kennen

GrammatikVerb · kannte, hat gekannt
Aussprache
Worttrennungken-nen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›kennen‹ als Erstglied: ↗Kenndaten · ↗Kennkarte · ↗Kennlicht · ↗Kennmarke · ↗Kennung · ↗Kennwort · ↗Kennzahl · ↗Kennzeichen · ↗Kennziffer · ↗kennbar · ↗kennenlernen · ↗kennzeichnen
 ·  mit ›kennen‹ als Letztglied: ↗auskennen · ↗herauskennen · ↗wiederkennen
 ·  mit ›kennen‹ als Grundform: ↗bekannt · ↗bekennen · ↗erkennen · ↗verkennen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
etw., jmdn., sich kennenüber etw., jmdn. durch eigene Wahrnehmung und Erfahrung Bescheid wissen
Beispiele:
eine Stadt, das Gebirge kennen
er kennt die Schönheiten seiner Heimat
wir kennen die Gegend aus eigener Anschauung
umgangssprachlich etw. wie seine Hosentasche (= ganz genau) kennen
die Gefahren der Seefahrt kennen
die Welt, Menschen kennen
sie kennen ihn als einen hilfsbereiten Menschen
ich kannte seine Vorzüge, Schwächen
von dieser Seite kenne ich ihn noch gar nicht
sie kennen sich bis ins Innerste (= ganz genau)
das werde ich niemals tun, ich kenne mich
da kennst du mich aber schlecht (= da irrst du dich aber in mir)
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn [GoetheLehrjahre7,167]
Bald kannte man einander bis in die letzte Falte [Feuchtw.Tag47]
sich nicht (mehr) kennenaußer sich sein
Beispiele:
sich vor Zorn, Entrüstung nicht mehr kennen
[das junge Volk] das ... sich nicht kennt vor Geschrei [GaiserSchlußball39]
etw., jmds. Namen wissen
Beispiele:
sie kennen hier ein gutes Geschäft, ein nettes Lokal
ein Mittel gegen Rheuma kennen
jmds. Namen, Alter, Beruf kennen
etw. durch Studium in sein Wissen aufgenommen haben, über ein Wissen verfügen
Beispiele:
wir kennen Schillers Balladen, Beethovens Sinfonien
der Meister kennt (= versteht) sein Handwerk
umgangssprachlich ich kenne das Buch in- und auswendig (= gründlich)
etw. von Grund auf, zur Genüge kennen
umgangssprachlich etw. von A bis Z kennen
seinen Platz im Leben kennen (= wissen, wohin man gehört)
Alaska kennt harte, lange Winter (= Alaska hat harte, lange Winter)
das Schachspiel kennt (= beherrscht) er aus dem Effeff [F. WolfGrenze5,104]
mit einschränkenden oder negierenden Wörtern
übertragen drückt eine Unbedingtheit, Grenzenlosigkeit aus
Beispiele:
er kennt nur seine vier Wände (= lebt völlig zurückgezogen)
sie kennt nichts als ihre Arbeit (= sie geht ganz in ihrer Arbeit auf)
keine Furcht kennen (= furchtlos sein)
sie kennen keine Rücksicht, Schonung (= sie gehen rücksichtslos, schonungslos vor)
kein Maß, Ziel kennen (= maßlos, ziellos handeln)
keine Unterschiede, Schranken kennen (= sich über alle Unterschiede, Schranken hinwegsetzen)
die Begeisterung kannte keine Grenze (= war sehr groß)
eine Katastrophe in noch nie gekanntem Ausmaße (= wie sie überhaupt noch nicht da war)
salopp die Wirtschaft, den Laden, Rummel, Dreh kennen (= sich nicht täuschen lassen)
salopp das kennen wir schon! (= diese Ausflüchte sind nichts Neues!)
sprichwörtlich Jugend kennt keine Tugend
sprichwörtlich was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht
salopp Den Schmus kannte man [M. WalserHalbzeit103]
salopp er ... ließ es [das Bier] sich von seiner Ordonnanz servieren, er kannte da nichts (= er ließ sich davon nicht abhalten) [EisenreichUrgroßvater33]
2.
jmdn., sich kennenmit jmdm., miteinander (näher) bekannt sein, (näheren) Umgang, Verkehr haben
Beispiele:
wir kennen diesen jungen Mann
ich habe ihn gut gekannt
jmdn. genau, kaum, kurz, näher, persönlich kennen
jmdn. mit Namen, schon lange, von früher her, vom Sehen, vom Hörensagen kennen
gehoben jmdn. von Angesicht zu Angesicht kennen
sie wollen uns nicht mehr kennen (= sie wollen unsere Bekanntschaft verleugnen)
ich kenne hier keine Menschenseele (= ich kenne hier gar niemanden)
salopp ich kenne hier kein Aas (= ich kenne hier gar niemanden)
sich erst wenige Wochen, nur flüchtig, seit Jahren kennen
3.
jmdn., etw. (an etw.) kennenjmdn., etw. (an etw.) erkennen, identifizieren
Beispiele:
jmdn. am Schritt, an der Stimme kennen
der Musiker kennt jedes einzelne Instrument am Klang
kennt ihr uns noch?
Deutschland / Wird nicht mehr zu kennen sein [BrechtGedichte98]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kennen · verkennen · Kenner · kennerisch · Kennerblick · Kennermiene · kenntlich · Kenntnis · Kennwort · Kennzeichen · kennzeichnen
kennen Vb. ‘wissen, gehört oder gesehen haben’, ahd. kennen (9. Jh.; bi-, irkennen, 8. Jh., s. ↗bekennen, ↗erkennen), mhd. mnd. kennen asächs. -kennian (in antkennian ‘erkennen’), aengl. cennan ‘unterrichten, kundtun’, anord. kenna ‘bekanntmachen, wahrnehmen, genießen’, schwed. känna ‘kundtun, erkennen, kennen’, got. kannjan ‘bekanntmachen’ stellen sich als kausative jan-Verben zum Präs. Sing. (germ. *kann-) des unter ↗können (s. d.) behandelten präteritopräsentischen Verbs. verkennen Vb. ‘nicht richtig erkennen, falsch beurteilen’ (17. Jh.). Kenner m. ‘wer Bescheid weiß, zuständig ist’ (16. Jh.). kennerisch Adj. ‘wissend’ (18. Jh.). Kennerblick m. (18. Jh.), Kennermiene f. (19. Jh.). kenntlich Adj. ‘erkennbar, deutlich’, mhd. kentlich, kantlich ‘erkennbar, bekennend, geständig’; vgl. auch mhd. kennelich ‘kennbar, offenkundig, bekannt’. Kenntnis f. ‘Wissen, Erfahrung’, mhd. kantnisse, kentnisse ‘Kenntnis, Erkenntnis’. Kennwort n. ‘für ausführliche Angaben stehendes vereinbartes Wort, Losung, Parole’ (20. Jh.). Kennzeichen n. ‘charakterisierendes, heraushebendes Merkmal’ (16. Jh.), dazu kennzeichnen Vb. ‘charakterisieren, markieren’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
kennen · ↗nachvollziehen · ↗verstehen · ↗wissen · über Kenntnisse verfügen · ↗überblicken  ●  drauf haben  ugs.
Synonymgruppe
(jemandem) bekannt sein · Kontakt haben (zu jemandem) · kennen · mit jemandem in Verbindung stehen · zu jemandes Umfeld gehören
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) etwas sagen · ↗(jm.) bekannt (sein) · kennen
Synonymgruppe
(jemanden) kennen (der etwas erledigen kann) · über entsprechende Kontakte verfügen  ●  (jemanden) an der Hand haben  ugs.
Synonymgruppe
(die) Tradition will (dass) · (es) ist Tradition (dass) · (schon) kennen · (so) üblich sein  ●  Tradition haben  Hauptform · (etwas) immer so machen  ugs. · immer so sein  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fernsehen Geschichte Grenze Leut Name Problem alle auch auskennen bereits doch du er gar genau gut ich kaum lange man mehr natürlich nicht noch nur persönlich schon sie wir wissen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kennen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er würde aber versuchen, alles zu verzögern, ich kenne ihn.
Kopetzky, Steffen: Grand Tour, Frankfurt am Main: Eichborn 2002, S. 461
Wer im heutigen Establishment kennt sie nicht, liebt sie nicht.
Die Zeit, 20.12.1996, Nr. 52
Wann hat ein Käufer die Verpflichtung, ein Buch zu kennen, und hat er sie überhaupt?
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1909], S. 22109
Das Bestehen dieses Herdes kennt man seit fast zehn Jahren.
Koch, Robert: Die Gesundheitsverhältnisse von Deutsch-Ostafrika. In: J. Schwalbe (Hg.), Gesammelte Werke von Robert Koch - Bd. 2 Teil 2, Leipzig: Thieme 1912 [1906], S. 6345
Die spartanische Politik kennt kein positives Ziel mehr; sie ist nach außen ebenso negativ wie nach innen.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 23789
Zitationshilfe
„kennen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kennen>, abgerufen am 16.11.2018.

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