klischieren

Grammatik Verb · klischiert, klischierte, hat klischiert
Aussprache [klɪˈʃiːʀən]
Worttrennung kli-schie-ren
Wortzerlegung  Klischee -ieren

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [Druckwesen] ⟨jmd. klischiert etw.⟩ etw. auf einem Klischee abbilden
  2. 2. [bildungssprachlich, häufig abwertend] ⟨jmd. klischiert etw.⟩ etw. unschöpferisch, talentlos nachahmen, nachbilden; pointiert, überspitzt, klischeehaft darstellen
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Druckwesen jmd. klischiert etw.etw. auf einem Klischee (1) abbildenDWDS
Beispiele:
Der […] Chefredakteur ließ den Text seiner vierseitigen Notausgabe in gefälliger Montage aufkleben und dann […] klischieren, das heißt wie für den Bilddruck auf geätzte Platten übertragen, mit denen dann notgedruckt wurde. [Der Spiegel, 17.12.1952]
In jedem der etwa 900 Seiten starken Bände sind nur rund 400 Abbildungen zu finden, und diese, bis auf wenige eingestreute Farbtafeln, schwarzweiß, aber vorzüglich klischiert. [Der Tagesspiegel, 05.11.1996]
Daß er [Warhol] sich später auch zu gefälligen Auftragsporträts hergab und willkürlich historische Kulturgrößen wie Goethe oder – zuletzt noch – Beethoven klischierte, konnte seine Position in der Kunst des 20. Jahrhunderts nicht mehr in Frage stellen. [Der Spiegel, 02.03.1987]
Es ist eigentlich nicht einzusehen, daß bei einem Band, der 55 Mark kostet, Aufnahmen so schlecht klischiert und gedruckt sind, daß der Betrachter glaubt, es sei Zeit für eine (neue) Brille. [Die Zeit, 14.03.1980]
2.
bildungssprachlich, häufig abwertend jmd. klischiert etw.etw. unschöpferisch, talentlos nachahmen, nachbilden; pointiert, überspitzt, klischeehaft darstellen
siehe auch abklatschen² (2)
Beispiele:
Er klischiert das Bild des Amerikaners als Retter der Welt – weil andere dazu nicht fähig sind – und weckt bei jenen, denen er helfen will, teilweise Kritik und Missverständnis. [Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2012]
Plot und Dialoge wirkten klischiert und konstruiert, die Wurzel des Übels war ein schwaches Drehbuch. [Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2021]
[…] [Der Schauspieler] Tim Grobe klischiert [die Rolle des] Charlie Fox zum giftzwergigen Ganovenglatzkopf mit Mafioso‑Brille. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2001]
Wie schon in ihren früheren lebensgroßen Pappfiguren sucht sie [die japanische Künstlerin Hasegawa] Inszenierungsmuster des Männlichen zu klischieren. [Süddeutsche Zeitung, 11.01.2001]
Doch die Mischung aus stereotypisierter, fast bis zur Selbstparodie ausgespielten Trägheit von Körper und Geist, die den Südstaatler klischiert, und dem unterschwelligen Unbehagen am eigenen Tun, das immer mehr Raum greift, macht diese Rolle zu dem Part, in dem Rod Steiger am längsten in Erinnerung geblieben ist. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.1995]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Klischee · klischieren
Klischee n. ‘Druckstock, Druckplatte, Abklatsch, Nachahmung ohne Eigenwert, eingefahrene, überkommene Redewendung oder Vorstellung’, Entlehnung (Cliché, 1. Hälfte 18. Jh.) von gleichbed. frz. cliché, dem substantivierten Part. Perf. von frz. clicher ‘einen Abzug herstellen, klischieren’, lautmalend nach dem dabei entstehenden klatschenden Geräusch. Ähnliche lautmalende Bildungen sind Abklatsch (s. klatschen) und klitschen (s. d.). klischieren Vb. ‘einen Druckstock anfertigen, nach dem Klischee verfahren, etw. unselbständig tun, nachahmen’ (1. Hälfte 19. Jh.), anfangs clichieren, entweder zu Klischee oder aus frz. clicher.
Zitationshilfe
„klischieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/klischieren>, abgerufen am 19.10.2021.

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