kein

GrammatikIndefinitpronomen
Aussprache
Wortbildung mit ›kein‹ als Erstglied: ↗keinerseits · ↗keinesfalls · ↗keinmal
eWDG, 1969

Bedeutung

dient der Verneinung
1.
adjektivisch verneint das Subst., wenn es mit unbestimmtem Artikel oder ohne Artikel gebraucht wird
a)
nicht ein
Beispiele:
kein Vogel sang
kein Mensch (= niemand) war auf der Straße
kein Wort kam von seinen Lippen
es besteht (gar) kein Grund zur Klage
kein Wort mehr!
kein Lebenszeichen von sich geben
keine Einwände gelten lassen
keine ruhige Minute, Stunde mehr haben
er hatte keinen (einzigen) Blick für die Schönheiten der Natur
keinen Finger für jmdn. rühren
kein Sterbenswörtchen verraten
keinen Fußbreit zurückweichen
keiner Menschenseele begegnen
jmdm. keine Schwierigkeiten machen
sich [Dativ] keine Gedanken, Illusionen machen
auf keinen Fall, um keinen Preis nachgeben
zu keinem Entschluss kommen
salopp da kräht kein Hahn mehr danach
salopp, derb kein Aas ließ sich sehen
salopp in keinster Weise (= ganz und gar nicht)
sprichwörtlich keine Eiche fällt von einem Streiche
sprichwörtlich gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen
b)
nichts an
Beispiele:
kein Geld, Talent haben
keine Ehre im Leib haben
keine Ruhe, kein Mitleid haben
keinen besonderen Wert auf etw. legen
keine Mühe scheuen
einer Sache keine Bedeutung beimessen
umgangssprachlich nur keine Angst!
c)
vor Zahlwörtern als Ersatz für »nicht«
umgangssprachlich
Beispiele:
es sind keine drei Wochen her
sie ist noch keine achtzehn Jahre alt
er hatte keine fünf Euro in der Tasche
keine zehn Pferde bringen mich hier fort
2.
substantivisch
niemand, nicht einer
Beispiele:
keiner sprach
keiner wird das glauben
ich weiß das zu schätzen wie keiner
keiner (von uns) hätte gedacht, dass ...
keiner ist dem andern gleich
sein Glück verdankt er keinem
ich kannte keinen
salopp uns [Dativ] kann keiner (= gegen uns kann niemand etwas machen)
diese oder keine!
ich will keins von beiden haben
sie suchte Veilchen, fand aber keins
Dies [Bild] brauch' ich, dies; sonst keins! [KleistKäthchenIII 12]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kein · keinerlei · keinesfalls · keineswegs
kein Indef.pron. das Vorhandensein einer Person oder Sache vollständig ausschließend, ‘nicht ein, nichts von’ in substantivischer Verwendung keiner ‘nicht einer, niemand’. Die älteste Zeit kennt ein verneinendes Pronomen ahd. nih(h)ein (9. Jh.), noh(h)ein (bereits 8. Jh.), dann auch neh(h)ein (um 1000), mhd. nehein und (mit verschobener Silbengrenze) nechein, nekein, schließlich (durch Austausch gegen die proklitische Form der vermeintlichen Negationspartikel) enhein, enkein. Dieses ahd. nihein, dessen Entsprechungen asächs. nigēn (neben seltenerem niēn, nēn), mnd. gēn, negēn, engēn (neben häufigerem nēn), mnl. gheen, negheen, engheen, nl. geen ein g aufweisen, das mit grammatischem Wechsel erklärt wird, setzt sich aus dem Zahlwort ahd. mhd. ein (s. ↗ein Num.) und einer im Ahd. nicht mehr sicher nachzuweisenden (s. aber ↗noch Konj.), jedoch in got. nih ‘und nicht, auch nicht’ (got. ni ‘nicht’, verbunden mit enklitischem -uh, -h ‘und’) erhaltenen germ. Konjunktion zusammen, die mit lat. neque, osk. nep übereinstimmt (ie. *nekue ‘und nicht’). Außerdem kann die Bedeutung ‘nicht ein’ durch verneinten Gebrauch von ahd. theh(h)ein, thoh(h)ein, auch thih(h)ein (alle 9. Jh.), mhd. dehein, dechein, dekein ‘irgendein’ umschrieben werden, dessen erstes Glied wahrscheinlich aus einer Kasusform (Lokativ oder Genitiv) vom Pronominalstamm ie. *te-, *to- (s. ↗der) und (hier nur verstärkendem?) enklitischem germ. -h (vgl. got. -(u)h, s. oben) besteht (Grienberger in: ZfdWf. 9 (1907) 74 ff.; Bech in: Studia Neophilologica 35 (1963) 211 ff.). Schwund der Negationspartikel (wie vielfach im Mhd. bei Sätzen mit doppelter Verneinung) läßt mhd. dehein selbst den Sinn ‘nicht ein, kein’ annehmen. Damit wird um 1200 der Untergang von mhd. nehein eingeleitet (letzte Zeugnisse für die Variante enkein im 16. Jh., ein landschaftlicher Rest ist schweiz. nekein), dehein (oft synkopiert dhein) kommt von nun an bis ins Frühnhd. in den beiden gegensätzlichen Gebrauchsweisen vor, ohne daß die Verständigung ernsthaft beeinträchtigt scheint. Die auf Verkürzung beruhende, mit dem Guttural anlautende moderne Form kein, mhd. kein, zuerst an der Wende zum Mhd. belegt (chein ‘irgendein’, 2. Hälfte 11. Jh.), wird Ende des 12. Jhs. üblich; sie zeigt im Mhd. (und noch bis ins 16. Jh.) dieselbe semantische Doppelheit ‘kein, irgendein’, was für ihre Herleitung teils aus mhd. nehein, teils aus mhd. dehein (über die vereinzelt bezeugte Zwischenstufe mhd. ichein?) sprechen könnte. Behaghel lehnt aber wegen der frühen Zurückdrängung von mhd. nehein sowie aus lautlichen Gründen Zusammenfall der beiden Pronomen ab und führt kein ausschließlich auf mhd. dehein zurück; vgl. Beihefte zur Zs. d. Allg. Dt. Sprachvereins 5. Reihe (1913) 180. Auf adverbiell gebrauchten Genitiven beruhen die Zusammenrückungen keinerlei Adv. ‘keine Art von, in keiner Weise’ (schon mhd.?; nachweisbar ist erst spätmhd. keinerleie, 14. Jh., frühnhd. keinerlei, deheinerlei, auch noch in der Bedeutung ‘irgendwelcher Art’), meist bei einem Substantiv und dann wie ein flexionsloses Adjektiv aufgefaßt (zur Bildung s. ↗-lei); keinesfalls Adv. ‘auf keinen Fall’ (1. Hälfte 19. Jh.), anfangs auch keinenfalls, vielleicht nach älterem allenfalls; keineswegs Adv. ‘durchaus nicht’, spätmhd. deheins wegs, deheinswegs, keins wägs (14. Jh.), frühnhd. kein(e)s wegs, vom 16. Jh. an kein(e)swegs (daneben noch bis ins 18. Jh. Getrenntschreibung); vgl. ferner gleichbed. frühnhd. in kein(en) weg.

Thesaurus

Synonymgruppe
kein · ↗keinerlei · nicht ein  ●  ↗null  ugs., jugendsprachlich
Assoziationen
  • kein bisschen · kein(en) Deut · kein(en) Funken · kein(en) Jota · kein(en) Millimeter · ↗keinerlei · nicht das kleinste Bisschen · nicht das kleinste bisschen · nicht ein bisschen · nicht ein(en) Millimeter  ●  kein Stück  ugs. · keine Spur  ugs. · nicht die Bohne  ugs. · nicht die Spur  ugs. · nicht für zwei Pfennige  ugs., veraltet, Redensart, fig.
  • kein Einziger · kein Mensch und keine Seele · keine Menschenseele · keine Sterbensseele · nicht eine · nicht einer · ↗niemand  ●  keiner  Hauptform · kein Aas  ugs. · kein Mensch  ugs. · kein Schwanz  derb · kein Schwein  derb · keine Sau  derb
Antonyme
Zitationshilfe
„kein“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kein>, abgerufen am 13.11.2018.

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