Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

karren

Grammatik Verb · karrt, karrte, hat/ist gekarrt
Aussprache 
Worttrennung kar-ren
Wortbildung  mit ›karren‹ als Letztglied: abkarren · ankarren · herankarren · hinabkarren · hinauskarren · hinunterkarren · wegkarren
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. mit einer Karre, einem Karren befördern
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Erde, Steine, Mist, Kohlen karren
wir haben die Säcke in den Schuppen gekarrt
Dünger und Sand auf Beete und Wege zu karren [ KügelgenJugenderinnerungen258]
saloppUnter den Fenstern der Universität zogen Ersatzbataillone vorbei, karrten sie Tag und Nacht Munition nach dem Osten [ MoloEin Deutscher70]
2.
salopp mit einem Gefährt fahren
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
so karrten wir langsam als Gefangene durch die Straßen [ KügelgenJugenderinnerungen276]
Es war … anstrengend, in den überfüllten Zügen oder auf Lastautos durchs Land zu karren [ A. ZweigEinsetzung95]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Karre · Karren · Karch · karren · karriolen · Kärrner
Karre f. (besonders md. und nordd.), Karren m. (besonders südd. und öst.) ‘einfaches, ein- bis vierrädriges Gefährt (zum Schieben oder Ziehen von Lasten)’, umgangssprachlich abschätzig ‘(altes) Fahrzeug’, ahd. karro m., karra f. (10. Jh.), mhd. karre f., karre(n) m., mnd. karre f., mnl. carre, kerre, nl. kar sind Entlehnungen aus lat. carrus bzw. mlat. carrus, carra ‘eine Art vierrädriger Transportwagen’, das aus gall. carros (aus *k̑ṛsos) latinisiert und mit lat. currus ‘Wagen’, Verbalnomen zu lat. currere (cursum) ‘laufen, rennen, eilen’, verwandt ist. Eine Nebenform zu Karre ist das heute vorwiegend noch im Südwestd. übliche Karch m. ‘zweirädriger Wagen’, ahd. karruh (9. Jh.), mhd. karrech, karrich, entlehnt aus lat. car(r)ūca, car(r)ūcha ‘Reisewagen, Staatskarosse (in der Kaiserzeit)’, mlat. ‘(meist zweirädriges) Gefährt, Räderpflug’. Vgl. Frings/M. Germania Romana 2 (1968) 94 ff. karren Vb. ‘mit einer Karre, einem Karren befördern’ (um 1500). karriolen Vb. auch (besonders nd.) karjolen ‘schnell umherfahren, herumkutschieren’ (18. Jh.), Ableitung von heute unüblichem, um 1700 aus gleichbed. frz. carriole entlehntem Karriol n., Karriole f. ‘zweirädriger leichter Kutschwagen’; dem frz. Substantiv geht aprov. carriola ‘kleiner zweirädriger Wagen’, Deminutivum zu aprov. carri ‘leichte Kutsche’, voraus, das wiederum über vlat. *carrium auf lat. carrus (s. oben) zurückgeht. Kärrner m. Das heute seltene, von Karren abgeleitete Substantiv bedeutet ursprünglich ‘Fuhrmann’, dann ‘mit einem Karren umherziehender Hausierer’, auch ‘Karrenschieber’, schließlich ‘harte körperliche Arbeit verrichtender Tagelöhner, Arbeiter’ (um 1500); heute vor allem in den Zusammensetzungen Kärrnerarbeit ‘harte, wenig geachtete Arbeit’, Kärrnerdienst ‘untergeordneter Dienst’.

Thesaurus

Synonymgruppe
befördern · bringen · fahren · schaffen · transportieren · verfrachten · überführen  ●  verbringen  Amtsdeutsch · expedieren  geh., scherzhaft-ironisch, bildungssprachlich · karren  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›karren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›karren‹.

Verwendungsbeispiele für ›karren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Wagen, die sie fortgebracht hatten, karrten sie auch wieder nach Hause, zu der gleichen Stelle oberhalb der Siedlung. [Lenz, Siegfried: Heimatmuseum, Hamburg: Hoffmann und Campe 1978, S. 398]
Schubkarrenweise hätten die Banken damals Geld in sein Unternehmen gekarrt. [Die Welt, 03.11.2004]
Strahlend karrt ein junger Mann ein sehr grünes Sofa zu seinem Auto. [Die Welt, 22.03.2002]
Tagelang haben er und seine Helfer schubkarrenweise die Pflanzen aus dem Feld gekarrt. [Süddeutsche Zeitung, 01.08.2001]
Er verstehe nicht, wie man sich als Autor vor solch einen parteipolitischen Karren spannen lassen könne. [Die Welt, 29.11.1999]
Zitationshilfe
„karren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/karren>.

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