Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

invasiv

Grammatik Adjektiv · Komparativ: invasiver · Superlativ: am invasivsten
Aussprache  [ɪnvaˈziːf]
Worttrennung in-va-siv
Wortbildung  mit ›invasiv‹ als Letztglied: nichtinvasiv
Herkunft aus invasivusmlat ‘eindringend’, zu invāderelat ‘einmarschieren, eindringen’
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

in etw. (forsch) eindringend, eingreifend
Beispiele:
Die Cholera, schon immer im Orient endemisch und wohl auch gelegentlich als besondere Seuche bekannt, wurde in Europa ernstlich erst um die 30 er Jahre des 19. Jahrhunderts invasiv. [Gottstein, A.: Cholera. In: Grotjahn, Alfred / Kaup, J. (Hg.): Handwörterbuch der sozialen Hygiene. Leipzig: Vogel 1912, S. 206]
Da damals für viele Verbindungen noch nicht einmal HTTPS verwendet wurde, konnte Google […] unzählige sehr private Daten abrufen. Die Strafe für Google war an Lächerlichkeit nicht zu übertreffen. Nur 7 Millionen US‑Dollar musste der Konzern für eine derart invasive Datensammlung bezahlen. [Wie Google die Privatsphäre seiner Nutzer missachtet, 28.02.2019, aufgerufen am 19.08.2020]
Nicht nur dieser Geheimbund scheint ihm immer einen Schritt voraus zu sein, Bond wird auch von den eigenen Leuten überwacht, von Nano‑Partikeln in seinem Blut, sogenanntem Smartblood, das seinen Aufenthaltsort und seine Lebensfunktionen nach London überträgt. Aber Bond wäre nicht Bond, wenn er keinen Weg finden würde, selbst die invasivste Ausspähung außer Kraft zu setzen. [Der Spiegel, 27.10.2015 (online)]
Vor allem in letzter Zeit häufen sich die Fälle, in denen von Handelsvertretern auf Eigenvertrieb umgestellt oder ein Vertragshändler durch einen günstigeren Vertriebspartner ersetzt wurde. Doch Achtung: Oft sind solche Umstellungen und […] auch weitaus weniger invasive Optimierungen mit hohen Kosten verbunden. [Der Standard, 05.11.2013]
Nach jüdischen Vorstellungen ist die Ruhe der Toten unantastbar, und deshalb wurde vereinbart, dass die geborgenen Skelette so bald wie möglich wieder bestattet werden sollten. Die Gebeine waren allerdings bereits in anthropologischer Obhut. Zusammen mit […] der Israelitischen Gemeinde Basel einigte man sich auf einen Kompromiss: Die Funde sollten möglichst rasch vermessen und begutachtet werden, aber ohne jede invasive Methode. [Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2003]
a)
von Erkrankungen   in das umliegende Gewebe eindringend, sich (über die Blutbahn) weit im Organismus ausbreitend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: invasiver Brustkrebs; ein invasives Karzinom; invasive Infektionen, Erkrankungen
Beispiele:
Von einer invasiven Erkrankung spricht man, wenn Bakterien meist über das Blut normalerweise »sterile« Bereiche des Körpers infizieren. [Der Standard, 16.07.2012]
Die Krebsstatistik der Statistik Austria enthält alle »invasiven« Melanome, bei denen der Tumor die »Basallamina« der Haut durchbrochen hat, was in der Statistik auch so vermerkt ist. [Der Standard, 16.12.2013]
Durch regelmäßige Gabe von Tamoxifen machten die Wissenschaftler […] Brustkrebszellen in der Kulturschale resistent gegen das Medikament. Parallel zur Resistenzentstehung schalteten die Krebszellen auf das Entwicklungsprogramm um, das sie noch invasiver und bösartiger wachsen lässt. [Medizin Aspekte, 04.05.2012, aufgerufen am 31.08.2020]
Bei Patienten, die mit invasiven E.[-]coli‑Infektionen ins Spital kommen, zeigten sich im Jahr 2001 in Österreich nur 6,9 Prozent als resistent gegen die häufig verwendeten Fluorchinolon‑Antibiotika. [Der Standard, 05.11.2008]
Alle invasiv wachsenden Bakterien arbeiten sich nach ähnlichen Prinzipien vor. Sie manipulieren physiologische Vorgänge der Wirtszellen zu ihrem eigenen Nutzen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2001]
b)
von Diagnose- und Therapieverfahren   in den Körper eingreifend und dabei Gewebeverletzungen verursachend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: invasive Chirurgie, Diagnostik, Beatmung; invasive Eingriffe, Methoden, Verfahren, Untersuchungen, Techniken, Operationen, Maßnahmen
mit Adverbialbestimmung: minimal invasiv; weniger invasiv
Beispiele:
Im Gegensatz zur traditionellen Chirurgie sind bei einer minimal invasiven Operation nur kleine Schnitte nötig. [Berliner Zeitung, 27.11.1998]
[…] zum Teil wenden Heilpraktiker ja auch invasive Verfahren an, also solche, in denen ein Eingriff in den Körper notwendig ist. [Der Sinn und Unsinn von Heilpraktikern, verständlich erklärt, 07.03.2019, aufgerufen am 19.08.2020]
Noch immer wird viel zu oft konventionell operiert, weil man den Umstieg auf invasive Chirurgie (mit Sonde statt Skalpell) in den achtziger Jahren kläglich verpennt hat. [Süddeutsche Zeitung, 28.12.1993]
Die Vorteile der minimal invasiven Chirurgie für den Patienten liegen auf der Hand: erheblich geringerer Blutverlust, kaum noch sichtbare Narben und deutlich verringerte Liegezeiten […], bei einer Gallenoperation z. B. von ca. 12 auf 5 Tage! [Berliner Zeitung, 20.08.1992]
Die Infektionen in Krankenhäusern sind in erster Linie kein Disziplinproblem, sondern eine Folge der zunehmenden invasiven (eingreifenden) Medizin. [Süddeutsche Zeitung, 29.01.1992]
c)
von gebietsfremden Arten   sich in einem neuen Lebensraum ausbreitend (und das Ökosystem dort verändernd)
Kollokationen:
als Adjektivattribut: invasive Arten, Pflanzen, Neophyten; eine invasive Spezies
Beispiele:
Künftig soll die Abwehr von Neozoen und Neophyten besser organisiert sein: Das Europaparlament beschloss am Mittwoch in Straßburg, die Ausbreitung schädlicher Tiere und Pflanzen einzudämmen. Solche invasiven Arten verursachen nach Schätzungen der EU‑Kommission jährlich einen Schaden von mindestens zwölf Milliarden Euro in der EU. [Der Standard, 16.04.2014]
Die Asiatische Buschmücke, schon vor Jahren als invasiver Exot nach Süddeutschland eingewandert, breitet sich weiter Richtung Norden aus. [Der Spiegel, 03.02.2017 (online)]
Die Schwarzmundgrundel […] stellt in Rhein und Main derzeit die häufigste von insgesamt fünf invasiven, neozoischen Grundeln dar. Das bedeutet: Die Grundeln sind hier eigentlich nicht heimisch, es handelt sich um sogenannte Neozoen – eingeschleppte bzw. eingewanderte Tierarten. Als invasiv werden dabei diejenigen Arten bezeichnet, welche relevante ökologische Schäden verursachen. [Der Standard, 07.02.2013]
Ambrosia gehört in der Schweiz zu den sogenannten invasiven Neophyten. Damit werden eingeführte Pflanzen bezeichnet, die sich in ihrer neuen Umgebung stark ausbreiten und unter Umständen einheimische Pflanzen verdrängen. [Neue Zürcher Zeitung, 23.06.2010]
Der grobblättrige Japanische Staudenknöterich etwa, die Kanadische Goldrute mit ihren feinen gelben Blüten und eine eingeschleppte Brombeerart überwuchern hier den Uferbereich der Limmat und machen den einheimischen Pflanzen das Leben schwer. Invasive Arten nennt man diese Gewächse, die meist von Menschen und unbeabsichtigt eingeschleppt wurden und sich am neuen Ort ungehindert ausbreiten. [Neue Zürcher Zeitung, 21.09.2002]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
eindringend · eingreifend · invasiv

Typische Verbindungen zu ›invasiv‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›invasiv‹.

Zitationshilfe
„invasiv“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/invasiv>.

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