Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

kirchlich

Grammatik Adjektiv · Komparativ: kirchlicher · Superlativ: am kirchlichsten, Steigerung selten
Aussprache 
Worttrennung kirch-lich
Wortbildung  mit ›kirchlich‹ als Erstglied: Kirchlichkeit  ·  mit ›kirchlich‹ als Letztglied: antikirchlich · außerkirchlich · freikirchlich · gesamtkirchlich · innerkirchlich · unkirchlich
eWDG

Bedeutungen

1.
zur Kirche gehörend
Beispiele:
ein kirchliches Amt
eine kirchliche Frage, Angelegenheit
die kirchliche Behörde
das kirchliche Leben
kirchliche Schriften
in kirchlichen Kreisen
das Gespräch kam auf kirchliche Dinge
2.
von der Kirche ausgehend
Beispiele:
eine kirchliche Trauung
Er empfing ein kirchliches Begräbnis … [ich kann] Beweis und Papiere beibringen, daß er kirchlich bestattet wurde [ Th. MannKrull8,369]
meine Ehe ist kirchlich geschlossen [ EichStimmen78]
3.
Beispiel:
ein kirchlicher (= im Sinne der Kirche denkender) Mensch
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kirche · kirchlich · Kirchner · Kirchenlicht · Kirchenmaus · Kirchenvater · Kirchhof · Kirchspiel · Kirchtag · Kirchweih
Kirche f. ‘christliches Gotteshaus, Gemeinschaft gläubiger Christen gleichen Bekenntnisses’, ahd. kirihha (8. Jh.), mhd. kirche, asächs. kerika, kirica, mnd. mnl. kerke, karke, nl. kerk, aengl. cir(i)ce, cyr(i)ce, engl. church ist entlehnt aus spätgriech. kȳrikón (κυρικόν) ‘Gotteshaus’ (4. Jh.), einer Vulgärform von griech. kȳriakón (κυριακόν), Neutr. Sing. zu kȳriakós (κυριακός) Adj. ‘dem Herrn gehörig’, abgeleitet von kȳ́rios (κύριος) ‘Herr, Herrscher’, auch Bezeichnung Gottes bzw. Christi. Daß das Got. griech. kȳrikón den übrigen germ. Sprachen vermittelt habe, ist wenig wahrscheinlich, statt dessen ist Aufnahme des Wortes im griech.-lat. geprägten Christentum der römischen Kolonialstädte (z. B. Metz, Trier, Köln) im Rahmen der Bautätigkeit der konstantinischen Epoche anzunehmen. Das in den germ. Sprachen geltende feminine Genus mag unter dem Einfluß von lat. basilica entstanden sein. Bereits ahd. kirihha bezeichnet (wie kirchenlat. ecclēsia) sowohl das ‘Gotteshaus’ und die dort ‘versammelte Gemeinde’ als auch die ‘geistige Kirche’. Vgl. Masser Bez. f. d. christl. Gotteshaus (1966) 17 ff. kirchlich Adj. ahd. kir(i)hlīh (9. Jh.), mhd. kirchlich. Kirchner m. ‘Kirchendiener, Küster’, mhd. kirchenære, kirchener ‘Küster, Mesner’, mnd. kerkenēre. Kirchenlicht n. heute nur in der Wendung kein großes Kirchenlicht sein, (‘kein kluger Mensch sein’), im 16. Jh. nach kirchenlat. lūmen ecclēsiae gebildet, einer ehrenden Charakterisierung für den Kirchenlehrer Augustinus, entsprechend Kirchenlichter (Mathesius 1570) für Luther und die Wittenberger Theologen, spöttisch bereits 1517 in lat. lux theologorum (Dunkelmännerbriefe); der dt. Ausdruck dürfte von Anfang an wenn nicht ironisch gebraucht, so doch mit diesem Nebensinn empfunden worden sein. Kirchenmaus f. meist arm wie eine Kirchenmaus ‘sehr arm’, eigentlich ‘wie eine Maus, die in einer Kirche lebt, wo es keine Vorräte gibt’ (18. Jh.). Kirchenvater m. meist Plur., ‘Verfasser bedeutender theologischer Schriften in der Frühzeit der christlichen Kirche’ (17. Jh.), nach kirchenlat. pater ecclēsiae. Kirchhof m. ‘eingefriedeter Raum um eine Kirche, Begräbnisplatz’, mhd. kirchhof, mnd. kerkhof. Kirchspiel n. ‘Pfarrbezirk’, ahd. kirihspil (Hs. 13. Jh.), mhd. kirchspil, -spel ‘Bezirk, in dem ein Pfarrer predigen und amtieren darf, Gesamtheit der Pfarrkinder, Gemeinde’, mnd. ker(k)spel; eigentlich ‘Bezirk der Kirchenpredigt’, zu mhd. spel n. ‘(dichterische) Erzählung, Erdichtung, Sage, Gerede, Gegenstand des Geredes’ (s. Beispiel). Kirchtag m. ‘Tag bzw. Jahrestag der Kirchweihe’, mhd. kirchtac ‘Kirchweihfest, Jahrmarkt’. Kirchweih f. ‘Kirchweihfest, Jahrmarkt, Jahrmarktsgeschenk’, mhd. kirchwīhe, vgl. formal entsprechendes ahd. kirihwīhī (9. Jh.); zur Bedeutungsentwicklung s. Kirmes.

Thesaurus

Synonymgruppe
kirchengeistlich · kirchlich
Religion
Synonymgruppe
geistlich · kirchlich · klerikal

Typische Verbindungen zu ›kirchlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kirchlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›kirchlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit dir habe ich nur in kirchlichen Fragen zu verhandeln. [Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann – Fischer 1947 [1933], S. 165]
Das kirchliche Schicksal Polens hing nun weitgehend von der Lösung der dynastischen Frage ab. [Lutz, Heinrich: Der politische und religiöse Aufbruch Europas im 16. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1502]
Doch müßte am Ende, an der Stelle kirchlicher Organisation, wieder die schlichte human‑sittliche Lehre Jesu stehen! [Sengle, F.: Wieland. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 33501]
Was haben Sie während dieser Zeit in kirchlichen Dingen getan? [o. A.: Einhundertsiebenundfünfzigster Tag. Dienstag, 18. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 5635]
Genau das hatte ich mir von einer kirchlichen Schule erhofft. [Die Zeit, 09.03.2000, Nr. 11]
Zitationshilfe
„kirchlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kirchlich>.

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