kümmerlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungküm-mer-lich
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
von materieller Armut zeugend, dürftig, ärmlich
Beispiele:
kümmerlich, in kümmerlichen Verhältnissen leben
kümmerlich aussehen
der Rucksack enthielt seine kümmerlichen Habseligkeiten
ein kümmerliches (= elendes) Leben, Dasein führen
kümmerlich sein Leben fristen
an diesen Nebenpfaden gab es nur ... kümmerliche Herbergen mit wenig zu essen [Feuchtw.Goya443]
2.
unzulänglich, unbefriedigend, nicht ausreichend, dürftig
a)
gering, kärglich
Beispiele:
ein kümmerlicher Lohn
sich kümmerlich ernähren
ein kümmerliches Mahl
eine kümmerliche Ausbeute
ein kümmerliches Ergebnis
kümmerlicher Reste
eine kümmerliche (= spärliche) Beleuchtung
ein kümmerlicher (= schwacher, schüchterner) Versuch
Man erteilte Unterricht für kümmerliche sechs Kronen im Monat [J. RothRadetzkymarsch95]
b)
ziemlich minderwertig
Beispiele:
er konnte nur ein kümmerliches Französisch
seine Leistungen waren kümmerlich
die Bibliothek des Ortes ist kümmerlich
c)
schwach entwickelt
Beispiele:
eine kümmerliche Vegetation
hier wachsen nur kümmerliche Sträucher
eine kümmerliche Gestalt
Ein ... Wollshawl dicht unterm spitzen bis kümmerlichen Kinn übereinandergelegt [GrassKatz49]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kummer · Kümmernis · kümmerlich · kümmern · bekümmern · bekümmert · unbekümmert · verkümmern
Kummer m. ‘Trübsal, Leid, Seelenschmerz’, mhd. kumber, kummer ‘Schutt, Müll, Unrat’, doch auch ‘Belastung, Mühsal, Not, innere Ungelegenheit, Drangsal’, in spätmhd. und frühnhd. Rechtssprache ‘Beschlagnahme, Arrest, Verhaftung’; vgl. mnd. kummer, kumber, mnl. commer, comber ‘Belastung, Behinderung, Verhaftung, Beschlagnahme, Nachteil, Sorge, Mangel’, nl. kommer ‘Gram, Sorge, Mangel, Not’. Als Ausgangsform gilt (mit lat. cōnferre ‘zusammentragen’ verwandtes) gall. *combero-, *comboro- ‘Zusammengetragenes’ (wovon mir. commar ‘Zusammentreffen von Tälern, Strömen, Wegen’), an das sich die Wortgruppe um afrz. *combre (belegt ist erst mfrz. combres Plur. ‘Sperre, Wehr, Hindernis’, 15. Jh., sowie mlat. combrus, cumbrus ‘Verhau, Wehr’ seit dem 7. Jh.) anschließt, vgl. afrz. descombrer ‘räumen, frei machen, befreien, trennen’, encombrer ‘versperren, erschweren, behindern, belasten, bedrängen’, encombre ‘Belästigung, Bedrängnis, Not’. Auf Entlehnung aus dem Galloroman. beruhen die Formen im Nl. und Dt.; hier breitet sich der im Frz. neben der bis heute geltenden konkreten Bedeutung (frz. décombres Plur. ‘Trümmer, Schutt, Abraum’, encombrer ‘versperren’, encombre ‘Hindernis, Schutt’) in älterer Zeit schon auftretende metaphorische Gebrauch aus und setzt sich in der Literatursprache durch; vgl. jedoch noch landschaftlich (westmd. nordd.) Kummer ‘Schutt, Abraum’. Kümmernis f. ‘Ungemach, Gram’, mhd. kumbernisse. kümmerlich Adj. ‘bedrückt, unterentwickelt, armselig’, mhd. kumberlich ‘belästigend, kummervoll’, auch ‘verhaftet’. kümmern Vb. ‘dahinvegetieren’, meist sich kümmern um ‘einer Sache, jmdm. Aufmerksamkeit, Fürsorge widmen, sich befassen mit’, mhd. kumbern, kummern ‘belästigen, bedrängen, quälen, mit Arrest belegen’. bekümmern Vb. ‘traurig machen, kränken’, reflexiv ‘Sorge tragen für’, mhd. bekumbern, bekümbern ‘in Not bringen, belästigen, mit Arrest belegen, (sich) beschäftigen mit, pflegen’; dazu bekümmert Part.adj. ‘niedergeschlagen, deprimiert’ (16. Jh.); unbekümmert Part.adj. ‘unbeschwert, sorglos’, mhd. unbekumbert ‘unbeeinträchtigt’. verkümmern Vb. ‘sich unvollkommen, dürftig entwickeln, in der Entwicklung zurückbleiben, langsam eingehen’, mhd. verkumbern, -kümbern, verkummern, -kümmern ‘arrestieren, auf-, vorenthalten, verpfänden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
armselig · ↗betrüblich · kümmerlich · ↗ärmlich  ●  ↗billig  ugs. · ↗schwach  ugs. · ↗traurig  ugs.
Synonymgruppe
dürftig · ↗karg · ↗kläglich · ↗knapp · ↗knausrig · ↗kärglich · kümmerlich · ↗mau · ↗spärlich · ↗ärmlich
Assoziationen
Synonymgruppe
gering · kümmerlich · ↗schwach · ↗wenig
Synonymgruppe
armselig · ↗gering · ↗jammervoll · ↗jämmerlich · kümmerlich · ↗minderwertig  ●  grenzlastig  ugs. · ↗grenzwertig  ugs. · ↗inferior  geh. · ↗lausig  ugs. · ↗lumpig  ugs. · ↗mickrig  ugs. · piselig  ugs., rheinisch · ↗popelig  ugs. · pupsig  ugs. · ↗windig  ugs.
Assoziationen
  • (nur) Centbeträge  ●  das bisschen Geld  ugs. · die paar Euro  ugs. · so'n bisschen Geld  ugs. · so'n paar Euro  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Almosen Ausbeute Auskommen Aussehen Behausung Darbietung Dasein Ersatz Existenz Gewächs Habe Haufen Häuflein Lebensunterhalt Randexistenz Ration Rest Restbestand Rinnsal Schattendasein Wicht Wuchs Zwerg ausnehmen durchschlagen eher fristen vergleichsweise Überbleibsel Überrest

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kümmerlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihre Mum hat eben auf eigene kümmerliche Art versucht, rebellisch zu sein.
Süddeutsche Zeitung, 15.10.1997
Zum ersten Mal können wir ohne Aufsicht reden, allerdings nur eine kümmerliche halbe Stunde.
Nadolny, Sten: Selim oder Die Gabe der Rede, München: Piper 1997 [1990], S. 91
Ängstlich saß die kümmerliche Frau zwischen den beiden riesigen Männern.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 974
Und bald sollten die Reste der kümmerlich dahinsiechenden griechischen Philosophie auch ihr äußerlich sichtbares Ende finden.
Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 7129
In diesen Zeiten kümmerlichen Wachstums kann die unerfreuliche Frage der Kosten unmöglich aus dem Spiel gelassen werden.
Der Tagesspiegel, 13.02.2003
Zitationshilfe
„kümmerlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kümmerlich>, abgerufen am 18.04.2019.

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