jungfräulich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungjung-fräu-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›jungfräulich‹ als Erstglied: ↗Jungfräulichkeit
eWDG, 1969

Bedeutung

gehoben wie eine Jungfrau
Beispiele:
ein jungfräuliches Weib
die jungfräuliche Schönheit, Ehre
verschämt
Beispiel:
jungfräuliche Zurückhaltung, Scheu, Scham
übertragen unberührt, noch nicht erschlossen
Beispiele:
die jungfräulichen Gebiete Sibiriens
jungfräulichen Boden bestellen
Langsam zogen wir durch eine jungfräuliche Urlandschaft von Wasser, Weiden und Schilf [K. LorenzEr redete71]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

jung · Junge · jungen · verjüngen · Jungbrunnen · Jungfrau · jungfräulich · Junggeselle
jung Adj. ‘nicht alt, frisch, neu’, ahd. jung (8. Jh.), mhd. junc, asächs. jung, mnd. junc, mnl. jonc, nl. jong, aengl. g(e)ong, engl. young, anord. ungr, schwed. ung, got. juggs (germ. *junga- aus *ju(w)unga-) führt mit aind. yuvaśáḥ ‘jung, junger Mensch’, lat. iuvencus ‘junger Stier, junger Mensch’ auf ie. *i̯uu̯ṇk̑ós, eine mit Gutturalerweiterung gebildete Ableitung zum Stamm ie. *i̯uu̯en- (zur Wurzel ie. *i̯eu- ‘jung’). Dazu gehören aind. yúvā (Stamm yúvan-) ‘jung, Jüngling, junger Mann’, lat. iuvenis ‘jung, Jüngling, Jungfrau’ und (mit sekundärer Umbildung nach diphthongischen Komparativformen) lit. jáunas ‘jung’, aslaw. junъ, russ. júnyj (юный); s. auch ↗Jugend, ↗Junior, ↗Junker. Junge m. ‘Kind männlichen Geschlechts’ (überwiegend im Nordd. und Md.), wohl Verkürzung (16. Jh.) aus attributiven Fügungen (der junge Knabe, Geselle u. a.), während mhd. junge m. ‘Jüngling, junger Mann, Jünger’ als maskuline Substantivierung des Adjektivs anzusehen ist. Älter ist das substantivierte Neutrum das Junge ‘Tierjunges’, bereits ahd. jungo (9. Jh., daneben auch ahd. jungīn, jungī), mhd. junge. jungen Vb. ‘Junge werfen’ (15. Jh.). verjüngen Vb. ‘jung machen’ (16. Jh.), auch reflexiv ‘nach oben dünner werden’ (18. Jh.), vgl. ahd. jungen ‘verjüngen, erneuern’ (um 1000), jungēn ‘sich verjüngen’ (11. Jh.), mhd. jungen, jüngen ‘jung machen, werden’. Jungbrunnen m. ‘Brunnen, dessen Wasser jung machen soll’, mhd. juncbrunne. Jungfrau f. ‘junges, unverheiratetes Mädchen’, ahd. jungfrouwa (um 1000), mhd. juncvrouwe, -vrowe, -vrou ‘junge Herrin, unverheiratetes Edelfräulein’, auch (durch Übertragung der ehrenvollen Bezeichnung) die als Gottesmutter verehrte Jungfrau Maria, Äquivalent für lat. virgo und Synonym für mhd. maget (s. ↗Magd). Später allgemein ‘junges, sexuell unberührtes Mädchen’ (s. ↗Frau und ↗Jungfer). jungfräulich Adj. ‘unberührt, rein, frisch’, mhd. juncvrouwelich. Junggeselle m. ‘unverheirateter Mann’, aus der Fügung der junge Gesell zusammengerückt, zunächst ‘junger Handwerksbursche’ (15. Jh.), der noch nicht verheiratet ist, daraufhin allgemein ‘unverheirateter (junger) Mann’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
makellos · ↗unangetastet · ↗unberührt · ↗unverändert · ↗ursprünglich  ●  jungfräulich  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
aus erster Hand · ↗fabrikneu · frisch ausgepackt · ↗neuwertig · soeben fertig geworden · ↗unbenutzt · ↗ungebraucht · wie neu  ●  ↗neu (unbenutzt)  Hauptform · ↗frischgebacken  ugs. · jungfräulich  ugs., fig.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
anständig · jungfräulich · ↗keusch · ↗mädchenhaft · ↗rein · ↗sittsam · ↗unbefleckt (bibl.) · ↗unberührt · ↗unbescholten · ↗unschuldig · ↗unverdorben · ↗züchtig
Assoziationen
Synonymgruppe
frisch auf den Tisch · frisch aus (der/dem - z.B. Druckerei) · ganz neu · sehr neu · ↗taufrisch · ↗unbenutzt · ↗unberührt  ●  ↗brandneu  ugs. · flammneu  ugs. · flatschneu  ugs., ruhrdt. · ↗funkelnagelneu  ugs. · jungfräulich  ugs., fig. · ↗nagelneu  ugs. · ↗nigelnagelneu  ugs. · noch ganz warm  ugs. · ↗ofenfrisch  ugs. · ↗ofenwarm  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • OVP · noch in Folie eingeschweißt · noch nicht ausgepackt  ●  (noch) originalverpackt  Hauptform
Assoziationen
Antonyme
  • jungfräulich  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Boden Braut Empfängnis Festplatte Gebet Geburt Gottesmutter Göttin Hang Hering Kontinent Königin Leinwand Märtyrerin Olivenöl Pulverschnee Rasen Reinheit Scham Schnee Schoß Territorium Unschuld Urwald Weib Weiß Zustand daliegen unberührt unschuldig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›jungfräulich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der rasant anwachsenden grünen Bewegung gelang es, sich als jungfräulich rein darzustellen.
Die Welt, 25.10.2003
Jungfräulich scheint sie auch zu ihrem Kind gekommen zu sein.
Süddeutsche Zeitung, 24.09.2001
Das alles gibt es und noch unvorstellbar viel anderes, jungfräuliches Land in unzugänglich-imaginärer Ferne.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 350
Von diesem Tage an hieß die jungfräuliche Kemenate einzig noch das Zimmer des Generals.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 69
Sie werden sich zu ihren Vätern versammeln ohne einen Flecken auf ihrer jungfräulichen Ehre, ohne eine Narbe auf ihren Herzen.
Braun, Lily: Lebenssucher. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 2396
Zitationshilfe
„jungfräulich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/jungfräulich>, abgerufen am 22.02.2019.

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