Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

kacheln

Grammatik Verb · kachelt, kachelte, hat/ist gekachelt
Aussprache  [ˈkaχl̩n]
Worttrennung ka-cheln
Wortbildung  mit ›kacheln‹ als Letztglied: einkacheln · weiß gekachelt · weißgekachelt
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
jmd. kachelt (etw.)mit meist glasierten, keramischen bzw. aus gebranntem Ton hergestellten Platten versehen (2 a), verkleiden (2), auslegen (2 b)
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Kollokationen:
mit Passivsubjekt: die Wand, der Boden, der Raum ist gekachelt
Beispiele:
Weil die Wände und Böden der ehemaligen Metzgerei weiß gekachelt sind, wird die Renovierung aufwendig[…]. [Frankfurter Rundschau, 02.01.2008]
Maler streichen Decken und Wände, Elektriker verlegen Leitungen, Installateure bauen Heizungs‑ und Lüftungsanlagen ein, Fliesenleger kacheln Badezimmer und Schwimmbad, Restauratoren sanieren die zahlreichen Wandbilder und Deckengemälde. [Rhein-Zeitung, 15.01.2015]
Badezimmerböden würden häufig […] nicht mehr gekachelt, sondern mit Holz belegt [sagt der Geschäftsführer eines Badewannenvertriebs]. Dunkle Dielen und Schiffsboden‑Parkett sind besonders beliebt. [Der Tagesspiegel, 26.09.2014]
Im Erdgeschoß kachelt ein […] Familienvater gerade das Bad. [Süddeutsche Zeitung, 10.05.1995]
Wände und Böden sind lückenlos gekachelt, die Fugen sorgsam mit Dichtungsmasse gefüllt. [Die Zeit, 08.04.1988]
bildlichW[…], ganz bei sich als Maler, spachtelt, malt, wischt aus, schabt, zeichnet, überlagert, klebt, formt aus, formt Drähte und Ösen ein in seine Collagen, mit denen er die Wände kachelt (= behängt, beklebt). [Dresdner Neueste Nachrichten, 26.07.2014]
derb
Phrasem:
jmdm. eine kacheln (= einen Schlag mit der Hand, eine Ohrfeige verpassen)
Beispiele:
Pierre war außer sich vor Wut und hat mich sehr unfair beschimpft. […] Er hat mir eine gekachelt, mit der flachen Hand mitten ins Gesicht. [Lichtenberg, Neo: Süßer – Himmel auf Erden. Mettingen: dead soft verlag 2019]
Nach einigem Hin und Her [an der Bar um ein umgekipptes Bier] sah ich […] plötzlich Sterne – der stadtbekannte Randalierer hatte mir eine gekachelt. [Damals, als die Dorfjugend auf ihren Töfflis in den Ausgang fuhr, 17.02.2018, aufgerufen am 27.07.2021]
Ich hätte der alten [Frau] […] eine gekachelt, dass sie quer durchs Treppenhaus geflogen wäre und sich hinterher noch dafür bedankt hätte. [Hausfrau attackiert jungen Schwulen mit Krückstock, 21.04.2009, aufgerufen am 26.07.2021]
Man will es nicht beschwören, aber es würde uns fast nicht wundern, wenn die Kleinen […] [von ihren Eltern] eine gekachelt bekämen. Wer nicht hören will, muss eben fühlen. [Süddeutsche Zeitung, 14.09.2002]
»Ich hab ihr [bei den Dreharbeiten] eine gekachelt – da flog sie aus dem Bild«, erinnert sich die Tochter von Willy Millowitsch an die – unbeabsichtigte – Wucht einer Ohrfeige. [Hamburger Abendblatt, 12.04.2000]
2.
etw. kacheltstark wehen, blasen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Noch ist es windstill, aber gleich wird es wieder mit sechs Beaufort kacheln. [Schneller als DHL!, 07.09.2017, aufgerufen am 01.09.2020]
Zum Glück peitscht das aufgewühlte Meer fast überall in Strande nur schräg gegen die Küste. Anders ist die Lage allerdings im Strander Hafen. Dort kachelt der Wind am Montag frontal auf die Ostmole. [Kieler Nachrichten, 09.02.2021]
Das Jahr ist noch jung, dennoch kachelte es schon ordentlich. Das Sturmtief Friederike zog am 18. Januar mit Orkanböen durch den Landkreis, entwurzelte zahlreiche Bäume und hielt die Feuerwehr mit mehr als 20 Einsätzen auf Trab. [Münchner Merkur, 17.02.2018]
Mit knapp 45 Knoten – das entspricht etwa 80 Kilometern in der Stunde – kachelt es seit gut zwei Stunden von Norden herunter: der mitunter gefürchtete »Peler«, ein heute beißend straffer Nordwind, der nicht von Pappe ist, und das wissen die Segler hier. [Die Welt, 19.09.2009]
bildlichDrei Mal setzt Dominique Horwitz an, uns den Mackie Messer nach altvertrauter Manier zu singen [doch seine Begleitkombo übertönt ihn jedesmal]. […] Wie ein reinigender Gewittersturm »kacheln« die vier vorzüglichen Instrumentalisten los, brausen über den Haifisch‑Song hinweg, um ihn zu stoppen. [Saarbrücker Zeitung, 28.06.2005]
3.
umgangssprachlich jmd., etw. kacheltsich mit hoher, meist überhöhter Geschwindigkeit fortbewegen; eine meist große Entfernung, weite Strecke zurücklegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
Kowalskis erstes Auto war […] ein Opel, ein 64er Kadett, »mit dem sind wir damals immer nach Holland gekachelt«. [Süddeutsche Zeitung, 24.09.1999]
Seit Anfang August rollt bereits auf der Gegenfahrbahn in Richtung Chemnitz der Verkehr und seit gestern kacheln nun auch Autos und Brummis über den Asphalt nach Leipzig. [Leipziger Volkszeitung, 17.10.2019]
Zwei Eisvögel sitzen auf einem Anleger ganz in der Nähe, wenn sie sich nicht hin und her jagen. Auch die Schwalben kacheln noch über die Weinberge und das Elbtal bei Meißen. [Beobachtungen, 12.09.2019, aufgerufen am 31.08.2020]
Auf Kerosin oder Flugbenzin wird in den Ländern, die eine große Luftfahrtindustrie haben, keine Steuer erhoben. Stattdessen […] halten es alle Leute für völlig normal, mit einer Düsenmaschine mal eben von Berlin nach Frankfurt zu kacheln. Oder zum Einkaufen übers Wochenende nach London. [Es geht kein Flug nach Irgendwo, 20.09.2016, aufgerufen am 01.09.2020]
Mit seinem gehörnten Schädel kachelte das Wesen in die […] Wand und ließ rosa Splitter fliegen. [Fire & Smoke, 27.08.2014, aufgerufen am 01.09.2020]
Es galt, so grundlegende Fragen zu klären wie: Kann man nach ein paar Whiskeys noch mit 190 [km/h] durch einen Tunnel kacheln? [Berliner Zeitung, 02.10.1997]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kachel · kacheln · Kachelofen
Kachel f. ‘gebrannte (glasierte) Tonplatte’, ahd. kahhala ‘Topf, Gefäß der Öllampe’ (11. Jh.), mhd. kachel(e) ‘irdenes Gefäß, Geschirr’, auch ‘Ofenkachel’, ist aus vlat. *cac(c)alus, *cac(c)ulus entlehnt, das entweder aus lat. cac(c)abus ‘Tiegel, Pfanne zum Schmoren’ hervorgegangen oder als Klammerform des zugehörigen Deminutivs spätlat. cac(c)abulus ‘kleiner Tiegel’ aufzufassen ist. Vorauf geht griech. kák(k)abos, kak(k)ábē (κάκ(κ)αβος, κακ(κ)άβη) ‘Kochgeschirr’. Vgl. Brüch in: ZfrPh 57 (1937) 585 ff. und Frings/M. Germania Romana 2 (1968) 135 f. Die Kenntnis des Tonbrennes bei den Germanen geht auf die Römer zurück. Die ursprüngliche Bedeutung ‘irdener Topf, Kochgeschirr’ ist noch im 16. Jh. nachweisbar. Dazu kacheln Vb. ‘mit Kacheln versehen’ (19. Jh.). Kachelofen m. mhd. kacheloven (13. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Fliesen anbringen · Fliesen legen · fliesen · kacheln  ●  plätteln  schwäbisch, schweiz.
Synonymgruppe
brausen · flitzen · jagen · preschen · rasen · sausen (altmodisch) · schießen  ●  schnell fahren (Fahrzeug)  Hauptform · (einen) heißen Reifen fahren  ugs. · brettern  ugs. · donnern  ugs. · düsen  ugs. · fahren wie der Henker  ugs. · fahren wie der Teufel  ugs. · fahren wie ein Geisteskranker  ugs. · fahren wie ein Henker  ugs. · fahren wie ein Verrückter  ugs. · fahren wie eine gesengte Sau  ugs. · fegen  ugs. · heizen  ugs. · kacheln  ugs. · rauschen  ugs. · stochen  ugs., regional · zischen  ugs.
Assoziationen
  • (mit) Vollgas · (stark) überhöhte Geschwindigkeit · Höchstgeschwindigkeit · Höchsttempo · in Höchstgeschwindigkeit · mit Höchstgeschwindigkeit · so schnell (wie) er konnte · so schnell (wie) es (irgend) ging · unter Höchstgeschwindigkeit · volle Kraft voraus  ●  (mit) Bleifuß  ugs. · Affenzahn  ugs. · alles was (...) hergibt  ugs. · full speed  ugs., engl. · mörderisches Tempo  ugs. · voll Stoff  ugs. · volle Kanne  ugs. · wie ein Geisteskranker  ugs. · wie ein Henker (fahren)  ugs. · wie eine gesengte Sau  ugs.

Typische Verbindungen zu ›kacheln‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kacheln‹.

Zitationshilfe
„kacheln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kacheln>.

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