kalben

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungkal-ben
Wortbildung mit ›kalben‹ als Letztglied: ↗abkalben  ·  mit ›kalben‹ als Grundform: ↗verkalben
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Landwirtschaft
Beispiel:
die Kuh wird bald kalben (= ein Kalb bekommen)
2.
fachsprachlich
Beispiele:
der Gletscher kalbt (= Eisblöcke brechen von ins Meer mündenden Gletscherzungen ab und werden zu Eisbergen)
unter dauerndem Getöse kalbt der Gletscher die 50 m hoch über das Wasser ragenden Eismassen in den Fjord [Urania1963]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kalb · kalben · kälbern · kalbern · Kalbfell
Kalb n. ‘neugeborenes oder junges Rind’. Die Etymologie ist nicht klar festzulegen, da ein solches Elementarwort der Tierhaltung unterschiedliche Eigenentwicklungen erfahren haben mag. Ahd. kalb (8. Jh.), mhd. kalp, asächs. mnd. nl. kalf, aengl. cælf, mnl. engl. calf, anord. kalfr, schwed. kalv erweist sich nach den Pluralformen ahd. kelbir, aengl. calfru, cealfru als alter es / os-Stamm (germ. *kalƀaz, *kalƀiz). Im Ablaut dazu begegnet ahd. kilbur (11. Jh.), kilburra, kilbirra (9. Jh.), aengl. ceolbor-, cilfor(lamb) ‘Mutterlamm’. Daneben steht ein femininer n-Stamm got. kalbō ‘junge Kuh, Kalb’, ahd. kalba, mhd. kalbe ‘über ein Jahr alte Kuh, die noch nicht gekalbt hat’. Unter Berücksichtigung der Anlautverhältnisse und unter Annahme einer Bedeutungsentwicklung ‘Anschwellung ‒ Mutterleib ‒ Leibesfrucht’ ist Rückführung auf ie. *gelb(h)- möglich, eine wohl nur im Germ. vertretene Variante von ie. *glēb(h)-, *gleb(h)- ‘zusammballen’ (s. ↗Klafter, ↗Kolben), Labialerweiterungen der Wurzel ie. *gel- ‘(sich) ballen, Gerundetes, Kugliges’, wozu auch gall.-lat. galba ‘Schmerbauch, dicke Person’, lat. globus ‘Kugel, Ball, Klumpen’ gehören. Semantische Beziehungen zu ie. *gu̯elbh- ‘Gebärmutter, Tierjunges’ mit griech. delphýs (δελφύς) ‘Gebärmutter’, délphax (δέλφαξ) ‘Sau, Mutterschwein’ und aind. gárbhaḥ ‘Mutterleib, Leibesfrucht’ sind nicht zu übersehen; der ie. labiovelare Anlaut ist allerdings mit den oben genannten germ. Formen nicht vereinbar. kalben Vb. ‘ein Kalb zur Welt bringen’, mhd. kalben. kälbern, kalbern Vb. ‘kalben’, auch ‘herumalbern, Spaß machen’ (16. Jh.), eigentlich ‘herumtollen wie ein junges Kalb’. Kalbfell n. oft bildlich für ‘Trommel’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) Junges bekommen · ↗gebären · ↗jungen · kalben (Kuh, Wal, Elefant ...) · ↗werfen (Säugetier)  ●  Junge bekommen  Hauptform
Assoziationen
  • (ein) Baby bekommen · ↗entbinden · entbunden werden (von) · ↗gebären · in den Wehen liegen · ↗kreißen · ↗niederkommen (mit) · zur Welt bringen  ●  (einem Kind) das Leben schenken  ugs. · auf die Welt bringen  ugs. · ein Kind in die Welt setzen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Eisberg Gletscher Kuh

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kalben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und dann kalbte eine Kuh, das Kalb war aber tot.
Die Zeit, 10.03.1978, Nr. 11
Die 23 Kühe kalben alleine und werden früher wieder trächtig.
Der Tagesspiegel, 08.01.2001
Es gibt keine einzige Kuh, die ihr Leben lang einen unerschöpflichen Milchfluß hat - damit dieser aber nie versiegt, muß sie jährlich kalben.
Süddeutsche Zeitung, 26.07.1995
Denn wenn der Gletscher kalbt, sausen kleinere Eissplitter bisweilen wie Schrapnellgeschosse durch die Luft.
Die Welt, 13.10.2000
Wenn eine Kuh schwer kalbte oder der Blitz in die Scheune schlagen sollte, suchten die Leute meinen Rat.
Morgner, Irmtraud: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, Berlin: Aufbau-Verl. 1974, S. 289
Zitationshilfe
„kalben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kalben>, abgerufen am 18.11.2019.

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