intonieren

GrammatikVerb · intonierte, hat intoniert
Aussprache
Worttrennungin-to-nie-ren
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›intonieren‹ als Erstglied: ↗Intonation
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2016

Bedeutungen

1.
Musik jmd. intoniert etw.
a)
etw. zu singen oder zu spielen beginnen; anstimmen
Beispiele:
Die Militärkapelle ist bereit, die Nationalhymnen beider Länder zu intonieren. [Neue Zürcher Zeitung, 29.03.2016]
bildlich Stenderas Würdigung ist nicht mehr weit entfernt von all den Hymnen, die Fans und auch Medien regelmäßig über [den Fußballspieler] Meier intonieren. [Die Zeit, 25.01.2016 (online)]
Da mühen sich zwei Dutzend alte Leute, inbrünstig »Highway To Hell« zu intonieren – aber die meisten können weder englisch, noch sagt ihnen der Song etwas. [Spiegel, 05.08.2010 (online)]
Die Kapelle intoniert »Aus Böhmen kommt die Musik«. [Spiegel, 21.07.2005 (online)]
Erst, als sie [die Sängerin] […] ein lyrisches Thema intoniert, als seelenvolle Balladen erklingen, wird ihr Potential offenbar. [Berliner Zeitung, 16.07.1999]
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: etw. inbrünstig, sauber intonieren
mit Akkusativobjekt: eine Hymne, Nationalhymne, ein Lied, eine Melodie, ein Thema intonieren
mit Aktivsubjekt: der Chor, die Kapelle, das Orchester intoniert etw.
b)
den Ton angeben
Beispiele:
Gestern einen halben Ton zu hoch, heute eher zu tief intoniert, […] weil der Dirigent […] noch nie einen klaren, unmißverständlichen Schlag zustandegebracht habe. [Süddeutsche Zeitung, 28.07.1999]
Und wenn Bastian uns reihum den Kammerton A intonieren läßt, dann reicht das Ergebnis vom Brunftschrei eines Nebelhorns über den Gesang eines erkälteten Esels bis hin zu Lauten, bei denen man sich selbst als unbeteiligter Zuhörer schamhaft abwendet[…]. [Frankfurter Rundschau, 06.06.1998]
Soweit dies zurückzuverfolgen ist, wurde die A[ntiphon] aber nur ausnahmsweise als Kehrvers wiederholt. Im allgemeinen wird sie vor Beginn des Psalms nur intoniert, gibt also den Ton an, in dem psalmodiert werden soll, und wird anschließend an den Psalm gesungen. [o. A.: A. In: Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 400]
2.
Musik jmd., etw. intoniert (etw.)Töne auf einem Instrument oder mit der Stimme in einer bestimmten Tongebung hervorbringen
Beispiele:
Erst als die Scheinwerfer auf sie gerichtet waren, intonierte sie mit verblüffend tiefer Stimme einen Gassenhauer […]. [Zeit Magazin, 27.12.2012, Nr. 01]
Beim Solistenquartett gefielen insbesondere der Bariton Georg Zeppenfeld und der Tenor Michael Weinius, während die Sopranistin Elza van den Heever zu schrill intonierte […]. [Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2016]
Vor ihrem Studium der Theaterwissenschaft und des Gesangs hatte sie Geigespielen gelernt; seitdem denke sie »beim Singen immer daran, wie ich das Stück auf dem Instrument intonieren würde«. [Spiegel, 24.12.2011 (online)]
So lauern auch in den träumerisch-versonnenen Liedern schneidende Dissonanzen, die Bostridge mit glasklarem Tenor intoniert, während Antonio Pappano am Klavier eher blass bleibt. [Neue Zürcher Zeitung, 16.06.2008]
Die zweite Bratsche und das Cello intonieren einen Halbton höher als ihre Kollegen. [Die Zeit, 30.04.1993, Nr. 18]
Kollokation:
mit Aktivsubjekt: die Bläser, Streicher intonieren etw.; die Orgel intoniert etw.
3.
(besonders) Sprachwissenschaft jmd. intoniert (etw.)mit einer bestimmten Intonation (Lesart 5) sprechen
Beispiele:
Sandberg & Lachman [Unternehmensberater in einem Theaterstück] […] bestechen durch steriles Lächeln, erstklassige Körperhaltung und angenehm intonierten Businessjargon. [Der Standard, 30.03.2016]
Wenn er zu reden anhebt, intoniert er melodisch, dann singt er mehr, als dass er spricht. [Die Zeit, 10.05.2012, Nr. 20]
Mit einem [Präsidenten] Obama, der nicht nur druckreife Sätze spricht, sondern sie mit vibrierender Baritonstimme auch wunderschön intoniert, kann sich die Supermacht [USA] wieder sehenlassen. [Der Standard, 18.07.2008]
Er formulierte Aussagesätze, intonierte sie jedoch fragend, als erwarte er Widerspruch. [Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 229]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

intonieren · Intonation
intonieren Vb. ‘die Stimme auf eine bestimmte Tonhöhe einstellen, anstimmen’, auch von Instrumenten ‘zu spielen beginnen’, entlehnt (17. Jh.) aus lat. intonāre ‘donnern, sich mit donnernder Stimme vernehmen lassen’, mlat. ‘einen Gesang anstimmen’ (lat. tonāre ‘donnern, ertönen’). Intonation f. ‘Toneinsatz, Tonhöhenverlauf’ (19. Jh.).

Thesaurus

Musik
Synonymgruppe
jodeln · ↗tirilieren · ↗trällern · ↗tönen  ●  ↗singen  Hauptform · intonieren  geh. · ↗schmettern  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgesang Blaskapelle Blechbläser Bläser Bordkapelle Choral Defiliermarsch Deutschlandlied Dreiklang Grundmelodie Holzbläser Hymne Inbrunst Kapelle Leitmotiv Mantra Marseillaise Melodie Militärkapelle Musikkapelle Musikkorps Nationalhymne Nationalhymnus Spielmannszug Titelsong Trauermarsch inbrünstig lupenrein sauber unsauber

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›intonieren‹.

Zitationshilfe
„intonieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/intonieren>, abgerufen am 23.03.2019.

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