kirre

GrammatikAdjektiv · nicht attributiv
Aussprache
Worttrennungkir-re
eWDG, 1969

Bedeutung

salopp kirre sein, werden, jmdn. kirre machen, kriegengefügig, zahm sein, werden, jmdn. gefügig, zahm machen, kriegen
Beispiele:
er ist noch nicht kirre
damit wird er kirre werden
den machst du nicht so bald kirre!
sie hat ihn kirre gekriegt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kirre · kirren
kirre Adj. ‘gefügig, zahm’, vorwiegend kirre machen, werden, mhd. kürre, (md.) kurre, kirre ‘zahm, mild’, mnd. quere, anord. kyrr, kvirr ‘ruhig, friedlich’, got. qaírrus ‘freundlich, sanftmütig’. Herkunft ungewiß. Wenn die Bedeutung ‘zahm, mild’ aus ‘matt, beschwert, niedergedrückt’ erklärbar ist, lassen sich die germ. Formen verbinden mit lit. gùrti ‘zerfallen, zerfließen, schwach werden’, lett. gurt ‘matt, schwach werden’, lit. gurlùs, lett. gurls ‘müde, matt, schwach’ und griech. barýs (βαρύσ), lat. gravis ‘schwer’, auch ‘niederdrückend, beschwert’, weiter mit aind. gurúḥ ‘schwer’ sowie got. kaúrus ‘lästig, schwer’, kaúrjan ‘drücken, belästigen’. Auszugehen ist von der Wurzel ie. *guer(ə)- ‘schwer’ bzw. für die oben genannte Wortgruppe um kirre von einer Suffixbildung ie. *g‐ͧerəro-. Diese hält Knobloch in: Hist. Sprachforsch. 103 (1990) 286 ff. jedoch mit einer Bedeutung ‘vom (Ochsen)stachel gezwungen’ für eine Ableitung von ie. *gueru- ‘Stange, Spieß’ (wozu awest. grava- ‘Stock’, air. bi(u)r ‘Speer, Spieß’, lat. verū ‘Spieß’, got. qaíru ‘Stachel’); kirre ‘zahm’ (kirre machen bei Taubenzüchtern auch ‘beruhigen, locken’) würde damit (im Hinblick auf ‘Ochsenstachel’) einem Wort aus dem Bereich der Tierhaltung zugeordnet. kirren Vb. ‘zähmen’ (16. Jh.), in der Jägersprache ‘locken, ködern’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufgeregt · beunruhigt · erregt · ↗fieberhaft · ↗gereizt · ↗kribbelig · ↗nervös · ↗ruhelos · ↗schreckhaft · ↗unruhig · wie ein aufgescheuchtes Huhn  ●  ↗(ganz) durcheinander  ugs. · ↗aufgedreht  ugs. · ↗aufgekratzt  ugs. · aufgewühlt  ugs. · durch den Wind  ugs., fig. · ↗fickerig  ugs., norddeutsch · ↗fickrig  ugs., norddeutsch · ↗hibbelig  ugs., regional · ↗hippelig  ugs., regional · ↗kabbelig  ugs. · kirre  ugs. · ↗rappelig  ugs. · ↗rapplig  ugs. · wie angestochen  ugs. · ↗zappelig  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

alle kriegen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kirre‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das macht mich alles doch mindestens genauso kirre wie die Ärzte.
Bild, 20.01.2006
Schon klar, die Zeit drängt, der Newsletter muss noch raus, und die vierzehnte Tasse Kaffee macht auch eher kirre als sprachempfindlich.
Die Zeit, 18.01.2010, Nr. 03
Allein der komplexe Plan des Haustechnikers macht einen ganz kirre.
Süddeutsche Zeitung, 17.12.2004
Deswegen soll man sich auch nicht kirre machen lassen wegen der Umkehrung der Alterspyramide.
Die Welt, 01.08.2003
Er hatte sich vorgenommen, sie mit seiner berühmten Weichheit und Sanftmut kirre zu machen.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 07.03.1925
Zitationshilfe
„kirre“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kirre>, abgerufen am 18.07.2019.

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