innewerden

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungin-ne-wer-den
eWDG, 1969

Bedeutung

gehoben etw. erkennen, feststellen
Beispiel:
plötzlich wurde er inne, dass es schon dunkel geworden war
einer Sache, jmds. gewahr werden
Grammatik: mit Genitiv
Beispiele:
Nachdem er gegessen, war er endlich etwas beruhigt und begann seiner Einsamkeit innezuwerden [G. KellerLiebesbriefe6,406]
Endlich wurde sie des Schweigens inne, das im Raum war [Feuchtw.Lautensack187]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

in · inne · innewerden · innehaben · innehalten · innewohnen · innen · inner · Innereien · innerhalb · innerlich · inmitten · inständig · indem · indessen
in Präp. der räumlichen und zeitlichen Lage, Richtung; vielfach übertragen (vgl. in Eile, in tiefer Trauer, im Namen des Gesetzes). Ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. aengl. engl. mnl. nl. in, anord. ī, schwed. i, got. in setzen mit griech. en (ἐν), lat. in, lit. ị̃, iñ(g), aslaw. , vъ(n)-, russ. v (в) ie. *en, *eni voraus. Im Dt. wird in häufig mit folgendem dem zu im (mhd. imme aus in deme) verschmolzen (im Haus), mit folgendem das zu ins (ins Haus). in ist häufig erstes Glied von Komposita (Inbegriff, Inbrunst, Ingrimm, Insasse), wird mhd. vor starktoniger Silbe zu en- abgeschwächt (z. B. mhd. enzwei, s. ↗entzwei). Zum Adverb ahd. mhd. īn (mit sekundärer Längung aus in), nhd. ein und entsprechenden Komposita s. ↗ein2 Adv. inne Adv. ‘darin, innen’, Adverbialbildung zur vorgenannten Präposition, ahd. inne (8. Jh.), mhd. inne, asächs. inna, mnd. inne, aengl. inne, anord. inni, schwed. inne, got. inna; dazu die Verbalkomposita innewerden ‘gewahr werden, merken’, mhd. inne werden; innehaben ‘in seiner Gewalt haben, (ein Amt, eine Stelle) bekleiden’, mhd. inne haben, frühnhd. auch inhaben; vgl. ahd. innehabēn ‘(im Körper) behalten’ (um 1000); innehalten ‘stoppen, zurückhalten, aufhören’, auch ‘enthalten, besitzen’ (s. ↗Inhalt), mhd. innehalten; innewohnen ‘enthalten sein’ (18. Jh.). innen Adv. ‘darin, im Inneren’, ahd. in(n)an Adv. Präp. ‘im Innern, innerlich, ins Innere, in’ (8. Jh.), mhd. innen, asächs. aengl. anord. innan, got. innana ‘hinein’; dazu s. ↗binnen. inner Adj. ‘innen liegend, darin befindlich’, älter auch Präp. ‘innerhalb’ (vgl. obd. inner den Grenzen), heute unüblich, ahd. innaro Adj. ‘inner, tief’ (8. Jh.), Komparativbildung zu ahd. inne (s. oben), mhd. inner Adj. ‘inwendig, im Innern liegend’, Präp. ‘innerhalb’; dazu s. ↗erinnern. Davon abgeleitet Innereien Plur. ‘Gedärme, eßbare Tiereingeweide’ (20. Jh.); innerhalb Präp. ‘im Inneren, binnen’, ahd. innarūnhalb ‘innerhalb’ (um 1000), eigentlich ‘auf der inneren Seite’ (zu ahd. halba ‘Seite, Richtung’, s. ↗-halb, ↗-halben), mhd. innerhalbe ‘im Inneren’. innerlich Adj. ‘im Inneren befindlich, seelisch tief veranlagt’, mhd. innerlich. inmitten Präp. ‘in der Mitte von etw.’, ahd. in mitten (8. Jh.), mhd. enmitten(t). inständig Adj. ‘beharrlich, dringlich’ (um 1500), wohl unter dem Einfluß von lat. īnstanter Adv. ‘mit großer Heftigkeit, leidenschaftlich, dringlich’, zu lat. īnstāns (Genitiv īnstantis) ‘gegenwärtig, drängend, angelegentlich’. Davon unabhängig besteht eine vereinzelte frühe Bildung ahd. instentīgo Adv. ‘beständig’ (um 1000), vgl. dazu ahd. anastantan ‘bestehen, beharren’. indem Konj. ‘dadurch daß, während’ (15. Jh.). An die Stelle des Genitivs ahd. innan thes (s. ↗indessen) tritt im Frühnhd. der Dativ in dem mit folgendem daß-Satz, wobei sich unter Ersparung von daß zusammengerücktes indem zur Konjunktion entwickelt. indessen Konj. ‘inzwischen, allerdings, aber, doch’, ahd. innan thes ‘bis dann, unterdessen’, danach (oft einen Nebensatz einleitend) mhd. innen des, woraus die Konjunktion nhd. indeß, indes, seit dem 17. Jh. meist in der gelängten Form indessen.

Verwendungsbeispiele für ›innewerden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Kind kann nicht anders der Freiheit innewerden als dadurch, daß ihm Entscheidungen zugemutet werden, für die es einstehen muß.
Die Zeit, 18.03.1966, Nr. 12
Sobald wir dieses Mangels innewurden, strebten wir aus ihm hinaus.
Jünger, Ernst: Auf den Marmorklippen, Gütersloh: Bertelsmann 1995 [1939], S. 23
Einmal der Hoffnungen innegeworden, die sie geweckt hat, vermag die Dame nicht, dieser Bitte zu widerstehen.
Die Zeit, 09.06.1978, Nr. 24
Man braucht nur der eigenen Nichtigkeit innezuwerden, nur die Niederlage zu unterschreiben, und schon gehört man dazu.
Horkheimer, Max u. Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung, Amsterdam: Querido 1947 [1944], S. 174
Es sei zu hoffen, daß sie bald selbst innewürden, wohin sie gehörten, vor die Bier- und Weinfässer, an die Putztische oder zu den Musikanten.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 609
Zitationshilfe
„innewerden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/innewerden>, abgerufen am 21.01.2020.

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