Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

irr

Grammatik Adjektiv
Aussprache [ɪʁ]
Wortbildung  mit ›irr‹ als Erstglied: irrgläubig · irrig  ·  mit ›irr‹ als Letztglied: halb irr · halbirr  ·  mit ›irr‹ als Grundform: Irre1 · irren
eWDG

Bedeutungen

1.
wahnsinnig, geistesgestört
Beispiele:
ein irrer Blick, Gedanke
ein irres Lächeln lag auf seinem Gesicht
die irre Fortsetzung des Krieges, als schon alles verloren war
vor Angst, Eifersucht, Zorn irr sein / werden
bist du irr?
bei dem Lärm kann man ja irr werden!
irr vor Todesangst, saß er im Keller
irr flackernde Augen
irr stammeln, lächeln, vor sich hin stieren
er wurde in eine Heilanstalt gebracht, man hielt ihn für irr
wie irr schreien, umherlaufen, sich gebärden
wie irr suchte er nach einem Versteck
er konnte seine Ohren nicht verschließen vor … dem irren Gestammel, das ihn einkreiste [ Bachm.Dreißigstes Jahr40]
Man sah Menschen mit irren Gesichtern … vorbeigehen [ J. RothRadetzkymarsch386]
Vögel schwirrten wie irr, da sie ihr Nest nicht mehr fanden [ FrischStiller60]
salopp, übertrieben drückt ein großes Ausmaß aus
Beispiele:
er raste mit irrer Geschwindigkeit durch den Ort
wir haben wie irr gearbeitet, um den Termin zu schaffen
2.
unsicher, verwirrt
Beispiele:
als ich das hörte, wurde ich doch etwas irre
an jmdm. irr werden
an jmdm. zweifeln, nicht mehr wissen, was man von jmdm. halten soll
Beispiel:
langsam werde ich an dir irr
an etw. irr werden
Beispiele:
an einer Idee, Schlussfolgerung irr werden
sie wurde an sich [Dativ] selbst irr
er griff irr (= ziellos) in die Luft und versuchte, etwas zu sagen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

irre · irr · Irrer · Irrenhaus · Irrenanstalt · Irrsinn · irrsinnig · Irre · irren · beirren · verirren · irrig · Irrtum · irrtümlich · Irrfahrt · Irrgarten · Irrlehre · Irrlicht · Irrwisch
irre irr Adj. ‘unsicher, zweifelnd, verwirrt, geistesgestört’, ahd. irri ‘umherschweifend, verirrt, unwissend, zügellos’ (9. Jh.), mhd. irre, erre ‘vom rechten Wege abgekommen, verirrt, wankelmütig, erzürnt, aufgebracht, uneinig’, asächs. irri ‘zornig’, mnd. erre, aengl. ierre ‘umherschweifend, verdorben, schlecht, zornig, wild’, got. aírzeis ‘verirrt’. Vergleicht man aind. irasyáti ‘zürnt, will übel’, lat. errāre ‘umherirren, sich verirren’ und zieht rasen (s. d.) und die dort genannten Formen heran, so kann von ie. *er(ə)s-, *rē̌s- ‘fließen, aufgebracht, erregt sein’, wohl s-Erweiterung der Wurzel ie. *er-, *or- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’, ausgegangen werden. S. auch rinnen, rennen, rieseln. Germ. *erzja- setzt die Wurzelbedeutung teils in ‘unruhig umherschweifend’, teils in ‘heftig bewegt, zornig’ fort. Nhd. irre ‘geistig verwirrt, geisteskrank’ (17. Jh.) geht hervor aus ‘verwirrt, geistig vom rechten Weg abgekommen’; dazu Irrer m. ‘Geistesgestörter’ (19. Jh.); Irrenhaus n. (18. Jh.), für älteres Narrenhaus; Irrenanstalt f. (19. Jh.). Irrsinn m. ‘Wahnsinn, Geistesgestörtheit’ (18. Jh.), zuvor ‘verwirrtes, unrichtiges Denken’ (17. Jh.); irrsinnig Adj. ‘wahnsinnig, geistesgestört’ (19. Jh.); in heutiger Umgangssprache (20. Jh.) oft verstärkend ‘sehr’. Irre f. ‘falscher Weg, falsche Richtung’, mhd. irre, (md.) erre ‘Irrtum, Verirrung, Irrfahrt’; vgl. got. aírzei ‘Irrlehre’. irren Vb. ‘sich ziellos hin und her bewegen, rastlos umherziehen, eine falsche Meinung haben, sich täuschen’, ahd. irrōn ‘irregehen, umherirren, in Ungewißheit sein, abtrünnig werden’ (8. Jh.), irren ‘verwirren’ (9. Jh.), mhd. irren ‘in Verwirrung bringen, stören, auf Abwege, zum Unglauben bringen, ungewiß, unsicher sein’, aengl. iorsian, irsian ‘böse sein, machen’, got. aírzjan ‘irreführen’. beirren Vb. ‘unsicher machen’ (17. Jh.). verirren Vb. reflexiv ‘vom Weg abkommen, sich nicht zurechtfinden’, ahd. firirrōn (um 1000), mhd. verirren ‘in die Irre führen, stören, verwirren, sich verirren, in Irrtum fallen’. irrig Adj. ‘falsch’, mhd. irrec, irric ‘zweifelhaft, hinderlich’, vgl. ahd. irrī̌gheit ‘Irrlehre, Irrtum’ (um 1000). Irrtum m. ‘Fehler, Versehen’, ahd. irrituom ‘Irrlehre, Irrtum, Irrgang’ (9. Jh.), mhd. irretuom ‘Irrung, Hindernis, Schaden, Ketzerei, Streit’; irrtümlich Adj. ‘fälschlich, versehentlich’ (19. Jh.). Irrfahrt f. ‘Fahrt in die falsche Richtung, vergebliches Suchen nach dem rechten Weg’, mhd. irrevart. Irrgarten m. ‘Labyrinth’ (16. Jh.). Irrlehre f. ‘falsche Lehre’ (17. Jh.). Irrlicht n. kurz aufleuchtendes, unruhig flackerndes Flämmchen (über Moorböden, durch Selbstentzündung von Sumpfgas), im Volksglauben als in die Irre führender Kobold oder Totengeist vorgestellt (17. Jh.); dafür auch Irrwisch m. (16. Jh.), zu Wisch ‘Fackel’ (s. d.); auch ‘unruhiger Mensch, lebhaftes Kind’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
verblödet · verrückt  ●  crazy  ugs. · durchgeknallt  ugs. · geistig umnachtet  ugs. · hirnrissig  ugs. · irr  ugs. · irre  ugs. · meschugge  ugs. · nicht bei Sinnen  ugs. · nicht richtig ticken  ugs. · plemplem  ugs.

Typische Verbindungen zu ›irr‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›irr‹.

Verwendungsbeispiele für ›irr‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich habe manchmal gemerkt, daß ich beginne, ziemlich irre zu werden. [konkret, 1985]
Es ist heute schon irre, was uns teilweise als Abfall verkauft wird. [Die Zeit, 07.08.2013, Nr. 32]
Es ist doch irre, dass man sofort im Besitz so eines Stücks sein kann. [Die Zeit, 30.05.2011, Nr. 22]
Es arbeitet in ihrem Kopf, und sie wird fast irre davon. [Die Zeit, 14.12.2009, Nr. 50]
Sie läßt sich durch das Ausbleiben dieses Angebots nicht irre machen und wird noch deutlicher. [Kisch, Egon Erwin: Der rasende Reporter, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1925], S. 180]
Zitationshilfe
„irr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/irr>.

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