 29.05.2015]
[Der Zugriff auf Internetseiten mit extremistischem Inhalt sollte eingeschränkt werden.] Da die Behörden […] jedoch nicht mitteilen, welche Inhalte konkret inkriminiert werden, konnten diese auch nicht gelöscht werden. [Der Standard, 13.05.2015]
Die Staatsanwaltschaft hat in ihrem Strafantrag […] nicht ausdrücklich ein Medieninhaltsdelikt inkriminiert [weshalb die Beleidgung des Politikers vor laufender Kamera zu einem Freispruch führte]. [Der Standard, 08.05.2001]
Weil es eben nicht jeden Stasi‑Kontakt bereits inkriminiere, lasse es [das Gesetz zur Zulassungsüberprüfung ehemaliger DDR-Anwälte] genügend Spielraum für die Bewertung des Einzelfalles. [die tageszeitung, 29.12.1995]
So könnte der Paragraph [zum Verbot zur Gewaltdarstellung in Filmen] benutzt werden, jegliche Gewaltdarstellung zu inkriminieren und eine gewaltfreie Medienwelt zu schaffen, die nichts wäre als naive Illusion und die die Medien moralisch wie ästhetisch sterilisierte. [Die Zeit, 14.12.1984]
4.
jmd. inkriminiert etw.ein Verhalten, eine Einstellung missbilligen, ablehnen (d) oder verachten
Synonym zu verpönen
Beispiele:
Warum ist der Begriff der Unterhaltung eigentlich so inkriminiert, dass er stets mit Seichtigkeit und Eskapismus in Verbindung gebracht wird, fast schon zum Schimpfwort geworden ist? [Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2017]
Dass es zu inkriminieren sei, wenn ein Autor davon spricht, es habe einen maßgeblichen Einfluss der deutschen Großindustrie auf die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler gegeben, ist absurd. [Süddeutsche Zeitung, 16.12.2005]
Der Stiftungsrat hat […] Versuche, auf unkonventionelle, aber nicht vorschriftswidrige Weise Geld zu sparen, inkriminiert, die er besser hätte loben sollen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.1993]
[…] es ist falsch, die Angst der deutschen Bevölkerung vor den sozialen Folgen unkontrollierter Zuwanderung als »Ausländerfeindlichkeit« zu inkriminieren. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.1993]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem etwas) zur Last legen · (jemanden eines Fehlverhaltens) bezichtigen · (jemanden) anklagen · (jemanden) anschuldigen  ●  (jemanden) beschuldigen  Hauptform · (jemanden einer Sache) zeihen  geh., veraltet · (jemanden) inkriminieren  geh., selten
Assoziationen
Zitationshilfe
„inkriminieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/inkriminieren>.

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