kippen

GrammatikVerb · kippte, ist/hat gekippt
Aussprache
Worttrennungkip-pen
Wortbildung mit ›kippen‹ als Erstglied: ↗Kippfenster · ↗Kipplore · ↗Kippschalter · ↗Kippschaltung · ↗Kippstange · ↗Kippwagen · ↗kippbar · ↗kippsicher
 ·  mit ›kippen‹ als Letztglied: ↗abkippen · ↗ankippen · ↗aufkippen · ↗auskippen · ↗einkippen · ↗hintenüberkippen · ↗hinterkippen · ↗hinunterkippen · ↗runterkippen · ↗umkippen · ↗vornüberkippen · ↗wegkippen · ↗überkippen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
das Übergewicht bekommen und umstürzen
Beispiele:
der Wagen, die Leiter kippt
die Stimme kippt (= schlägt um)
nach vorn, hinten, zur Seite kippen
aus dem Stuhl, Boot kippen (= herausstürzen)
der Reiter ist in den Graben gekippt (= hinuntergestürzt)
von der Bank kippen
einen Anhänger gegen das Kippen sichern
die Lore ist zum Kippen eingerichtet
salopp, bildlich
Beispiele:
aus den Pantinen, Latschen kippen (= ohnmächtig werden) (= die Fassung verlieren)
Das erstemal betrog ihn sein Freund Lüders, und er kippte aus den Pantinen [DöblinAlexanderpl.317]
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. aus der Gleichgewichtslage in eine schräge Lage bringen
Beispiele:
eine Kiste, die Lore kippen
der Pilot kippte die Maschine auf eine Tragfläche
Die Soldaten kippen das Traggerät [BrechtLukullus4]
etw. durch Schräglage ausschütten
Beispiele:
Wasser aus dem Eimer, Bretter aus dem Wagen kippen
Sand, eine Ladung Steine auf den Bauplatz kippen
die Halden, auf die man das taube Gestein kippte [MarchwitzaJugend86]
salopp, bildlich
Beispiele:
ein Glas Wein, einen Schnaps kippen (= trinken)
einen (hinter die Binde) kippen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kippen · Kippe1 · Kipper1 · Kipper2 · kipp(e)lig · kippeln
kippen Vb. ‘in schräge Stellung bringen, beinahe umstürzen’, ein nd. md. Wort ungeklärter Herkunft, in hd. Texten seit dem 17. Jh. belegt. Deutungsversuche bringen nd. md. kippen mit mnl. kippen ‘fangen’ (nl. kippen ‘umstürzen’ aus dem Dt.) und anord. kippa ‘reißen, rücken’ zusammen und stellen diese mit air. scibiud ‘rücken’, lett. šk̦eberēt ‘wanken, taumeln’ zur Wurzel ie. *gei- ‘drehen, biegen’. Oder man sieht, da die genannten verwandtschaftlichen Beziehungen problematisch sind, in dem Verb eine lautnachahmende Bildung. Auch Ableitung von md. nd. Kippe1 f. ‘Spitze, Kante’ (hd. Kipfe), vgl. nd. (mundartlich) kippen ‘die Spitze abschneiden, abhauen’, wird erwogen, ohne daß damit eine etymologische Zuordnung gegeben ist. Als Rückbildung aus dem Verb wird nd. md. Kippe literatursprachlich in den Wendungen auf der Kippe stehen, auf die Kippe stellen ‘so stehen oder stellen, daß das Gleichgewicht gefährdet ist’ (18. Jh.) und in der Turnersprache ‘Aufschwung in den Stütz’; dazu (im Bergbau) ‘Lagerstelle für Abraum’ (19. Jh.). Hierher wohl auch Kippe für ‘Endstück einer Zigarette, Zigarettenstummel’ (um 1920). Kipper1 m. ‘Münzverschlechterer’ (17. Jh.), besonders in der Fügung Kipper und Wipper (17. Jh.); vgl. Kippe ‘Goldwaage, waageartige Vorrichtung für Münzen’ (17. Jh.), kippen ‘Gold wiegen’, wippen ‘mit der Waage (Wippe) auswägen’ (15. Jh.). In der verstärkenden Doppelung vielleicht ‘wer schwere, vollwichtige Münzen auswägt, aussondert, um sie in leichtere umzuschmelzen’. Oder ‘wer beschnittene und daher nicht vollwichtige Münzen mit Schwung in die Waagschale wirft, damit diese schnell nach unten gedrückt wird und das volle Gewicht zu erbringen scheint’? Später wird kippen (im Anschluß an die oben genannte Bedeutung) jedenfalls im Sinne von ‘(den Münzrand) abzwacken’ und Kipper als ‘Münzbeschneider’ verstanden. Kipper2 m. ‘Transportfahrzeug mit kippbarem Laderaum’ (20. Jh.). kipp(e)lig Adj. ‘leicht umstürzbar, nicht fest stehend’ (19. Jh.); vgl. kippeln Vb. ‘hin und her wackeln’ (19. Jh.), Iterativbildung zu kippen.

Thesaurus

Synonymgruppe
kippen · ↗neigen · schräg stellen
Synonymgruppe
zu Fall bringen  ●  ↗einkassieren (Gesetz)  fig. · kippen  fig. · ↗kassieren  ugs.
Synonymgruppe
kippeln · kippen · ↗rollen (Schiff) · ↗schaukeln · ↗schunkeln · ↗schwanken · ↗schwenken · ↗stampfen (Schiff) · ↗wippen
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(das) Gegenteil bewirken · (einen) gegenteiligen Effekt haben · (sich) genau entgegengesetzt auswirken · ins Gegenteil umschlagen · kippen · ↗zurückschlagen (Pendel)
Assoziationen
  • (ein) anderer Mensch (sein) · (ein) anderer Mensch werden · (etwas) macht einen anderen Menschen (aus jemandem) · (sich) verändert haben · ↗(sich) ändern · ↗anders (sein) · nicht mehr der Alte (sein) · nicht mehr die Alte (sein) · nicht wiederzuerkennen (sein) · wie ausgewechselt (sein)
  • (einander) entgegen · ↗entgegengesetzt · in die entgegengesetzte Richtung
  • andersherum · ↗entgegengesetzt · ↗invers · ↗invertiert · mit umgekehrten Vorzeichen · ↗reziprok · umgedreht · ↗umgekehrt · unter umgekehrten Vorzeichen  ●  ↗vice versa  lat. · Umgekehrt wird ein Schuh draus.  ugs., sprichwörtlich · ↗andersrum  ugs.
  • (einen) Bumerangeffekt haben · (jemanden) wieder einholen · (sich als) Bumerang (erweisen) · (wieder) zurückfallen (auf)  ●  (eine) tickende Zeitbombe (sein)  fig. · (jemandem) (wieder) auf die Füße fallen  fig. · (jemandem) (wieder) vor die Füße fallen  fig. · das Pendel schlägt zurück  fig.
  • (das) Gegenteil von dem tun, was getan werden müsste  ●  (den) Bock zum Gärtner machen  fig. · (den) Teufel mit dem Beelzebub austreiben  fig.
Synonymgruppe
abbedingen · ↗abbestellen · ↗abkündigen · ↗abschaffen · ↗annullieren · ↗aufheben · ↗aufkündigen · ↗auflösen · ↗ausgleichen · außer Kraft setzen · für aufgehoben erklären · für nichtig erklären · für null und nichtig erklären · für ungültig erklären · kippen (journal.) · ↗kündigen · ↗stornieren · ↗terminieren · ↗tilgen · ↗zurückziehen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abfall Balance Bier Binde Bundesrat Bundesverfassungsgericht Deponie Eimer Glas Latschen Meer Müll Partie Schnaps Stimmung Stuhl VW-Gesetz Verbot Verfassungsgericht Wodka abkippen auskippen hineinkippen hinunter runter um umkippen vornüber wegkippen zurückkippen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kippen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie wollte ein Spiel kippen, das gar nicht mehr zu gewinnen war.
Bild, 26.07.1999
Vor kurzem hieß es noch, es sei billiger, die Reform ganz zu kippen.
Der Tagesspiegel, 14.03.1999
Er kippte lächelnd den Inhalt seines Eimers in den meinen.
Hartung, Hugo: Wir Wunderkinder, Düsseldorf: Droste Verl. 1970 [1959], S. 273
Doch wenn es sich hob oder senkte, kippte die Welt.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 16
Ich kippte noch schnell das fünfte Glas gegen den längst erwarteten Ärger und gegen meinen inneren Hohn.
Spoerl, Alexander: Mit dem Auto auf Du, Berlin u. a.: Dt. Buchgemeinschaft 1961 [1953], S. 268
Zitationshilfe
„kippen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kippen>, abgerufen am 21.04.2019.

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