kaum

GrammatikAdverb
Aussprache
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
fast gar nicht, so gut wie nicht
Beispiele:
etw. kaum hören, sehen, merken, fühlen
er sagt kaum etwas
das ist kaum zu glauben
das Fahrrad ist kaum noch zu gebrauchen
das spielt kaum eine Rolle
ich habe ihn kaum gekannt
ich kann es kaum erwarten, dass er kommt
er benötigte für die Strecke kaum mehr als zehn Sekunden
die Mauer ist kaum höher als drei Meter
sie ist kaum älter als zwanzig Jahre
sie ist kaum zehn Jahre alt (= ist noch nicht ganz oder gerade zehn Jahre alt)
2.
in Verbindung mit »da«, »so«, »als«
bezeichnet einen Zeitpunkt, der einem anderen unmittelbar vorhergeht   in dem Moment; gerade
siehe auch kaum (Lesart 3 a)
Beispiele:
kaum hatte sie ihn erblickt, (da) rannte sie auf ihn zu
kaum war er heimgekehrt, (so) erschien schon die Polizei
er hatte sich kaum hingelegt, als er auch schon einschlief
Kaum war der Vater tot, so kömmt ein jeder / Mit seinem Ring' [LessingNathanIII 7]
seine Liktoren standen noch kaum um ihn, als er schon ... den Kurator des Jupitertempels zu holen befahl [BrechtCaesar192]
Doch dem war kaum das Wort entfahren, / Möcht' er's im Busen gern bewahren [SchillerKraniche]
3.
in konjunktionaler Verwendung
kaum dass
a)
leitet einen Temporalsatz ein
in dem Moment, als; gerade, als
siehe auch kaum (Lesart 2)
Beispiel:
kaum dass er heimgekehrt war, erschien schon die Polizei
b)
leitet einen Modalsatz ein
siehe auch kaum (Lesart 4)
Beispiele:
das Haus brannte lichterloh, kaum dass wir aus den Betten gekommen sind
es war dunkel, kaum dass man die Umrisse wahrnehmen konnte
4.
mit Mühe, knapper Not, eben noch
siehe auch kaum (Lesart 3 b)
Beispiele:
das Haus brannte lichterloh, wir sind kaum aus den Betten gekommen
er hat den Zug kaum noch erreicht
ich bin kaum fertig geworden
5.
schwerlich
Beispiele:
»Ob wir heute noch fertig werden?« »Kaum«
er wird heute kaum noch kommen
wir hätten uns dort kaum zurechtgefunden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kaum Adv. ‘fast nicht, nur mit Mühe, gerade noch’, auf Zeitverhältnisse bezogen ‘fast im gleichen Augenblick, eben erst’. Das Adverb ahd. kūmo (9. Jh.), mhd. kūm(e), frühnhd. kaum (auch erweitert kaumet, kaumend, 16. Jh.), mnd. kūme, mnl. cūme, dessen adjektivische Form in mnd. kǖme, nd. küm ‘schwach, hinfällig, kränklich’, aengl. cȳme ‘fein, lieblich, herrlich’ vorliegt (mhd. kūme ‘schwach, gebrechlich’ ist nur vereinzelt bezeugt), steht neben Bildungen wie ahd. kūmīg ‘krank, schwach, kraftlos’, kūma, kūmida, kūmunga ‘Klage’, kūmen, kūmōn ‘klagen, trauern’ (alle 9. Jh.), mhd. kūmen ‘trauern, wehklagen, sich ängstlich bemühen’, asächs. kūmian ‘beklagen’, nl. (landschaftlich) kuimen ‘schwach sein, klagen’. Die Gruppe gehört wahrscheinlich wie ↗Kauz und ↗Köter (s. d.) zu einer schallnachahmenden Wurzel ie. *gō̌u-, *gū- ‘rufen, schreien’, die auch für ahd. gikewen ‘nennen, heißen’ (9. Jh.), aengl. cīegan ‘rufen, nennen’ sowie aind. jṓguvē ‘lasse ertönen, preise’, griech. goā́n (γοᾶν) ‘jammern, klagen’, lit. gaũsti ‘dumpf dröhnen’, aslaw. govoriti ‘lärmen’, russ. govorit’ (говорить) ‘sprechen’ vorausgesetzt wird. Im Dt. entwickelt sich die Bedeutung also von ‘kläglich, kränklich, schwach’ zu ‘nur mit Mühe’ und ‘fast nicht’ (mhd. und mnd. auch ironisch für ‘gar nicht’); vgl. das semantisch entsprechende Verhältnis von lat. aegrē Adv. ‘nur mit Mühe, kaum’ zu lat. aeger Adj. ‘krank, verdrießlich’. Temporaler Gebrauch kommt im Frühnhd. und Mnd. auf; ebenfalls zuerst frühnhd. findet sich partikelhafte Verwendung von kaum als subjektive Stellungnahme des Sprechers zu einer Aussage (‘schwerlich, meiner Meinung nach nicht’). Die Verbindung kaum daß in konjunktionaler Funktion wird erst in jüngerer Zeit üblich.

Thesaurus

Synonymgruppe
bescheiden (Summe, Lohn) · ↗gering · kaum · ↗klein · ↗marginal · ↗unbedeutend · von geringem Umfang · ↗wenig · ↗winzig  ●  ↗dünn  ugs. · ↗mickerig  ugs. · ↗mickrig  ugs. · ↗überschaubar  ugs., ironisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
einzelne Male · ↗gelegentlich · im Einzelfall · in einzelnen Fällen · kaum · kaum mehr · kaum noch · nicht oft · ↗punktuell · ↗rar · ↗wenig · wenige Male  ●  ↗selten  Hauptform · (sowas hat man) nicht alle Tage  ugs., variabel
Oberbegriffe
  • beschreibend (negativ)
Assoziationen
  • (es) kommt durchaus vor · ↗(etwas kann) durchaus · Gelegenheits... · ab und an · ab und zu · ↗bisweilen · des Öfteren · des Öftern · ↗fallweise · ↗gelegentlich · hin und wieder · ↗mitunter · ↗okkasionell · schonmal · ↗sporadisch · ↗stellenweise · ↗streckenweise · ↗unregelmäßig · ↗vereinzelt · ↗verschiedentlich · von Zeit zu Zeit · ↗zeitweilig · ↗zeitweise · ↗zuweilen · ↗zuzeiten  ●  ↗gerne  ironisch · ↗manchmal  Hauptform · dann und wann  ugs. · hie und da  ugs. · hier und da  ugs. · nicht immer, aber immer öfter  ugs., scherzhaft · schon mal  ugs. · ↗öfters  ugs.
  • (eine) Ausnahme darstellen · Seltenheitswert haben · ↗dünn gesät · ↗dünngesät · rar gesät · ↗selten  ●  (sich etwas) rot im Kalender anstreichen (können)  ugs., fig., variabel
  • alle Jubeljahre (mal) · alle paar Jubeljahre · extrem selten · fast nie · höchst selten · kaum einmal · nur ausnahmsweise (einmal) · praktisch nie · ↗punktuell · so gut wie nie · überaus selten  ●  einmal in hundert Jahren  übertreibend · sehr selten  Hauptform, variabel · höchst gelegentlich  geh. · kaum mal  ugs.
  • man sieht ihn / sie hier selten · selten erscheinen · selten zu sehen sein  ●  (ein) seltener Gast sein  ironisierend · nur jedes dritte Mal kommen  variabel · selten kommen  Hauptform · (sich) rarmachen  ugs. · nur gelegentlich aufkreuzen  ugs. · selten auftauchen  ugs.
  • (nur) dieses eine Mal · aufgrund der außerordentlichen Umstände · außer der Reihe · im Gegensatz zu sonst · ↗ungeplant · unplanmäßig · unüblicherweise  ●  ↗ausnahmsweise  Hauptform · (nur) weil du es bist  ugs.
  • (nur) sehr vereinzelt · extrem wenige · ganz vereinzelt · höchst selten
  • der eine oder andere · ein paar verlorene · ein paar versprengte · einige wenige · sehr wenige  ●  eine Handvoll  fig. · einzelne  Hauptform · wenige  Hauptform · ganz wenige  ugs. · zwei (oder) drei  ugs.
Synonymgruppe
annähernd · ↗beinahe · ↗fast · ↗haarscharf · kaum · ↗knapp · ↗nahezu · so gut wie · ↗soeben · soeben noch  ●  auf Kante genäht  ugs. · ↗bald  ugs. · fünf vor zwölf  ugs. · gerade noch  ugs. · kurz vor knapp  ugs. · um ein Haar  ugs.
Assoziationen
  • (die) Zeit drängt · (es ist) allerhöchste Zeit · (es ist) an der Zeit · (es ist) fünf vor zwölf · bedrohlich nahekommen (Termin) · ↗brandeilig · ↗dringend · ↗eilig · es bleibt wenig Zeit · in engem Zeitrahmen zu erledigen · ↗pressant · ↗vordringlich · ↗vorrangig  ●  (es ist) 5 vor 12  fig. · (es ist) allerhöchste Eisenbahn  ugs. · Eile (ist) geboten  geh. · höchste Eisenbahn  ugs. · höchste Zeit  ugs. · ↗zeitkritisch  ugs.
  • (jetzt ist) der richtige Zeitpunkt · (jetzt wäre) der richtige Zeitpunkt · an der Zeit sein zu (...) · an der Zeit sein, dass (...)  ●  Zeit zu (...)  ugs.
  • (zeitlich) knapp · im letzten Augenblick · im letzten Moment  ●  in der letzten Sekunde  auch figurativ · in letzter Sekunde  auch figurativ · auf den letzten Drücker  ugs. · kurz vor knapp  ugs.
  • (das ist) gerade nochmal gutgegangen · das war (denkbar) knapp · es hätte nicht viel gefehlt, und (...)  ●  um Haaresbreite  fig. · um ein Haar  fig.
Synonymgruppe
eher nicht · eher weniger · kaum · ↗schlecht · ↗schwerlich · vermutlich kaum · vermutlich nicht · wahrscheinlich kaum · wahrscheinlich nicht · wohl kaum · wohl nicht  ●  nicht so gut  ugs. · nicht so richtig  ugs. · nicht wirklich  ugs., ironisierend
Assoziationen
  • (daran ist) nicht zu denken · absolut nicht · alles andere als · auf (gar) keinen Fall · auf keinem Wege · bei weitem nicht · durchaus nicht · egal, wie man es betrachtet, nicht · ganz und gar nicht · ganz und gar unmöglich · gar nicht · in keiner Beziehung · in keiner Weise · in keinerlei Hinsicht · in keinster Weise · jetzt nicht und überhaupt niemals · kein bisschen · ↗keinesfalls · ↗keineswegs · ↗mitnichten · nicht im Entferntesten · nicht im Geringsten · nicht im Mindesten · nicht um ein Haar · nicht und niemals · partout nicht · um kein Haar · unter keinen Umständen · völlig ausgeschlossen · wie auch immer nicht · überhaupt nicht  ●  ↗nicht  Hauptform · hinten und vorne nicht  ugs. · i wo!  ugs., veraltend · mitnichten und mit Neffen  ugs., scherzhaft
Synonymgruppe
Mangelware · kaum · ↗knapp · ↗rar · sehr wenig · ↗selten
Assoziationen
Synonymgruppe
denkbar knapp · gerade eben · gerade mal · gerade noch · kaum · keine (+ Zahl) · ↗knapp · nicht mal · nicht mehr als · sehr knapp  ●  ↗hauchdünn  fig. · ↗nur (vor Zahl)  Hauptform · grad mal  ugs. · grade mal  ugs. · so gerade eben (noch)  ugs.
Assoziationen
  • (nur) mit Schwierigkeiten · (nur) mit größter Anstrengung · mit Hängen und Würgen · mit Müh und Not · mit Mühe und Not · mit knapper Not · mit letzter Kraft · mit viel Mühe · nach langem Bemühen · nach mehrfachen Anläufen · schlecht und recht · unter Aufbietung aller Kräfte · unter Aufbietung der letzten Reserven · unter Schwierigkeiten · unter größten Anstrengungen  ●  mehr schlecht als recht  ugs. · mit Ach und Krach  ugs. · so gerade eben  ugs.
  • annähernd · ↗bald · ↗beinahe · etwas weniger (als) · ↗knapp · nicht ganz  ●  ↗fast  Hauptform · (wohl) an die (vor Zahlwörtern)  ugs. · ein bisschen weniger (als)  ugs. · ↗nahezu  geh. · so ziemlich  ugs.
  • knapp überleben · noch einmal mit dem Leben davonkommen · reanimiert werden · von den Toten auferstehen  ●  dem Tod ein Schnippchen schlagen  fig. · dem Tod von der Schippe springen  fig. · wieder auferstehen (von den Toten)  biblisch · beinahe draufgehen bei  derb, variabel
  • (das ist) gerade nochmal gutgegangen · das war (denkbar) knapp · es hätte nicht viel gefehlt, und (...)  ●  um Haaresbreite  fig. · um ein Haar  fig.
Synonymgruppe
Minuten nach · gleich nach · kaum (+ Partizip Perfekt) · kaum ... da · schon am Tag (des/der ...) · sofort nach · unmittelbar nach

Typische Verbindungen
computergeneriert

auffallen bekannt denkbar erkennen erwarten fassen finden geben glauben interessieren kennen lassen merklich möglich nachstehen nachvollziehbar sichtbar spüren trauen unterscheiden vergehen verstehen verwundern vorstellbar vorstellen wagen wahrnehmbar wiedererkennen ändern überbieten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kaum‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

KAUM ZU BREMSEN war in diesem noch jungen Jahr der hiesige Aktienmarkt.
Süddeutsche Zeitung, 29.01.1996
KAUM EINE BRANCHE verzeichnet so hohe Zuwachsraten wie die Kommunikations-Branche.
Süddeutsche Zeitung, 23.04.1994
Zitationshilfe
„kaum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kaum>, abgerufen am 19.03.2019.

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