kartätschen

Grammatik Verb · kartätscht, kartätschte, hat kartätscht
Aussprache  [kaʁˈtɛːʧn̩]
Worttrennung kar-tät-schen
GrundformKartätsche
Wortbildung  mit ›kartätschen‹ als Letztglied: niederkartätschen · zusammenkartätschen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [historisch] ⟨jmd. kartätscht (jmdn., etw.)⟩ mit der Kartätsche schießen
  2. 2. [selten] [Bauwesen] ⟨jmd. kartätscht etw.⟩ den Putz mit der Kartätsche verreiben
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
historisch jmd. kartätscht (jmdn., etw.)mit der Kartätsche (1) schießen
Beispiele:
Daß sie [zwei britische Generale] ihre Truppen nicht aufeinander hetzten, lag nur an dem konfusen General Raglan, der allerdings soff wie ein Loch, darum des öfteren Freund und Feind verwechselte und schon mal die eigenen Leute kartätschen ließ. [konkret, 2000 [1999]]
Darum konnte der Genfer General Dufour im Sonderbundskrieg die konservative Innerschweiz mit barmherziger Umsicht und fast unblutig in die Knie kartätschen, um dem Bundesstaat von 1848 den Weg zu ebnen. [Die Zeit, 12.07.2012]
allgemeiner Viel mehr Bausubstanz aus jenen Tagen ist in Krosno Odrzanskie nicht erhalten geblieben; in den letzten Kriegsmonaten wurde hier, wo sich Oder und Bobermündung zu einer Gabel formieren, heftig gekämpft und große Teile der einst schönen Stadt am Fluss wurden in Grund und Boden kartätscht. [Der Tagesspiegel, 09.10.2011]
Die Weißen nannten sich »Vertreter der Ordnung«, und die Sache wurde so geordnet, daß drauf losgeprügelt, erschossen und kartätscht wurde – nach der Besetzung! nach der Gefangennahme der Leute! nachher! –, es war eine Lust zu leben. [Die Weltbühne, 01.03.1932]
übertragenEs gibt zu wenige Häuser auf den Inseln, solche Mieten kann sich hier keiner leisten, sagen sie. Doch die Scillys gehören dem Herzogtum Cornwall, und das kartätscht dem Prinzen [Charles] nicht in dessen royale Preispolitik. [Welt am Sonntag, 25.08.2013]
2.
selten, Bauwesen jmd. kartätscht etw.den Putz mit der Kartätsche (2) verreiben
Beispiele:
Der obere Bewurf wird kartätscht, gefilzt und mit Eisenkellen geglättet, worauf der Putz durch auf 45 °C erwärmte Gußstahlkellen seinen Glanz erhält. [Stuccaturarbeit, aufgerufen am 24.04.2021]
bildlich Wenn der »Millennium Falke«, dieses Auster‑förmige Lieblingsraumschiff aller »Star Wars«‑Fans, zum ersten Mal abhebt, zunächst gefährlich kippt und auf der Kante tänzelt, noch einmal breit in den Sand kartätscht, bevor er mit seinen gletscherbonbonblauen Triebwerken durchstartet, ist man ergriffen. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 17.12.2015]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kartätsche · kartätschen
Kartätsche f. (ehemals) ‘mit Bleikugeln gefülltes dünnwandiges Artilleriegeschoß’, Anfang des 17. Jhs. entlehnt aus engl. (älter) cartage, cartrage (heute cartridge) ‘Patrone, Geschoßhülse’, das als Variante zu (allerdings erst später bezeugtem) gleichbed. engl. cartouche (aus dem Frz., s. Kartusche) anzusehen ist. Dazu kartätschen Vb. ‘mit Kartätschen schießen’ (um 1800).
Zitationshilfe
„kartätschen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kart%C3%A4tschen>.

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