klagen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungkla-gen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›klagen‹ als Erstglied: ↗klagbar  ·  mit ›klagen‹ als Letztglied: ↗anklagen · ↗aufklagen · ↗ausklagen · ↗beklagen · ↗einklagen · ↗vorklagen · ↗wehklagen
 ·  mit ›klagen‹ als Grundform: ↗Geklage · ↗Klagen · ↗verklagen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
seinen Schmerz, Kummer äußern
a)
seinen Schmerz, Kummer laut kundtun
Beispiele:
weinen und klagen
heftig, laut, leise vor sich hin klagen
er ist ein Mensch, der immer klagt
sie klagte, sie sei verlassen
sie klagte: »Nie werden wir uns wiedersehen«
um etw., jmdn. klagen
Beispiele:
er klagt um sein verlorenes Glück, um den Verstorbenen
er klagte und jammerte den ganzen Tag vor Schmerzen
Feiger Gedanken / Bängliches Schwanken / Weibisches Zagen, / Ängstliches Klagen / Wendet kein Elend / Macht dich nicht frei [GoetheFeiger Gedanken]
oft im Part. Präs.
Beispiele:
ein klagendes Weib
klagend die Hände ringen
der klagende Schrei eines Waldkauzes
bildlich
Beispiele:
eine klagende Melodie
Jägersprache das (verwundete) Wild klagt (= schreit aus Angst oder Schmerz)
Das Nebelhorn rief klagend über das Meer [H. W. RichterSpuren222]
Ihr Deutsch hatte zuweilen einen slawischen, weich klagenden Akzent [H. Mann8,28]
b)
jmdm. seinen Kummer mitteilen
Beispiele:
jmdm. sein Leid klagen
sie klagte mir ihr Missgeschick, ihre Not, ihren Schmerz
umgangssprachlich Gott, dem Himmel sei's geklagtleider!
Beispiel:
Hundert Kilo, Gott sei's geklagt, hundert Kilo habe ich am Leib [FrischAndorra3]
c)
über Schmerzen klagensagen, dass man Schmerzen hat
Beispiel:
der Patient klagte über Schmerzen (im Arm), über (heftige) Zahnschmerzen
2.
über etw., jmdn. klagenseine Unzufriedenheit über etw., jmdn. äußern, sich über etw., jmdn. beschweren, beklagen
Beispiele:
die Hausbewohner klagten über ständigen Lärm
der Lehrer klagte über den Schüler
über mich sollen Sie nicht zu klagen haben (= Sie werden mit mir zufrieden sein)
umgangssprachlich »Wie geht es Dir?« »Kann nicht klagen(= »Wie geht es Dir?« »Zufriedenstellend!«)
3.
Jura vor Gericht einen Rechtsanspruch geltend machen
Beispiele:
die Firma wollte klagen, weil der Vertragspartner den Termin nicht eingehalten hatte
vor, bei Gericht klagen
gegen jmdn. klagen
auf Schadenersatz, Entschädigung, Pfändung, Scheidung klagen
oft im Part. Präs.
Beispiele:
die klagende Partei
der klagende Teil
4.
österreichisch, Jura jmdn. klagenjmdn. verklagen
Beispiele:
die geklagte Firma
er hat die Person geklagt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Klage · klagen · Kläger · anklagen · Anklage · anklägerisch · Angeklagter · beklagen · Beklagter · verklagen · kläglich
Klage f. ‘Äußerung von Schmerz oder Trauer, Jammer, vor Gericht erhobener Anspruch’. Das im Germ. nur durch ahd. klaga (9. Jh.), mhd. klage ‘Wehgeschrei, Totenklage, Not, Leid, Gerichtsklage’, asächs. klaga, mnd. klāge, mnl. clāghe vertretene Substantiv läßt sich mit aind. gárhati ‘schmäht, beschuldigt, tadelt’, garhā ‘Tadel, Vorwurf’, pers. gila ‘Klage’ und mir. glām ‘Geschrei, Fluch’ vergleichen und auf ie. *galgh-, *glagh- ‘klagen, schelten’ zurückführen, wohl eine Erweiterung der Schallwurzel ie. *gal- ‘rufen, schreien’. Die Rechtsbedeutung von Klage geht auf den Brauch zurück, beim Bemerken eines Verbrechers lautes Hilfegeschrei zu erheben und ihn mit Schreien vor Gericht zu ziehen. Vom Substantiv abgeleitet klagen Vb. ‘Schmerz oder Trauer ausdrücken, jammern, vor Gericht einen Anspruch erheben, tadeln’, ahd. klagōn (9. Jh.), mhd. klagen ‘Schmerz, Leid oder Weh ausdrücken, betrauern, sich beklagen, gerichtliche Klage erheben’, asächs. klagon, mnd. klāgen, mnl. clāghen, nl. klagen. Kläger m. ‘wer vor Gericht Klage erhebt’, ahd. klagāri (Hs. 12. Jh., doch klagāra f. bereits 9. Jh.), mhd. klager, kleger ‘Klagender, Trauernder, Ankläger bei Gericht’. anklagen Vb. ‘für etw. verantwortlich machen, jmdn. beschuldigen (besonders vor Gericht)’, mhd. aneklagen; Anklage f. ‘Beschuldigung (besonders vor Gericht)’, mhd. aneklage; anklägerisch Adj. ‘beschuldigend (vor Gericht)’ (18. Jh.); Angeklagter m. ‘vor Gericht eines Verbrechens oder Vergehens Beschuldigter’ (15. Jh.), substantiviertes Part. Prät. zu anklagen. beklagen Vb. ‘bedauern, betrauern’, ahd. biklagōn (9. Jh.), mhd. beklagen ‘über oder gegen etw., jmdn. klagen’; Beklagter m. ‘wer gerichtlich verklagt wird’ (15. Jh.), substantiviertes Part. Prät. zu beklagen. verklagen Vb. ‘gegen jmdn. gerichtlich Klage erheben’, ahd. firklagōn ‘beweinen, beklagen’ (11. Jh.), mhd. verklagen ‘mit Klagen hinbringen, aufhören zu beklagen, verschmerzen, sich durch Klagen abhärmen, anschuldigen’. kläglich Adj. ‘erbärmlich, bedauernswert’, ahd. klagalīh (10. Jh.), mhd. klage-, klegelich ‘klagend, beklagenswert’.

Thesaurus

Synonymgruppe
klagen · ↗trauern (über, um)
Synonymgruppe
bejammern · klagen · ↗lamentieren · ↗wehklagen · ↗zetern  ●  ↗jammern  Hauptform · ↗barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · ↗heulen  ugs. · ↗janke(r)n  ugs. · ↗raunzen  ugs., österr.
Assoziationen
Synonymgruppe
(den) Klageweg beschreiten · (die) Gerichte bemühen · ↗(jemanden) verklagen · (mit etwas) vor Gericht gehen · Klage erheben · den Rechtsweg beschreiten · den Rechtsweg einschlagen · die Gerichte anrufen · gerichtlich vorgehen (gegen) · gerichtliche Schritte unternehmen · klagen · ↗prozessieren · rechtliche Schritte einleiten · vor Gericht gehen · vor Gericht ziehen  ●  (jemanden) vor den Kadi zerren  ugs.
Assoziationen
  • Richter  ●  ↗Kadi  ugs.
  • einklagen · gerichtlich erstreiten · per Gericht durchsetzen
  • sein Recht bekommen · sein Recht durchsetzen · zu seinem Recht kommen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anwohner Arbeitsgericht Beschwerde Betroffene Bundesverfassungsgericht Gericht Gerichtshof Instanz Kopfschmerz Kündigung Landgericht Leid Mangel Rückenschmerz Schadenersatz Schadensersatz Schmerz Schmerzensgeld Trainer Unterlassung Verfassungsgericht Verwaltungsgericht anklagen dagegen darüber einklagen jetzt notfalls Übelkeit über

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›klagen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manche Leser klagen, sie hetze die Frauen gegen die Männer auf.
Die Zeit, 31.03.2005, Nr. 14
Oder läuft es zu einem anderen Loch, um ihm sein Leid zu klagen?
Bild, 15.05.2004
Ein Leib, der satt ist, hätte über nichts zu klagen.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 26
Wenn es Ihnen nicht paßt, sagt er, dann klagen Sie doch!
Tucholsky, Kurt: Schloß Gripsholm. In: ders., Werke und Briefe, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1931], S. 3013
Er klagte, daß ihn seine Beine kaum noch tragen können.
Friedländer, Hugo: Die unglücklichen Ehen. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 28895
Zitationshilfe
„klagen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/klagen>, abgerufen am 16.07.2019.

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