Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

keck

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Wortbildung  mit ›keck‹ als Erstglied: kecklich

Bedeutungsübersicht+

  1. ohne jede Hemmung, Furcht
    1. a) dreist, respektlos
    2. b) kühn, verwegen
    3. c) [schweizerisch] munter, froh
eWDG

Bedeutung

ohne jede Hemmung, Furcht
a)
dreist, respektlos
Beispiele:
ein keckes Wort, Begehren
eine kecke Frage
ein kecker (= vorwitziger) Sonnenstrahl drang ins Zimmer
in keckem Ton antworten
etw. mit kecker Stirn behaupten
werdet nicht noch kecker!
keck auftreten, reden, lügen
jmdm. seine Meinung keck ins Gesicht sagen
Nein, das ist wirklich doch zu keck! [ NicolaiDie lustigen WeiberI 1]
und dann gingen ihre Blicke keck und herausfordernd über die andern Gäste hin [ Kellerm.Totentanz11]
b)
kühn, verwegen
Beispiele:
ein kecker Bursche, Feind
ein keckes Unternehmen, Wagnis
eine kecke Tat
der kecke Mut der Jugend
das war ein kecker Streich
keck handeln, vorgehen
die Jungen sprangen keck von der hohen Mauer
umgangssprachlichsag es nur keck (= frei) heraus!
salopp kess, flott
Beispiele:
ein keckes Bärtchen, Näschen
sie trägt ein keckes (= schickes) Hütchen
die Mütze keck aufs Ohr schieben, setzen
Auf ihrem … Haupte wippte keck eine Feder [ HartungWunderkinder158]
c)
schweizerisch munter, froh
Beispiele:
eine kecke Wanderfahrt
keckes jodeln
der Wanderer schritt keck aus
er … sang es [das Lied] in einem Zuge keck zu Ende [ G. Keller7,60]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

keck · Keckheit
keck Adj. ‘unbefangen, kühn, verwegen’, seit Ende des 15. Jhs. auch ‘dreist’, ahd. (um 1000), mhd. kec ist eine vom Alem. ausgehende und sich in der nhd. Literatursprache durchsetzende obd. Variante von ahd. quec (8. Jh.), mhd. quec, frühnhd. queck (mit Vokalveränderung durch Brechung) neben asächs. quik, mnd. nd. quick (s. quicklebendig), mnl. quic, nl. kwi(e)k, aengl. cwic, cuc(u), engl. quick, anord. kvikr, kykr, schwed. (vielleicht unter dt. Einfluß) kvick (den ursprünglichen Anlaut zeigen noch Quecke, Quecksilber, erquicken, verquicken, s. d.). Die Bedeutung des Adjektivs wandelt sich von ‘lebendig’ (ahd. asächs. aengl. anord., ebenso noch mhd. mnd. mnl.) zu ‘lebhaft, frisch, munter’ (mhd. frühnhd., mundartlich noch im Obd., ferner nd. nl. engl.) und im Dt. schließlich zu ‘mutig, kühn’ (zuerst mhd.); andere Entwicklungen führen zu ‘fest, gedrungen’ (spätmhd. und in obd. Mundarten) und ‘schnell, flink’ (nl. engl. schwed.). Die westgerm. und nordgerm. Formen (germ. *kwikwaz) unterscheiden sich durch zweifachen Guttural (Annahme eines g-Suffixes bereits für die ie. Vorstufe ist unsicher, vgl. aber landschaftliches lett. dzīga, dzīgot neben lett. dzīve ‘Leben’, dzīvot ‘leben’) von got. qius ‘lebendig’ (germ. *kwiwaz); dieses setzt zusammen mit air. beo ‘lebendig’ und griech. bíos (βίος) ‘Leben’ (falls aus ie. *gu̯iu̯os und nicht zweisilbiges Wurzelnomen, vgl. Frisk 1, 238; s. bio-) sowie mit den nur in der ursprünglichen Vokalquantität abweichenden Bildungen aind. jīvāḥ, lat. vīvus, lit. gývas, lett. dzīvs, aslaw. živъ, russ. živój (живой) ‘lebendig’ ie. *gu̯ī̌u̯o- fort, das (als Erweiterung zur Schwundstufe) zu einer Wurzel ie. *gu̯ei-, *gu̯ei̯ə- ‘leben’ gehört, die allen genannten germ. und außergerm. Formen zugrunde liegt und mit unterschiedlichen Ablautstufen auch in griech. hygiḗs (ὑγιής) ‘gesund’ (eigentlich ‘wohllebend’), zṓon (ζῷον) ‘Lebewesen, Tier’, lat. vīta ‘Leben’ auftritt. – Keckheit f. ‘Kühnheit, Dreistigkeit’, mhd. kecheit ‘frisches, mutiges Wesen’ (Ende 12. Jh.), vgl. früheres ahd. keckī (9. Jh.), queckī (11. Jh.) ‘Lebenskraft, Lebhaftigkeit’, mhd. quecke, kecke ‘frisches, mutiges Wesen, Tapferkeit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufreizend · flott · frech · herausfordernd · keck · kess · kokett · neckisch  ●  fesch  ugs., süddt.
Synonymgruppe
indiskret · taktlos · unverschämt · unvorsichtig  ●  keck  ugs.
Synonymgruppe
frech · keck · kess · locker-flockig · ohne falsche Scham · unbekümmert · ungeniert · ungezwungen · vorlaut · vorwitzig · zwanglos  ●  schamlos  fig. · locker vom Hocker  ugs. · schmerzfrei  ugs., fig.
Assoziationen
  • aufreizend · flott · frech · herausfordernd · keck · kess · kokett · neckisch  ●  fesch  ugs., süddt.
  • (jemandem) nicht peinlich sein · (jemandem) nicht unangenehm sein · (sich) nicht genieren · als wäre es die natürlichste Sache der Welt  ●  (es ist) nichts dabei  ugs. · ganz normal sein (für)  ugs. · kein Problem haben (mit)  ugs. · nichts dabei finden  ugs.
  • lax · leger · locker
Synonymgruppe
altklug · frühreif · keck · redet wie ein Alter · siebengescheit · vorlaut · weiß alles besser  ●  naseweis  veraltend · neunmalklug  veraltend · klugscheißerisch  derb · vorwitzig  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›keck‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›keck‹.

Verwendungsbeispiele für ›keck‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit seinen tief liegenden Augen musterte der Alte das kecke junge Ding. [Ury, Else: Nesthäkchen fliegt aus dem Nest, Stuttgart: K. Thienemanns 1997 [1920], S. 62]
Als man sie noch aufziehen konnte, schob sie sich mal keck nach links, nach rechts. [Die Zeit, 03.05.1996, Nr. 19]
Dies geschah in der kecken Überzeugung, dass "Rom" schon nachgeben werde. [Die Zeit, 25.09.2000, Nr. 39]
Wie war das früher keck, und wie sind die heute lahm. [Die Zeit, 04.12.1992, Nr. 50]
Die in durchsichtiger Absicht zu kecken Reden animierten Journalisten gehörten dem bürgerlichen wie dem sozialdemokratischen Lager an. [Die Zeit, 12.03.1953, Nr. 11]
Zitationshilfe
„keck“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/keck>.

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