knöchern

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache 
Worttrennung knö-chern
Wortbildung  mit ›knöchern‹ als Erstglied: ↗knöcherig · ↗knöchrig  ·  mit ›knöchern‹ als Grundform: ↗verknöchern

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. aus Knochen bestehend
  2. 2. knochig
    1. [bildlich] gefühlsarm, verknöchert
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
aus Knochen bestehend
Beispiele:
der knöcherne Brustkorb
ein knöcherner Panzer
der Umstand, daß man die Eier nicht wie zu Hause mit knöchernen, sondern mit gewöhnlichen Teelöffeln ... aß [ Th. MannBuddenbrooks1,650]
2.
knochig
Beispiele:
knöcherne Hände, Finger
hin und wieder hebt ein langer, rasselnder Atemzug die knöcherne Brust, welche unter dem zerfetzten Hemd sichtbar wird [ G. Hauptm.4,53]
bildlich gefühlsarm, verknöchert
Beispiel:
Früher ... dachte ich darüber nach, warum alle Männer eures Volkes so knöchern sind [ E. ClaudiusGrüne Oliven307]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Knochen · Knöchel · Knöchelchen · knöchern · verknöchern · verknöchert · knochig · Knochenfraß · Knochenmann
Knochen m. ‘Teil des Skeletts’, mhd. knoche ‘Knochen’, mnd. knōke, knāke ‘Knochen, Hirnschale’, mnl. cnōke, nl. knook ‘Knochen, Glied, Gelenkhügel’, schwed. knoge ‘Knöchel’, norw. knoke setzen mit lit. gniáužti ‘(mit der Hand) fest zusammendrücken, quetschen, (aus)pressen’, gniáužta(s) ‘geballte Hand, Pfote, Handvoll’ und wohl auch serbokr. gnjáviti ‘drücken, pressen, quetschen, würgen’, slowen. ‘quälen, belästigen’ ie. *gneug̑- voraus, das sich zusammen mit mehreren anderen Erweiterungen an die Wurzel ie. *gen- ‘zusammendrücken, kneifen, zusammenknicken, Zusammengedrücktes, Geballtes’ anschließt (s. ↗Knopf, ↗Knorren, ↗Knoten, ↗Knust, ↗knabbern, ↗kneipen2). Knochen hat altes ↗Bein (s. d.), das noch Luther bevorzugt, weitgehend zurückgedrängt. Dazu das Deminutivum Knöchel m. ‘Knochenvorsprung an Finger- und Fußgelenken’, mhd. knöchel, knüchel, frühnhd. knöchel, knochel, knuchel, mnd. knȫkel. Mit erneuter Deminuierung (aus dem Md.) Knöchelchen n. ‘kleiner Knochen’ (18. Jh.). knöchern Adj. ‘aus Knochen bestehend’ (18. Jh.). verknöchern Vb. ‘zu Knochen werden, durch Alter oder Mangel an Bewegung steif, unbeweglich werden’ (18. Jh.); verknöchert Part.adj. auch ‘geistig unbeweglich, starr, spießig’ (19. Jh.). knochig Adj. ‘mit starken, sichtbar hervortretenden Knochen ausgestattet, derb, plump, ungeschlacht’ (15. Jh.). Knochenfraß m. (um 1800), älter Beinfraß. Knochenmann m. ‘Tod’, personifiziert vorgestellt als Skelett (17. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›knöchern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›knöchern‹.

Verwendungsbeispiele für ›knöchern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber die knöchernen Finger umklammern fest den leeren Krug und sind eiskalt.
Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 16922
Sie war nicht allzu knöchern und nicht allzu fleischig, nicht allzu wollend und nicht allzu begehrend.
Welt und Wissen, 1927
Der jetzt entdeckte Typ zeigt den Forschern zufolge eine sehr milde knöcherne Verlaufsform.
Die Welt, 02.08.2003
Die Pfanne ist sehr flach, die knöcherne Kontaktfläche des Gelenks gering.
Der Tagesspiegel, 14.10.2001
Bei der Bildung der knöchernen Skeletteile gehen häufig beide Wege nebeneinander her.
Hesse, Richard: Der Tierkörper als selbständiger Organismus, Leipzig u. a.: B. G. Teubner 1910, S. 126
Zitationshilfe
„knöchern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kn%C3%B6chern>, abgerufen am 01.10.2020.

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