Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

klaffen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung klaf-fen
Wortbildung  mit ›klaffen‹ als Erstglied: Klaffmuschel  ·  mit ›klaffen‹ als Letztglied: aufklaffen · auseinanderklaffen

Bedeutungsübersicht+

  1. ⟨etw. klafft⟩ etw. liegt weit und tief offen (vor jmdm.)
    1. oft im Partizip I
    2. ⟨etw. klafft in zwei Teile⟩ etw. ist in zwei Teile gespalten
    3. [gehoben, bildlich] etw. liegt offen zutage
eWDG

Bedeutung

etw. klafftetw. liegt weit und tief offen (vor jmdm.)
Beispiele:
breite Risse, Spalten klaffen in der Mauer
vor uns klaffte ein Abgrund
die Tür klafft
im Pflaster klafften große Löcher [ BredelEnkel643]
Dielen so alt und morsch, daß sie weit klafften [ G. HermannGebert241]
Grammatik: oft im Partizip I
Beispiele:
eine klaffende Wunde
klaffende Ritzen, Dielenfugen, Felsspalten, Schluchten
etw. klafft in zwei Teileetw. ist in zwei Teile gespalten
Beispiel:
Jerusalem klafft durch die neue Mauer in zwei Teile [ Tageszeitung1957]
gehoben, bildlich etw. liegt offen zutage
Beispiele:
ein Riss, Abgrund klafft zwischen ihren und meinen Überzeugungen
durch seinen Tod klaffte eine große Lücke
bei ihm klafft ein Widerspruch zwischen Wort und Tat
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kläffen · Kläffer
kläffen Vb. ‘bellen, schrill reden, schimpfen’, seit dem 18. Jh. übliche, wohl lautmalend umgelautete Form von klaffen (s. d.); vgl. schon frühnhd. kleffen ‘schwatzen’ (16. Jh.). Kläffer m. ‘hell und anhaltend bellender (kleiner) Hund’ (18. Jh.); vgl. ahd. klaffere (Hs. 13. Jh.), mhd. klaffære, kleffære ‘Schwätzer’.

klaffen Vb. ‘(einen Spalt) offenstehen’, ahd. klaffōn ‘schallen, tönen, klatschen’ (9. Jh.), mhd. klaffen ‘schallen, tönen, klappern, schwatzen, viel und laut reden, sich öffnen’, asächs. klapen ‘klappern’, mnd. mnl. klappen ‘klatschen, schallen, schwatzen’, aengl. clappian, engl. to clap ‘schlagen, klatschen’, anord. klappa ‘schlagen, pochen, klopfen, streicheln’, schwed. klappa ist (wie ähnlich gebildetes klopfen, s. d.) ein lautnachahmendes Verb, für das ein Schallwort germ. *klap- bzw. (mit expressiver Gemination) *klapp- angesetzt werden kann. Vgl. dazu mhd. klaf, klapf ‘Knall, Krach’, anord. klapp n. ‘Klatsch, Schlag’ sowie ahd. anaklaph ‘(lärmender) Vorstoß, Ansturm, Zusammenrottung und Geschrei’ (10. Jh.). Als Ausgangsbedeutung der Verben ist ‘klapp machen, schallen, tönen’ anzusetzen, woraus im Dt. (seit dem 16. Jh.) ‘sich mit tönendem Knall plötzlich auftun, bersten’, dann weiter ‘einen Zwischenraum, eine große Spalte bilden, offenstehen’. Die alte Bedeutung ‘schallen, klatschen’ wird daraufhin von klappen (s. d.) weitergeführt.

Thesaurus

Synonymgruppe
gähnen · klaffen · offen sein · weit geöffnet sein  ●  (weit) offen stehen  Hauptform · aufstehen  ugs., regional
Assoziationen
  • unüberbrückbar · unüberwindbar · unüberwindlich
  • (nur) angelehnt · einen Spalt (breit) geöffnet · einen Spalt (breit) offen (stehen / sein) · einen Spaltbreit geöffnet · einen Spaltbreit offen · nicht ins Schloss gefallen  ●  nicht ganz zu  ugs. · nicht im Schloss  ugs.
Synonymgruppe
(sich) auftun · aufklaffen · klaffen  ●  gähnen  fig.

Typische Verbindungen zu ›klaffen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›klaffen‹.

Verwendungsbeispiele für ›klaffen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zwischen den zahllosen Fotos an den "Wänden des Büros klaffte eine leere Stelle. [Fritsch, Gerhard: Fasching, Hamburg: Rowohlt 1967, S. 89]
Sie ist völlig abgemagert, auf dem Kopf klaffen in den langen schwarzen Haare daumengroße Löcher. [Die Zeit, 01.07.2006, Nr. 27]
Im Moment klafft entlang der Linie noch ein tiefer Graben. [Die Zeit, 24.02.2005, Nr. 09]
Seither klafft zwischen den beiden Linien ein beängstigend breiter Abstand. [Die Zeit, 28.10.1977, Nr. 44]
Dieser wirtschaftspolitische Graben klafft derzeit noch so tief, daß darin jede Reform auch noch leicht wieder verschwinden kann. [Süddeutsche Zeitung, 14.07.1998]
Zitationshilfe
„klaffen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/klaffen>.

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