kess

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Ungültige Schreibungkeß, s. Regelwerk: § 2
Wortbildung mit ›kess‹ als Erstglied: ↗Kessheit
eWDG, 1969

Bedeutung

landschaftlich, (besonders) berlinisch, salopp
1.
flott, schneidig
Beispiele:
ein kesser Bursche
eine kesse Biene (= flottes junges Mädchen)
eine kesse (= sehr schicke) Bluse, Frisur
eine kesse Sohle aufs Parkett legen (= flott tanzen)
»Guten Tag, meine Herren«, grüßte die eine keß [BredelVäter232]
2.
dreist, frech
Beispiele:
eine kesse Sprache
auf die kesse Tour (= mit Dreistigkeit)
ein kesser Ton
derb eine kesse Schnauze / Lippe haben (= freche Reden führen)
kess werden
eine kesse (= verwegene) Haarlocke
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

keß Adj. ‘aufgeweckt, vorlaut, schneidig, flott, schick’, in der Gaunersprache ‘klug, gescheit, der Gaunerei kundig’. Das Adjektiv stammt aus dem verhüllenden Kurzwort jidd. chess, der Bezeichnung für ch, den Anfangsbuchstaben von jidd. chochom ‘klug, weise, gelehrt’. Es dringt aus der Gaunersprache in die Umgangssprache von Berlin und gewinnt von dort aus in der 1. Hälfte des 20. Jhs. allgemeine Verbreitung.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufreizend · ↗flott · ↗frech · ↗herausfordernd · ↗keck · kess · ↗kokett · ↗neckisch  ●  ↗fesch  ugs., süddt.
Assoziationen
Synonymgruppe
kess · ↗salopp
Synonymgruppe
frech · ↗keck · kess · locker-flockig · ohne falsche Scham · ↗unbekümmert · ↗ungeniert · ↗ungezwungen · ↗vorlaut · ↗vorwitzig · ↗zwanglos  ●  ↗schamlos  fig. · locker vom Hocker  ugs. · ↗schmerzfrei  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufsteiger Behauptung Bemerkung Berlinerin Biene Blonde Blondine Frisur Girl Göre Hesse Hut Hüftschwung Lippe Lächeln Motte Mundwerk Mädel Schwester Slogan Sohle Spruch Tanz Teenager Ton flott frech keck selbstbewußt ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kess‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mal ganz kess, mal schmachtend, mal säuselnd, mal swingend - so leicht kann nur die leichte Muse sein.
Süddeutsche Zeitung, 14.10.1998
So unschuldig sie bei Interviews in die Kamera schaut, so keß sind die Texte.
Bild, 23.06.1998
Manchmal ist er ziemlich keß und prahlerisch und lobt sich selbst durch unwahrscheinliche Aufschneidereien.
Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind ` Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 252
Dieser blonde, kesse, kleine Partisanen-Blaustrumpf sieht mich so böse an.
Simmel, Johannes Mario: Es muß nicht immer Kaviar sein, Zürich: Schweizer Verl.-Haus 1984 [1960], S. 296
Heute kann ich mich regelrecht verlieben - in ein Paar Schuhe, in ein kesses Hütchen oder in eine elegante Handtasche.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 263
Zitationshilfe
„kess“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kess>, abgerufen am 21.11.2018.

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