kehrtmachen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungkehrt-ma-chen
Wortzerlegungkehren1machen
eWDG, 1969

Bedeutung

sich vollständig umwenden
Beispiele:
schnell, kurz entschlossen kehrtmachen
er machte auf der Treppe, auf halbem Wege kehrt
Militärdie ganze Abteilung machte kehrt
ohne noch ein Wort zu sagen, hatte er auf dem Absatz kehrtgemacht [R. BartschGeliebt245]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kehren1 · Kehre · kehrtmachen · Kehrreim · Kehrseite · einkehren · Einkehr · umkehren · Umkehr · Umkehrung
kehren1 Vb. ‘etw. in eine bestimmte, namentlich die entgegengesetzte Richtung drehen, wenden’, seit Beginn der Überlieferung außerdem in reflexivem und (wohl durch Ersparung eines Akkusativobjekts entstandenem, heute unüblichem) intransitivem Gebrauch ‘die Gegenrichtung einschlagen, sich umwenden’, ahd. kēren (9. Jh.), gikēren (8./9. Jh.), mhd. (ge)kēren ‘(um)wenden, eine Richtung geben, sich wenden’ (mhd. und frühnhd. auch allgemeiner ‘eine Richtung einschlagen, sich begeben’) hat nur im Kontinentalwestgerm. sichere Verwandte, vgl. asächs. kērian, mnd. (ge)kēren, aostnfrk. kēron, mnl. kēren, nl. keren, afries. kēra ‘kehren, wenden’. Bei Annahme eines grammatischen Wechsels germ. *kaisjan, *kaizjan lassen sich diese Formen mit anord. keisa ‘biegen, zusammenfalten’, isl. keisa ‘in die Höhe ragen, hochtragen’, schwed. kesa ‘durchgehen, fliehen’ verbinden, die auf einen Ansatz ie. *geis- zurückgeführt werden, der zu der nur in verschiedenen Erweiterungen nachzuweisenden Wurzel ie. *gei- ‘drehen, biegen’ (s. auch ↗keifen) gehört; vgl. Pokorny 1, 354 f. Dieser fragliche Zusammenhang muß jedoch aufgegeben werden, wenn man für ahd. kēren von germ. *kairjan ausgeht und dieses (wie Petersson in: PBB 44 (1920) 178 f.) mit armen. cir ‘Kreis’, osset. zilyn (зuлын) ‘herumdrehen’ vergleicht. Ebenso ist aengl. cerran (westsächs. cierran, cyrran) trotz semantischer Übereinstimmung von den anderen westgerm. Bildungen zu trennen, da es eine auch im Vokalismus abweichende Form germ. *karrjan oder *karzjan voraussetzt. Substantivische Ableitung vom Verb ist Kehre f. ‘scharfe Wegbiegung’, seit Jahn (1816) auch Fachwort des Turnens ‘Sprung oder Abschwung, bei dem der Rücken zum Gerät gewandt ist’, ahd. kēra ‘Wendung, Beugung, Krümmung’ (11. Jh.), mhd. mnd. kēr(e) ‘Richtung, Wendung’ (die einsilbige Form noch in Einkehr, Umkehr, s. unten, ↗Heimkehr, s. d.); daneben steht in älterer Zeit ein Maskulinum ahd. (um 1000), mhd. mnd. kēr, frühnhd. Kehr, mnl. nl. keer (s. ↗Verkehr). kehrtmachen Vb. ‘eine halbe Drehung vollführen, die Gegenrichtung einschlagen’, im 20. Jh. zusammengewachsen aus der Fügung kehrt machen (substantiviert auch Kehrt machen, Anfang 19. Jh.), enthält als ersten Bestandteil den Imperativ und militärischen Befehl kehrt! (vielleicht verkürzt aus kehrt euch!). Kehrreim m. ‘regelmäßig am Schluß jeder Liedstrophe sich wiederholender Textteil’. Das von Bürger (1793) eingeführte Ersatzwort für ↗Refrain (s. d.) ist eine Zusammensetzung mit ↗Reim (s. d.) in dessen früher geläufiger Bedeutung ‘Verszeile’. Kehrseite f. ‘Rückseite’, metaphorisch auch ‘das einer zunächst günstig erscheinenden Sache anhaftende Unangenehme’, in der 2. Hälfte des 18. Jhs. aufkommende und trotz Adelungs Kritik sich durchsetzende Verdeutschung von ↗Revers ‘Rückseite einer Münze’ (s. d.), nach gleichbed. nl. keerzijde (dieses 1729 erstmals nachweisbar). einkehren Vb. ‘in einer Gaststätte Rast machen’, ursprünglich überhaupt ‘sich (als Gast) hineinbegeben’, mhd. īnkēren ‘hineingehen, umkehren’, in der Sprache der Mystik auch spätmhd. īnkēren, frühnhd. einkehren, mnd. inkēren ‘in sich gehen, sich versenken’; dazu Einkehr f. ‘Selbstbesinnung’, älter auch ‘Rast, Herberge’, mhd. īnkēr(e) f. ‘Einzug, Insichgehen’; vgl. spätmhd. īnkēr m., mnd. inkēr m. ‘Insichgehen’. umkehren Vb. ‘umwenden, umdrehen, in die entgegengesetzte Lage bringen’, intransitiv ‘sich umwenden, den Rückweg antreten, anderen Sinnes werden’, ahd. umbikēren (9. Jh.), mhd. umbekēren, mnd. ummekēren; seit dem Frühnhd. findet sich das Part. Prät. umgekehrt in adjektivischer Verwendung ‘gegenteilig, entgegengesetzt’; Umkehr f. ‘das Umkehren, Zurückgehen’, übertragen ‘Sinneswandel’, mhd. umbekēr(e) f. ‘Umkehr, Umwendung’; vgl. ahd. umbikēr m. ‘Umkehrung, Umtauschung’ (um 1000), mnd. ummekār ‘Umkehr, Wendung’; Umkehrung f. ‘Veränderung ins Gegenteil’ (15. Jh., frühnhd. daneben ‘Zerstörung’). S. auch ↗bekehren, ↗verkehren.

Thesaurus

Synonymgruppe
in die entgegengesetzte Richtung gehen · kehrtmachen · ↗umkehren
Unterbegriffe
  • (sich) auf dem Absatz umdrehen · auf dem Absatz kehrtmachen · spontan umkehren

Typische Verbindungen zu ›kehrtmachen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Absatz lieb

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kehrtmachen‹.

Verwendungsbeispiele für ›kehrtmachen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als wir dann da sind, möchte ich am liebsten kehrtmachen.
Die Zeit, 30.06.2005, Nr. 27
Der bis ins Mark abergläubische Dichter soll auf der Stelle kehrtgemacht haben.
Die Welt, 27.03.1999
Wenn ich sie sah, pflegte ich schon von weitem kehrtzumachen.
Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 4982
Wir wissen nicht, wie viele Menschen vor der Tür kehrtgemacht haben, weil sie nicht bedient wurden.
Bild, 23.08.2001
An den Wendemarken seiner zielbewußten Laufbahn war es ihm, der auf den Stiefelabsätzen kehrtmachte, gelungen, alles Gras und die Gänseblümchen auszumerzen.
Grass, Günter: Die Blechtrommel, Darmstadt: Luchterhand 1959, S. 137
Zitationshilfe
„kehrtmachen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kehrtmachen>, abgerufen am 24.01.2020.

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