küren

GrammatikVerb · kürte, hat gekürt
GrammatikVerb · kor, hat gekoren
Aussprache
Worttrennungkü-ren (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

gehoben jmdn., etw. erwählen, sich für jmdn., etw. entscheiden
Beispiele:
einen neuen Rektor, den Sieger eines Wettbewerbs küren
man kürte ihn zum Vorsitzenden des Ausschusses
auf einer öffentlichen Veranstaltung küren die Berliner Friseure die Meister ihres Faches
die Kampfrichter haben den erfolgreichen Sportler zum Weltmeister gekürt
Insoweit der Mensch seinen Willen kürt, ist er frei [MusilMann325]
Den mund der einen mund zum kuss schon kor [St. GeorgeGedichte49]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kür · Kurfürst · kurfürstlich · Kurfürstentum · Kurhut · Kurwürde · kiesen · küren · erkoren · auserkoren · kören
Kür f. ‘nach freier Wahl zusammengestellte Übung bei Wettkämpfen’. Der Sportausdruck, auch in Zusammensetzungen wie Kürturnen (19. Jh.), Kürlaufen, Kürübung (20. Jh.) und daher heute oft als Verkürzung solcher Bildungen angesehen, ist eine auf Jahn (Turnkühr, -kühre ‘freiwillige Übungen’ im Unterschied zu Turnschule ‘Übungen nach Vorschrift’, 1816) zurückgehende Wiederaufnahme des bis ins ältere Nhd. lebendigen Substantivs ahd. kuri f. ‘Erwägung, Beratung, Auswahl’ (9. Jh.), mhd. kür(e) f., auch (besonders md.) kur(e), kor(e), kör(e) m. f. ‘Prüfung, Erwägung, prüfende Wahl, Stimmrecht, Beschluß, Bestimmung, Strafe, Art und Weise’, nhd. Kür, Kur f. ‘prüfende Erwägung, Entscheidung, Wahl’ (vor allem terminologisch für die vom 13. bis Anfang des 19. Jhs., d. h. bis zur offiziellen Auflösung des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“, übliche Wahl des deutschen Königs durch die hierzu berechtigten Fürsten; in dieser Verwendung bis ins 18. Jh. meist die ursprünglich obd. Schreibung Chur). Dieses ist in der Gegenwart erhalten in historischen Bezeichnungen wie Kurfürst m. ‘zur Königswahl berechtigter Fürst’ (mhd. kür-, kurvürste), kurfürstlich Adj. (spätmhd. kurvürstlich), Kurfürstentum n. (mhd. kurvürstentuom), Kurhut m. ‘die Kurwürde kennzeichnender Hut’ (16. Jh.), Kurwürde f. ‘Würde eines Kurfürsten’ (18. Jh.), ferner in ↗Willkür (s. d.). Zu Kür, Kur vgl. auch asächs. kuri m. ‘Wahl’, mnd. kȫr(e), kür(e) m. f. (Bedeutungen wie im Mhd.), mnl. cōre, cuere m. f. ‘Wahl, Verordnung’, nl. keur f. ‘Wahl, Auswahl, Probe, Verordnung’, aengl. cyre m. ‘Wahl, Entscheidung’, anord. kør n., schwed. kor n. ‘Wahl’. Die angeführten Nomina actionis folgen den tiefstufigen Formen des in seiner Konjugation grammatischen Wechsel zwischen s und r zeigenden gemeingerm. Verbs ahd. kiosan (8. Jh.), mhd. frühnhd. kiesen ‘sehen, wahrnehmen, prüfend betrachten, erwägen, erkennen, aus-, erwählen’, asächs. kiosan ‘wählen’, mnd. kēsen, mnl. kiesen ‘prüfend betrachten, wahrnehmen, aus-, erwählen, sich entscheiden’, nl. kiezen ‘(aus)wählen’, aengl. cēosan ‘(aus)wählen, annehmen’, engl. to choose ‘wählen, bevorzugen’, anord. kjōsa ‘wählen, wünschen, zaubern’ (eigentlich ‘einen Gegenstand zur Zauberei wählen’), got. kiusan ‘prüfen’. Hierzu stellen sich außergerm. Entsprechungen wie aind. juṣátē, jṓṣati ‘hat gern, findet Gefallen, genießt’, awest. zaoš-, apers. dauš- ‘an etw. Gefallen finden’, griech. gé͞uesthai (γεύεσθαι) ‘kosten, schmecken, zu spüren bekommen’, lat. dēgūnere ‘kosten’, air. togu ‘wählen’ und, mit dentalem Element wie in ↗kosten (s. d.), lat. gustāre ‘kosten, genießen’, die auf eine gemeinsame Wurzel ie. *g̑eus- ‘kosten, genießen, schmecken’ (im Germ. und Kelt. ‘wählen’ durch Übertragung des Wahrnehmens und Prüfens auf andere Sinnesbereiche) führen. Im Nhd. findet sich das starke Verb kiesen ‘(er)wählen’ (s. oben) nach dem 17. Jh. nur noch in dichterischer Sprache. Dafür kommt seit dem Mhd. allmählich das schwach flektierende gleichbed. Denominativum küren (vgl. spätmhd. er-, ver-, willekürn, mnd. kȫren) in Gebrauch, das in neuerer Zeit ebenfalls auf gehobene Ausdrucksweise beschränkt bleibt. Feierlichem Stil sind auch die Partizipien erkoren ‘erwählt’ und auserkoren ‘auserwählt’ vorbehalten, die (neben gelegentlich bis heute verwendeten Präteritalformen wie ich erkor, wir erkoren oder ausschließlich im Gliedsatz noch möglichem daß er auserkor) als Reste ehemals geläufiger Präfixbildungen von kiesen fortleben, vgl. ahd. irkiosan ‘prüfen, wahrnehmen, erwählen’ (9. Jh.), mhd. erkiesen ‘wahrnehmen, ersinnen, erwählen, greifen’, nhd. (bis ins 18. Jh.) erkiesen ‘erwählen’ (auch asächs. ākiosan, aengl. ācēosan, got. uskiosan ‘aus-, erwählen’) sowie aus diesem (im Anschluß an das mit Adverb verbundene Part.adj. mhd. ūʒ erkorn) weitergebildetes nhd. auserkiesen ‘auserwählen’ (16. bis 18. Jh.). Die nd. Lautvariante von küren ergibt das Fachwort der Tierzucht kören Vb. ‘ein männliches Tier zur Zucht auswählen’ (19. Jh., vgl. mnd. kȫren ‘wählen, auswählen, sich entscheiden’).

Thesaurus

Synonymgruppe
aussuchen · ↗auswählen · ↗erwählen · küren · ↗optieren (für) · ↗wählen  ●  ↗auserwählen  geh. · ↗erkiesen (Partizip 2 = erkoren)  geh., veraltet · ↗kiesen (Partizip 2 = gekoren)  geh., veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Champion Fachzeitschrift Favorit Fußballer Gewinner Herausforderer Juror Jury Kandidat Kandidatin Kanzlerkandidat Kronprinz Landtagswahl Magazin Miss Nachfolger Preisträger Präsidentschaftskandidat Schönheitskönigin Sieger Siegerin Spitzenkandidat Spitzenkandidatin Sportlerin US-Magazin Unwort Urwahl Weltfußballer Weltmeister Wirtschaftsmagazin

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›küren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Vereinten Nationen haben 2011 zum "Internationalen Jahr der Wälder" gekürt.
Die Zeit, 27.12.2010 (online)
Die genialste Idee ist zweifellos das neue System, den schnellsten Mann der Welt zu küren.
Der Tagesspiegel, 31.08.1999
Denn die Herren küren schließlich auch den "Boxer des Jahres".
Bild, 23.10.1998
Während Louise auf einem Künstlerfest zur Muse des Montmartre gekürt wird, erscheint ihre Mutter, um ihr zu sagen, dass ihr Vater schwer erkrankt ist.
Fath, Rolf: Rollen - L. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 16314
Mit überwältigender Mehrheit sagte Pacher, hat unser geliebtes Narrenvolk Fräulein Charlotte Weber gekürt.
Fritsch, Gerhard: Fasching, Hamburg: Rowohlt 1967, S. 220
Zitationshilfe
„küren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/küren>, abgerufen am 17.02.2019.

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