karriolen

GrammatikVerb · karriolte, ist karriolt
Worttrennungkar-ri-olen · kar-rio-len (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›karriolen‹ als Letztglied: ↗ankarriolen · ↗herumkarriolen · ↗umherkarriolen
eWDG, 1969

Bedeutung

landschaftlich, umgangssprachlich unsinnig und schnell fahren, umherfahren
Beispiel:
dann karriolte er mit dem Wagen immer um den Dorfplatz [WelkHeiden267]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Karre · Karren · Karch · karren · karriolen · Kärrner
Karre f. (besonders md. und nordd.), Karren m. (besonders südd. und öst.) ‘einfaches, ein- bis vierrädriges Gefährt (zum Schieben oder Ziehen von Lasten)’, umgangssprachlich abschätzig ‘(altes) Fahrzeug’, ahd. karro m., karra f. (10. Jh.), mhd. karre f., karre(n) m., mnd. karre f., mnl. carre, kerre, nl. kar sind Entlehnungen aus lat. carrus bzw. mlat. carrus, carra ‘eine Art vierrädriger Transportwagen’, das aus gall. carros (aus *k̑ṛsos) latinisiert und mit lat. currus ‘Wagen’, Verbalnomen zu lat. currere (cursum) ‘laufen, rennen, eilen’, verwandt ist. Eine Nebenform zu Karre ist das heute vorwiegend noch im Südwestd. übliche Karch m. ‘zweirädriger Wagen’, ahd. karruh (9. Jh.), mhd. karrech, karrich, entlehnt aus lat. car(r)ūca, car(r)ūcha ‘Reisewagen, Staatskarosse (in der Kaiserzeit)’, mlat. ‘(meist zweirädriges) Gefährt, Räderpflug’. Vgl. Frings/M. Germania Romana 2 (1968) 94 ff. karren Vb. ‘mit einer Karre, einem Karren befördern’ (um 1500). karriolen Vb. auch (besonders nd.) karjolen ‘schnell umherfahren, herumkutschieren’ (18. Jh.), Ableitung von heute unüblichem, um 1700 aus gleichbed. frz. carriole entlehntem Karriol n., Karriole f. ‘zweirädriger leichter Kutschwagen’; dem frz. Substantiv geht aprov. carriola ‘kleiner zweirädriger Wagen’, Deminutivum zu aprov. carri ‘leichte Kutsche’, voraus, das wiederum über vlat. *carrium auf lat. carrus (s. oben) zurückgeht. Kärrner m. Das heute seltene, von Karren abgeleitete Substantiv bedeutet ursprünglich ‘Fuhrmann’, dann ‘mit einem Karren umherziehender Hausierer’, auch ‘Karrenschieber’, schließlich ‘harte körperliche Arbeit verrichtender Tagelöhner, Arbeiter’ (um 1500); heute vor allem in den Zusammensetzungen Kärrnerarbeit ‘harte, wenig geachtete Arbeit’, Kärrnerdienst ‘untergeordneter Dienst’.

Thesaurus

Synonymgruppe
herumfahren  ●  ↗herumkutschieren  variabel · (ziellos) durch die Lande juckeln  ugs., variabel · ↗cruisen  ugs. · herumgurken  ugs. · karriolen  ugs.
Synonymgruppe
mit der Briefpost fahren  ●  karriolen  veraltet

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Damals wußte noch niemand, wohin der Karren einmal karriolen würde.
Die Zeit, 01.07.1988, Nr. 27
In scharfem Tempo karriolt er durch dunkle Container-Schluchten und Blechgebirge.
Der Tagesspiegel, 23.03.2003
Sie griffen die Braut, hievten sie auf eine Zugmaschine und karriolten durchs Dorf.
Die Zeit, 24.06.1999, Nr. 26
Clement karriolte wieder einmal für die Schaffung von Lehrstellen im Bus durchs Land.
Süddeutsche Zeitung, 26.02.2000
Der Silberfasan, erkennbar an seinen roten Gesichtslappen, karriolt durch so manchen Bambushain in Südchina und Vietnam.
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2001
Zitationshilfe
„karriolen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/karriolen>, abgerufen am 15.11.2019.

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