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kanonisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ka-no-nisch
Wortzerlegung Kanon -isch
Wortbildung  mit ›kanonisch‹ als Letztglied: deuterokanonisch
Herkunft zu gleichbedeutend kanonikósgriech (κανονικός) < kanṓngriech (κανών) ‘Regel, Vorschrift, Liste, Katalog, Verzeichnis der klassischen Schriftsteller’

Bedeutungsübersicht+

  1. als Richtschnur dienend
    1. a) ...
    2. b) [Religion] den kirchlichen Rechtsbestimmungen entsprechend
    3. c) [Religion] ...
eWDG

Bedeutung

als Richtschnur dienend
a)
Beispiel:
seine [Goethes] Worte waren Sprüche von kanonischer Bedeutung [ KügelgenJugenderinnerungen123]
b)
Religion den kirchlichen Rechtsbestimmungen entsprechend
Beispiel:
daß die beabsichtigte Scheidung des Königs von seiner rechtmäßigen Gemahlin Katharina juristisch zulässig und kanonisch nicht zu beanstanden sei [ ZuchardtNarr46]
das kanonische Rechtdas Kirchenrecht
Beispiel:
Er war … von Bologna gekommen, wo er zum Doktor des kanonischen Rechts promoviert hatte [ KlabundBorgia19]
c)
Religion
Beispiel:
die kanonischen Bücher (= die kirchlich für verbindlich erklärten Bücher des Alten und Neuen Testaments)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kanon · kanonisch · kanonisieren
Kanon m. ‘Richtschnur, Regel, Kettengesang’. Griech. kanṓn (κανών) ‘gerade Stange, Richtscheit, Lineal’ ist wohl, ausgehend von einer Bedeutung ‘Rohrstab’, eine Bildung zu griech. kánna (κάννα) ‘Rohr, Rohrgeflecht’ (s. Kanal). Bereits im Griech. entwickelt kanṓn die Übertragungen ‘Regel, Vorschrift, Liste, Katalog, Verzeichnis der klassischen Schriftsteller’, die alle von lat. canōn übernommen werden. Davon ausgehend bezeichnet canōn in der griech. und lat. Kirchensprache den unveränderlichen Hauptbestandteil der Messe, das Verzeichnis der als göttlich inspiriert geltenden Bücher der Bibel und den Katalog der Heiligen. In allen übertragenen Bedeutungen wird canōn zu unterschiedlichen Zeiten ins Dt. übernommen; zuerst wohl ahd. canon ‘(kirchliche) Rechtsvorschrift’ (9. Jh.), dann für das eucharistische Hochgebet in der Messe (15. Jh.) und schließlich für ein Lied oder Musikstück, bei dem die Stimmen nacheinander (nach strenger kontrapunktischer Regel) einsetzen (16. Jh.). Die Wendung unter aller Kanone ist eine scherzhafte Übersetzung der Schülersprache von lat. sub omni canone ‘unter allem Kanon’, d. h. so schlecht, daß es sich der Beurteilungsrichtschnur entzieht. – kanonisch Adj. ‘der Regel, dem Kanon entsprechend, kirchenrechtlich, mustergültig, maßgebend’, lat. canonicus, griech. kanonikós (κανονικός); zuerst zur Kennzeichnung der von der Kirche in das Verzeichnis der maßgebenden Schriften (in den Kanon, s. oben) aufgenommenen biblischen Bücher (16. Jh.), Gegensatz apokryph (griech. apókryphos, ἀπόκρυφος ‘versteckt, heimlich’); dann auch ‘den katholisch-kirchlichen Rechtsbestimmungen entsprechend’, im Unterschied zum bürgerlichen, weltlichen Recht (17. Jh.), daher kanonisches Recht, nach spätlat. iūs canonicum. kanonisieren Vb. ‘in den Kanon, in das Verzeichnis der Heiligen aufnehmen, heiligsprechen’, mhd. canonizieren, mlat. canonicare.

Thesaurus

Synonymgruppe
als Vorbild dienend · in Hauptform gebracht · kanonisch · normalisiert
Synonymgruppe
kanonisch · kanonisiert · zum Bibelkanon zählen(d)
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›kanonisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kanonisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›kanonisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das sichert einen kanonischen Stand des Wissens, das von allen geteilt wird. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 457]
Er teilte die kanonischen Schriften nach der Sicherheit ihrer Überlieferung in drei verschiedene Gruppen ein. [Vischer, L.: Kanon. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 20218]
So ist auch die Beschränkung auf die kanonischen Schriften begründet. [Riesenfeld, H.: Biblische Theologie und biblische Religionsgeschichte. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 4198]
So steht es schon in den kanonischen Texten unserer abendländischen Kultur. [Die Zeit, 18.10.2012, Nr. 41]
Kanonisch wurde der Geschmack eines Stücks Gebäck, aufgeweicht in Tee. [Die Zeit, 15.12.1989, Nr. 51]
Zitationshilfe
„kanonisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kanonisch>.

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