kasteien

Grammatik Verb · kasteit, kasteite, hat kasteit
Aussprache 
Worttrennung kas-tei-en
Herkunft aus castīgārelat ‘zurechtweisen, rügen, züchtigen, strafen’ < castuslat ‘enthaltsam, moralisch rein, keusch’
eWDG

Bedeutung

Religion sich durch körperliche Schmerzen oder Entbehrungen züchtigen, innerlich läutern
Beispiel:
der Mönch kasteite sich, seinen Körper durch strenges Fasten, mit einer Geißel
übertragen sich freiwillig Entbehrungen auferlegen, asketisch, enthaltsam leben
Beispiele:
Er schwankte im Stehen, obwohl er sich seit jener Nacht, was den Whisky anbetrifft, streng kasteit hatte [ WerfelVeruntreuter Himmel80]
Bracke kasteite sich: er legte sich des Nachts … draußen in den Schnee [ KlabundBracke37]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kasteien Vb. (meist reflexiv) ‘sich als religiöse Bußübung körperliche Schmerzen zufügen, Entbehrungen auferlegen’, übertragen ‘aus einem bestimmten Grunde strenge Selbstzucht üben, enthaltsam leben’. Ahd. kestigōn (8. Jh.), mhd. kestigen ‘sich aus religiöser Überzeugung züchtigen, quälen, büßen lassen, strafen’ ist entlehnt aus lat. castīgāre ‘zurechtweisen, rügen, züchtigen, strafen’, eigentlich ‘zu einer moralischen, keuschen Lebensweise anhalten’, zu lat. castus ‘enthaltsam, moralisch rein, keusch’ (s. Kaste und Inzest); die religiöse Bedeutung entwickelt sich im Kirchenlat. des 5. Jhs. Neben umgelautetem mhd. kestigen steht md. und niederrhein. kastīgen, das lautgerecht (über casteyen, Luther) zu nhd. kasteien führt.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) Entbehrungen auferlegen · (sich) kasteien

Typische Verbindungen zu ›kasteien‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kasteien‹.

Verwendungsbeispiele für ›kasteien‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er muss sich selbst kasteien, dann kann er lange durchhalten. [Die Zeit, 25.08.1999, Nr. 34]
Die sollen sich aber selbst kasteien, das braucht man doch nicht der ganzen Bevölkerung aufzuerlegen. [Die Zeit, 12.02.1990, Nr. 07]
Fatal zu wissen, daß ich viel mehr Zeit am Tage zur Verfügung hätte, würde ich mich nicht in dieser Weise kasteien. [Süddeutsche Zeitung, 27.04.1996]
Die Stadtfrauen sind im Schnitt schlanker, kasteien wollen sich beide Typen nicht. [Die Welt, 12.10.2002]
Wenn jemand keine Lust auf Sport hat, muss er oder sie sich nicht mit Marathon oder Triathlon kasteien. [Die Zeit, 12.06.2012, Nr. 11]
Zitationshilfe
„kasteien“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kasteien>.

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