kauen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungkau-en (computergeneriert)
Wortbildung mit ›kauen‹ als Erstglied: ↗Kaubeschwerden · ↗Kaubewegung · ↗Kaugummi · ↗Kaumuskel · ↗Kautabak · ↗Kautablette · ↗Kauwerkzeuge · ↗kaubar
 ·  mit ›kauen‹ als Letztglied: ↗abkauen · ↗ankauen · ↗aufkauen · ↗auskauen · ↗durchkauen · ↗herumkauen · ↗hinterkauen · ↗vorkauen · ↗wiederkäuen
 ·  mit ›kauen‹ als Grundform: ↗zerkauen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Nahrung mit den Zähnen durch die Bewegungen des Unterkiefers zerkleinern
Beispiele:
mit vollen Backen kauen
die Nahrung gründlich kauen
sein Brot, Essen kauen
sprichwörtlich gut gekaut ist halb verdaut
bildlich
Beispiel:
den Wein kauen (= den Wein sehr genau unter Kaubewegungen auf seinen Geschmack hin prüfen)
übertragen
Beispiele:
die Worte zwischen den Zähnen kauen (= langsam und undeutlich sprechen)
umgangssprachlich daran soll er kauen! (= das soll ihm zu schaffen machen!)
umgangssprachlich an einer Aufgabe, einem Problem zu kauen haben (= damit Mühe, Schwierigkeiten haben)
2.
(an) etw. kauenan etw. nagen, etw. abbeißen
Beispiele:
an den (Finger)nägeln, die (Finger)nägel kauen
an den Lippen, an den Enden seines Schnurrbarts, am Bleistift kauen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kauen · wiederkäuen · Wiederkäuer · Kautabak · Kaugummi
kauen Vb. ‘mit den Zähnen zerkleinern, malmen’. Die ältesten Formen des ursprünglich stark flektierten germ. Verbs sind ahd. kiuwan (8. Jh.), mhd. kiuwen, kiun, aengl. cēowan und (mit Anlautveränderung durch Dissimilation oder unter Einfluß von bedeutungsähnlichem anord. tǫgla ‘kauen, nagen’) anord. tyggja, tyggva. Neben mhd. kiuwen, das in nhd. käuen bis ins 18. Jh. lebendig bleibt, findet sich im 14. Jh. die für die heute übliche Lautgestalt vorauszusetzende Variante mhd. (md.) kūwen, die bereits (ebenso wie mnd. kouwen, mnl. cauwen, nl. kauwen, engl. to chew, schwed. tugga ‘kauen’) dem Paradigma der schwachen Verben folgt. Der Übergang zur schwachen Flexion ist bei frühnhd. käuen, kauen im 16. Jh. allgemein vollzogen. Der Vergleich mit außergerm. Entsprechungen wie serb.-kslaw. žьvati, russ. ževát’ (жевать) ‘kauen’, lit. žiáunos (Plur.) ‘Kiefer, Kiemen’, pers. ǰāvīdan ‘kauen’ führt auf die Wurzel ie. *g(i̯)eu-, *g̑(i̯)eu- ‘kauen’. Die Form käuen ist im Nhd. bis zur Gegenwart erhalten in wiederkäuen Vb. ‘nochmals kauen’ (bezogen auf bestimmte Paarhufer). Das seit dem 15. Jh. belegte Kompositum ersetzt nicht mehr verstandenes (und nur mannigfaltig entstellt in den Mundarten fortlebendes) gleichbed. ahd. itarucken (9. Jh.), mhd. it(e)rücken, aus ahd. it(a)- ‘wieder’ und germ. *rukjan ‘sich erbrechen, rülpsen’, vgl. lat. ērūgere ‘ausrülpsen’, ructāre ‘rülpsen, ausspeien’, russ. rygát’ (рыгать) ‘rülpsen, wiederkäuen’. Wiederkäuer m. ‘wiederkäuender Paarhufer’, als Nomen agentis vereinzelt schon im 16. Jh. (bei Fischart) gebildet, tritt in den 20er Jahren des 19. Jhs. an die Stelle des älteren zoologischen Fachausdrucks wiederkäuendes Tier (17. Jh.). Kautabak m. (2. Hälfte 19. Jh.), nach engl. chewing-tobacco (1835); vgl. die bereits im 18. Jh. vorkommende Fügung Tabak kauen. Kaugummi m. (20er Jahre 20. Jh.), nach amerik.-engl. chewing gum (1864).

Thesaurus

Synonymgruppe
beißen · kauen
Assoziationen
Synonymgruppe
abnagen · kauen · ↗nagen  ●  ↗fletschern  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Back Betelnuß Bissen Bleistift Brillenbügel Fingernagel Grashalm Kaugummi Kokablatt Nagel Sonnenblumenkern Unterlippe Zahnstocher abkauen bedächtig durchkauen gelangweilt genüßlich herum herumkauen kauen lutschen rumkauen schlucken schlürfen schmatzen unentwegt verdauen vorkauen weiterkauen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kauen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn einem alle Zähne gezogen worden waren, würde man bis an sein Ende nie mehr mit eigenen Zähnen kauen.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 216
Ein kleines Mädchen auf dem Arm eines Mannes, den Kopf verbunden, kaut an einem Stück Brot.
Die Welt, 04.09.2004
Ein Korb von einer Frau, daran hat mancher Mann zu kauen.
Der Tagesspiegel, 06.06.2000
Er frühstückte hastig, unachtsam, große Brocken in den Mund schiebend, heftig kauend.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 47
Der Hans saß ruhig beim Tisch, er löffelte und kaute.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 28
Zitationshilfe
„kauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kauen>, abgerufen am 19.10.2019.

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