Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

irrig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ir-rig (computergeneriert)
Wortzerlegung irr -ig
Wortbildung  mit ›irrig‹ als Erstglied: irrigerweise
eWDG

Bedeutung

auf einem Irrtum beruhend, unzutreffend, falsch
Beispiele:
eine irrige Ansicht, Vermutung, Hoffnung, Schlussfolgerung, Theorie
von irrigen Voraussetzungen ausgehen
einer irrigen Meinung widersprechen, entgegentreten
die Entscheidung, diese Deutung ist ganz irrig
es ist irrig anzunehmen, dass …
etw. als irrig erkennen, bezeichnen
er hat mir meine Untersuchungsergebnisse als irrig nachgewiesen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

irre · irr · Irrer · Irrenhaus · Irrenanstalt · Irrsinn · irrsinnig · Irre · irren · beirren · verirren · irrig · Irrtum · irrtümlich · Irrfahrt · Irrgarten · Irrlehre · Irrlicht · Irrwisch
irre irr Adj. ‘unsicher, zweifelnd, verwirrt, geistesgestört’, ahd. irri ‘umherschweifend, verirrt, unwissend, zügellos’ (9. Jh.), mhd. irre, erre ‘vom rechten Wege abgekommen, verirrt, wankelmütig, erzürnt, aufgebracht, uneinig’, asächs. irri ‘zornig’, mnd. erre, aengl. ierre ‘umherschweifend, verdorben, schlecht, zornig, wild’, got. aírzeis ‘verirrt’. Vergleicht man aind. irasyáti ‘zürnt, will übel’, lat. errāre ‘umherirren, sich verirren’ und zieht rasen (s. d.) und die dort genannten Formen heran, so kann von ie. *er(ə)s-, *rē̌s- ‘fließen, aufgebracht, erregt sein’, wohl s-Erweiterung der Wurzel ie. *er-, *or- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’, ausgegangen werden. S. auch rinnen, rennen, rieseln. Germ. *erzja- setzt die Wurzelbedeutung teils in ‘unruhig umherschweifend’, teils in ‘heftig bewegt, zornig’ fort. Nhd. irre ‘geistig verwirrt, geisteskrank’ (17. Jh.) geht hervor aus ‘verwirrt, geistig vom rechten Weg abgekommen’; dazu Irrer m. ‘Geistesgestörter’ (19. Jh.); Irrenhaus n. (18. Jh.), für älteres Narrenhaus; Irrenanstalt f. (19. Jh.). Irrsinn m. ‘Wahnsinn, Geistesgestörtheit’ (18. Jh.), zuvor ‘verwirrtes, unrichtiges Denken’ (17. Jh.); irrsinnig Adj. ‘wahnsinnig, geistesgestört’ (19. Jh.); in heutiger Umgangssprache (20. Jh.) oft verstärkend ‘sehr’. Irre f. ‘falscher Weg, falsche Richtung’, mhd. irre, (md.) erre ‘Irrtum, Verirrung, Irrfahrt’; vgl. got. aírzei ‘Irrlehre’. irren Vb. ‘sich ziellos hin und her bewegen, rastlos umherziehen, eine falsche Meinung haben, sich täuschen’, ahd. irrōn ‘irregehen, umherirren, in Ungewißheit sein, abtrünnig werden’ (8. Jh.), irren ‘verwirren’ (9. Jh.), mhd. irren ‘in Verwirrung bringen, stören, auf Abwege, zum Unglauben bringen, ungewiß, unsicher sein’, aengl. iorsian, irsian ‘böse sein, machen’, got. aírzjan ‘irreführen’. beirren Vb. ‘unsicher machen’ (17. Jh.). verirren Vb. reflexiv ‘vom Weg abkommen, sich nicht zurechtfinden’, ahd. firirrōn (um 1000), mhd. verirren ‘in die Irre führen, stören, verwirren, sich verirren, in Irrtum fallen’. irrig Adj. ‘falsch’, mhd. irrec, irric ‘zweifelhaft, hinderlich’, vgl. ahd. irrī̌gheit ‘Irrlehre, Irrtum’ (um 1000). Irrtum m. ‘Fehler, Versehen’, ahd. irrituom ‘Irrlehre, Irrtum, Irrgang’ (9. Jh.), mhd. irretuom ‘Irrung, Hindernis, Schaden, Ketzerei, Streit’; irrtümlich Adj. ‘fälschlich, versehentlich’ (19. Jh.). Irrfahrt f. ‘Fahrt in die falsche Richtung, vergebliches Suchen nach dem rechten Weg’, mhd. irrevart. Irrgarten m. ‘Labyrinth’ (16. Jh.). Irrlehre f. ‘falsche Lehre’ (17. Jh.). Irrlicht n. kurz aufleuchtendes, unruhig flackerndes Flämmchen (über Moorböden, durch Selbstentzündung von Sumpfgas), im Volksglauben als in die Irre führender Kobold oder Totengeist vorgestellt (17. Jh.); dafür auch Irrwisch m. (16. Jh.), zu Wisch ‘Fackel’ (s. d.); auch ‘unruhiger Mensch, lebhaftes Kind’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
falsch (sein) · fehlerhaft · inkorrekt · nicht den Tatsachen entsprechen(d) · nicht haltbar · nicht korrekt · nicht richtig · nicht zutreffen · nicht zutreffend · unhaltbar · unkorrekt · unrichtig · unsachgemäß · unzutreffend  ●  irrig  geh. · verkehrt  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • falsch · gelogen · unrichtig · unwahr · wahrheitswidrig  ●  nichts Wahres dran ugs.
  • den Fakten widersprechend · der Realität widersprechend · kontrafaktisch
  • dem ist nicht so · dem war nicht so · falschliegen · nicht der Fall sein · sich irren (du irrst dich) · weit gefehlt  ●  (da) sage noch einer (...) floskelhaft, variabel · nicht an dem sein (dass) biblisch, regional · nicht zutreffen Hauptform · womit eindeutig widerlegt wäre (dass) floskelhaft · (ein) Irrtum vom Amt ugs. · (ein) typischer Fall von denkste ugs., salopp, variabel · (einfach) nicht stimmen ugs. · (so) nicht stimmen ugs. · keine Rede sein können (von) ugs. · nicht die Rede sein können (von) ugs. · so ist das (aber) nicht ugs.
  • auf einem Fehler beruhen(d) · fälschlich · fälschlicherweise · irrigerweise · irrtümlich · irrtümlich für (...) gehalten · irrtümlicherweise  ●  vermeintlich Hauptform
  • (an einer Sache) ist kein wahres Wort · (ein) Produkt der Phantasie · ausgedacht · eingebildet · erfunden · fiktiv · frei erfunden · gedacht · imaginär · irreal · nicht auf Tatsachen beruhen(d) · ohne Realitätsbezug · ohne Realitätsgehalt · surreal  ●  (an einer Sache) ist nichts Wahres dran ugs. · an den Haaren herbeigezogen ugs., fig. · aus der Luft gegriffen ugs., fig. · imaginiert geh. · zusammenfantasiert ugs.
  • (sich) gewaltig irren · (sich) gewaltig täuschen  ●  kilometerweit danebenliegen (mit) ugs., fig. · total danebenliegen ugs., variabel · weit gefehlt (sein) geh.
  • (etwas) falsch einschätzen · (sich) täuschen · (sich) verschätzen · im Irrtum sein  ●  (sich) irren Hauptform · (etwas) falsch sehen ugs. · (sich) geschnitten haben ugs., fig. · (sich) vertun ugs. · auf dem Holzweg sein ugs., fig. · auf dem falschen Dampfer sein ugs., fig. · danebenliegen ugs. · einem Irrtum erliegen geh. · einem Irrtum unterliegen geh. · falschliegen ugs. · fehlgehen (in der Annahme) geh.
  • Da siehst du mal, wie man sich irren kann! · Irrtum!  ●  (ja) von wegen! ugs. · Das hast du auch nur gedacht! ugs., Spruch · Davon kann (überhaupt) keine Rede sein! ugs., Spruch · Denkste! ugs. · Denkste, Puppe! ugs. · Falsch gedacht! ugs. · Flötepiepen! ugs., westfälisch · Hast du gedacht! ugs. · Nichts da! ugs. · Pustekuchen! ugs. · So kann man sich irren. geh., ironisch
  • Fehlerhaftigkeit · Ungenauigkeit · Verkehrtheit
  • unpräzise · unzuverlässig  ●  ungenau (Messwert, Wert, Messung) Hauptform · (zu) große Fehlertoleranz fachspr. · inexakt fachspr. · inkorrekt fachspr.

Typische Verbindungen zu ›irrig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›irrig‹.

Verwendungsbeispiele für ›irrig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nichts kann aber eigentlich, wenn man die gesamte Stellung dieser epochemachenden Philosophen näher betrachtet, irriger sein als dieser Ausdruck. [Wundt, Wilhelm: Erlebtes und Erkanntes. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1921], S. 2083]
Ihre »feste Überzeugung«, man hätte das Verfahren gewonnen, ist irrig. [Die Zeit, 19.04.1991, Nr. 17]
Auch kann keine Verfassung irrige Entscheidungen verhindern oder den Mißbrauch politischer Macht ausschließen. [Die Zeit, 23.05.1969, Nr. 21]
Die holländischen und französischen Bücher betreffend, sei aber die Behauptung des Rates irrig. [Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1909], S. 17985]
Und es ist nur allzu natürlich, daß er damit zu irrigen Schlüssen kommen muß. [Die Zeit, 19.08.1948, Nr. 34]
Zitationshilfe
„irrig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/irrig>.

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