jammern

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung jam-mern
Wortbildung  mit ›jammern‹ als Erstglied: Jammerblick · Jammergeschrei · Jammergestalt · Jammergestell · Jammerkasten · Jammerlappen · Jammerlaut · Jammermiene · Jammerossi · Jammertal · Jämmerling · jammerschade
 ·  mit ›jammern‹ als Letztglied: Gejammer · aufjammern · ausjammern · bejammern · volljammern · vorjammern

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. wehklagen
    1. ⟨nach jmdm., etw. jammern⟩ nach jmdm., etw. dringend verlangen
  2. 2. ⟨jmd., etw. jammert jmdn.⟩ jmd., etw. dauert jmdn., tut jmdm. leid, erweckt jmds. Mitleid
    1. [veraltet] ⟨jmdn. jammert jmds.⟩
eWDG

Bedeutungen

1.
wehklagen
Beispiele:
laut, klagend jammern
sie jammerte leise vor sich hin
wir hörten das Kind jammern
jammere nicht schon wieder!
sie jammern über ihr Schicksal
er jammert um sein verlorenes Glück
ein jammerndes Weib
ein jammernder (= winselnder) Köter
jammernd die Hände ringen
er verbrachte seine Tage mit Jammern und Klagen
Sie [die Reisenden] jammerten über Zuchtlosigkeit und Verfall [ KasackStadt566]
nach jmdm., etw. jammernnach jmdm., etw. dringend verlangen
Beispiele:
das kleine Mädchen jammert nach seiner Mutter
der Verwundete jammerte nach Wasser
bildlich
Beispiel:
Sie [die Läden] haben so sehr nach Waren gejammert [ BrechtDreigroschenroman454]
2.
jmd., etw. jammert jmdn.jmd., etw. dauert jmdn., tut jmdm. leid, erweckt jmds. Mitleid
Beispiele:
der arme Mensch, sein Zustand jammert mich
es jammerte uns, sie so elend zu sehen
saloppdas kann ja einen Hund jammern (= das ist ja sehr schlimm)
veraltet jmdn. jammert jmds.
Beispiel:
Euer leiblicher Vater dort – mich jammerte sein [ SchillerRäuberIV 5]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Jammer · jämmerlich · Jämmerlichkeit · jammern · Jammerlappen · jammerschade · Jammertal
Jammer m. ‘Wehgeschrei, beklagenswerter Zustand, Elend, Verzweiflung’, ahd. jāmar (9. Jh.), āmar (um 1000) n. m., mhd. jāmer, āmer n. m. ‘Betrübnis, Sehnsucht’ ist eine Substantivierung des Adjektivs ahd. jāmar (9. Jh.), āmar (um 1000) ‘traurig’, woraus sich das vom Ahd. bis ins Frühnhd. belegte neutr. Genus (neben dem mask.) erklären ließe; vgl. auch asächs. jāmar, giāmar, aengl. geōmor ‘leidvoll, betrübt’. Wahrscheinlich geht das Adjektiv auf einen Schmerzenslaut, einen Klageruf zurück, so daß in ahd. āmar, mhd. āmer (s. oben) sowie anord. amra, emja, ymja ‘heulen, schreien’ onomatopoetische Varianten vorliegen können. Die nhd. Form mit verkürztem Vokal setzt sich im 17. Jh. durch. jämmerlich Adj. ‘elend, erbärmlich, heruntergekommen, feige’, ahd. āmarlīh (8. Jh.), mhd. jāmerlich, jæmerlich ‘kläglich, leidvoll’; Jämmerlichkeit f. (17. Jh.). jammern Vb. ‘wehklagen’, ahd. āmarōn (um 1000), mhd. jāmern, āmern ‘klagen, stöhnen, seufzen’. Jammerlappen m. ‘wehleidig klagender Mensch, Feigling’ (berlin. 19. Jh.), eigentlich (scherzhaft) ‘das zum Abwischen der Tränen benutzte Taschentuch’. jammerschade Adj. (nur prädikativ), Zusammenrückung der prädikativ verwendeten Fügung Jammer und Schade (18. Jh.). Jammertal n. ‘das irdische Dasein’, mhd. jāmertal, hier (wie auch bei Luther) Übersetzung von spätlat. vallis lacrimārum ‘Tal der Tränen’ (Vulgata, Psalm 83, 7, bei Luther 84, 7).

Thesaurus

Synonymgruppe
bejammern · klagen · wehklagen · zetern  ●  jammern  Hauptform · lamentieren  abwertend · barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · heulen  ugs. · janke(r)n  ugs. · raunzen  ugs., österr.
Assoziationen
Synonymgruppe
(es) fließen Tränen · Tränen vergießen · jammern · schluchzen · schreien (Baby) · weinen (vor) · wimmern  ●  (jemandem) laufen die Tränen (über das Gesicht)  variabel · weinen (über)  Hauptform · (jemandem) kullern die Tränen (über das Gesicht)  ugs., fig., variabel · (sich) ein Tränchen verdrücken  ugs. · barmen  geh., poetisch · bläken  ugs., abwertend, regional · das heulende Elend haben  ugs. · flennen  ugs., regional · greinen  ugs. · heulen  ugs. · leise weinend (in der Ecke)  ugs., floskelhaft · plieren  ugs. · plinsen  ugs., norddeutsch · plärren  ugs., abwertend, regional
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Tränchen  abwertend · Träne  Hauptform · Zähre  veraltet
  • Traurigkeit heucheln  ●  (den) Traurigen mimen  ugs. · (sich) ein paar Tränchen verdrücken  ugs. · Krokodilstränen vergießen  ugs., Hauptform · Krokodilstränen weinen  ugs. · auf traurig machen  ugs.
  • bejammern · klagen · wehklagen · zetern  ●  jammern  Hauptform · lamentieren  abwertend · barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · heulen  ugs. · janke(r)n  ugs. · raunzen  ugs., österr.
  • gefühlig · gekünstelt · im Überschwang der Gefühle · melodramatisch · seelenvoll · sentimental · theatralisch  ●  gefühlsbetont  Hauptform · gefühlskitschig  abwertend · kitschig  abwertend · larmoyant  abwertend · mit reichlich Herz und Schmerz  scherzhaft-ironisch · rührstückhaft  abwertend · schmalzig  abwertend · tränenselig  ironisierend · gefühlsbesoffen  ugs., abwertend · gefühlsduselig  ugs., abwertend · mit Pipi inne Augen  ugs., ruhrdt.
  • herumjanken · janken · keine Ruhe geben  ●  (rum)knöttern  ugs., ruhrdt. · (rum)quaken  ugs. · herumquengeln  ugs. · quengeln  ugs., Hauptform
  • (sich die) Augen aus dem Kopf weinen · Rotz und Wasser heulen · Ströme von Tränen vergießen · dicke Tränen vergießen · heiße Tränen vergießen · heiße Tränen weinen · hemmungslos weinen · heulen wie ein Schlosshund · in Tränen aufgelöst sein · in Tränen schwimmen  ●  (die) Tränen laufen jemandem (nur so) übers Gesicht  variabel · (sich die) Augen ausweinen  fig. · (sich) in Tränen auflösen  fig. · alle Schleusen öffnen  fig · bittere Tränen vergießen  veraltend · heftig weinen  Hauptform · in Tränen zerfließen  fig. · hemmungslos losheulen  ugs.
  • (sich) ausweinen (bei jemandem)  auch figurativ · (sich) ausheulen (bei jemandem)  ugs., auch figurativ
  • (jemandem etwas) vorweinen  ●  (jemandem etwas) vorjammern  abwertend · (jemandem etwas) vorheulen  ugs.
  • (sich) eine Träne aus dem Augenwinkel wischen · feuchte Augen bekommen · nasse Augen bekommen  ●  dem Weinen nahe sein  Hauptform · Pipi in die Augen bekommen  derb
  • (jemandem) stehen die Tränen in den Augen · (jemandem) steht das Wasser in den Augen · Tränen in den Augen haben · feuchte Augen haben  ●  nasse Augen haben  Hauptform · Pipi in den Augen haben  derb
  • (sich) in den Schlaf weinen · (sich) müde weinen
  • fiepen · jaulen · wimmern · winseln
  • (jemandem / einer Sache) hinterhertrauern · (jemandem) nachhängen · (sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · nachtrauern · nachweinen
  • bei jeder Kleinigkeit weinen · immer gleich weinen · oft weinen · schnell weinen · sofort weinen (müssen)  ●  nah(e) am Wasser gebaut haben  Hauptform, fig.
  • gefühlsbeladen · gefühlsselig · gefühlvoll · rührselig · schmalzig · schnulzig · sentimental  ●  auf die Tränendrüse drücken(d)  ugs., fig.
Synonymgruppe
jammern · sich beklagen · stöhnen
Synonymgruppe
herumjammern · herumjanken · jammern (über)  ●  (beredt) klagen (über)  geh. · herumnörgeln (an)  ugs. · rumjammern  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›jammern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›jammern‹.

Verwendungsbeispiele für ›jammern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er starrte zur Decke hinauf und ich hörte ihn leise jammern. [Strauß, Botho: Der junge Mann, München: Hanser 1984, S. 339]
Als sie die junge Frau hilflos im Arm des jungen Mannes hängen sieht, beginnt sie zu jammern. [Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 77]
Vielleicht täuscht sie uns nur «, jammerte einer von beiden, hörbar ängstlich. [C't, 2000, Nr. 6]
Selbst als Kind jammerte man nicht, wenn man sich wehgetan hatte; man wäre von den anderen nur verlacht worden. [Die Zeit, 23.02.1996, Nr. 9]
So habe ich es nicht gemeint, mochte es jetzt in ihr jammern. [Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 15]
Zitationshilfe
„jammern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/jammern>.

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