klamüsern

Worttrennungkla-mü-sern (computergeneriert)
Wortbildung mit ›klamüsern‹ als Letztglied: ↗auseinanderklamüsern · ↗ausklamüsern
Duden GWDS, 1999

Bedeutung

norddeutsch einer Sache nachsinnen, sie genau studieren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

klamüsern Vb. ‘grübeln, in der Stube hocken’, älter kalmäusern (16. Jh.). Zugrunde liegt Kalmüser, Klamüser ‘Sinnierer, Grübler, spitzfindiger Geselle’, das noch heute im Nd. gebräuchlich und seit dem 16. Jh. (auch obd.) in vielen Bedeutungsnuancen belegt ist (‘Schmarotzer, Geizhals, armer Schlucker, Knauser, Schulmeister, weltfremder Stubengelehrter’). Man kann ausgehen von rotw. Kammesierer ‘gelehrter Bettler’, zu jidd. komaz ‘nehmen (mit voller Hand)’, kamzon ‘Geizhals’, das wohl von lat. calamus ‘Rohr, Schreibrohr, Feder’ beeinflußt wird, so daß Kalmäuser, Klamäuser, Kalmüser oder Klamüser als der ‘unfruchtbare Gelehrte’ zu verstehen ist. Das Verb ist vom Substantiv abgeleitet, vgl. noch heute nd. kalmüsern, klamüsern ‘grübeln, umhersuchen’, nhd. ausklamüsern ‘austüfteln’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) reflektieren · (in Ruhe) nachdenken (über) · ↗(sich etwas) bewusst machen · ↗(sich mit etwas) auseinandersetzen · (sich über etwas) Gedanken machen · ↗bedenken · ↗grübeln · ↗nachgrübeln · ↗nachsinnen · ↗sinnieren (über) · ↗überdenken · ↗überlegen  ●  (sich etwas) durch den Kopf gehen lassen  ugs. · klamüsern  ugs. · ↗reflektieren  geh.
Assoziationen
  • (eine) Erinnerung (in sich) wachrufen · (sich) (wieder) in Erinnerung rufen · (sich) (wieder) ins Gedächtnis rufen · (sich) ins Gedächtnis zurückrufen · ↗(sich) zurückerinnern · (wieder) in sich wachrufen · in (seinen) Erinnerungen kramen · in sich gehen  ●  ↗reminiszieren  selten · ↗(sich) zurückbesinnen  geh. · (wieder) vor seinem geistigen Auge entstehen lassen  geh. · ↗memorieren  geh., selten
  • (sich) erkundigen · ↗(sich) informieren · (sich) kundig machen · (sich) sachkundig machen  ●  (sich) schlaumachen  ugs.
  • (etwas) nicht aus dem Kopf bekommen · immer wieder denken müssen (an) · ständig an etwas denken müssen · von dem Gedanken nicht loskommen (dass / zu)  ●  Zwangsgedanken haben  fachspr., medizinisch

Typische Verbindungen
computergeneriert

auseinanderklamüsern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›klamüsern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer macht sich denn die Mühe, die Implikationen mal auseinander zu klamüsern?
C't, 2000, Nr. 15
Heute marschieren die Profis mit Laptop zu ihren Vertragsverhandlungen und klamüsern selbst komplizierteste Rechtsverwicklungen alleine aus.
Der Tagesspiegel, 22.02.2003
Harry Dean Stanton klamüsert dem Willemsen zu früher Morgenstunde den Unterschied zwischen Einsamsein und Alleinsein auseinander - das war eine Sternminute.
Süddeutsche Zeitung, 05.08.1995
Aber am Ende hat sich Wilsberg beharrlich durchs verworrene Münsteraner Beziehungsgeflecht gewühlt und die vielen Frauen auseinander klamüsert.
Süddeutsche Zeitung, 22.11.1999
Zitationshilfe
„klamüsern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/klamüsern>, abgerufen am 20.07.2019.

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