kneifen

GrammatikVerb · kniff, hat gekniffen
Aussprache
Worttrennungknei-fen
Wortbildung mit ›kneifen‹ als Erstglied: ↗Kneifer · ↗Kneifzange  ·  mit ›kneifen‹ als Letztglied: ↗abkneifen · ↗auskneifen · ↗einkneifen · ↗zukneifen · ↗zusammenkneifen
 ·  mit ›kneifen‹ als Grundform: ↗verkneifen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
jmdn. (in etw.) kneifenjmds. Fleisch oder Haut an einer bestimmten Stelle zwischen den Fingern fest zusammendrücken, jmdn. zwicken
Beispiele:
er kniff sie
sie kniff ihn, ihm in den Arm
sie hat mich, mir in die Backe gekniffen
umgangssprachlich das Gummiband kneift (= ist zu eng und schnürt die Haut ein)
umgangssprachlich das Jackett kneift unter den Achseln (= sitzt zu eng)
umgangssprachlich [Siebert] spürte Kneifen (= Schmerzen) im Unterleib [H. Mann9,238]
2.
etw. zusammendrücken, zusammenpressen
Beispiele:
jmd. kneift die Augen, Lippen
gekniffenen Blickes musterte er die Arbeit, starrte er ins Leere
Sabeth streckt ihren Hals und raucht mit gekniffenen Augen wegen Rauch [FrischHomo faber236]
3.
salopp, abwertend sich einer Verpflichtung feige entziehen, sich vor etw. drücken
Beispiele:
er kneift und erscheint nicht zu der Aussprache
er kneift (feige) vor der Klassenarbeit
So unvermittelt kneifen, Angst bekommen, feig sein [R. BartschTür zu93]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kneifen · auskneifen · verkneifen · Kneifer · Kneifzange
kneifen Vb. ‘(jmds. Haut) zwischen zwei Fingern zusammendrücken, zwicken, klemmen, pressen’, zu mnd. nd. knīpen (s. ↗kneipen) gebildete hd. Form, die im 16. Jh. aufkommt, im 18. Jh. häufiger und danach in der Literatursprache üblich wird. Umgangssprachliches kneifen im Sinne von ‘sich drücken, sich jmdm. oder einer Sache nicht stellen, sich einer Herausforderung, einer Verpflichtung entziehen’ stammt aus dem Nd., vgl. nd. knīpen ‘davonlaufen, rennen, sich davonmachen’, eigentlich wohl ‘aus einer Klemme entlaufen’; vgl. nd. knīpen gān ‘entlaufen, entwischen, sich aus der Klemme befreien’. auskneifen Vb. ‘heimlich davonlaufen, ausreißen, sich einer Verpflichtung entziehen’ (19. Jh.), älter auskneipen (17. Jh.), nd. ūtknīpen ‘sich davonmachen’. verkneifen Vb. ‘auf etw. verzichten, etw. unterdrücken’ (19. Jh.); verkniffen Part.adj. ‘zusammengezogen, verzogen’, speziell verkniffenes Gesicht ‘Gesicht, das durch Erbitterung, Verärgerung harte und scharfe Züge bekommen hat, wegen blendenden Lichts verzogenes Gesicht’. Kneifer m. ‘Klemmer, Zwicker’, gekürzt (2. Hälfte 19. Jh.) aus Nasenkneifer (für frz. pince-nez, s. ↗Klemmer, ↗Zwicker). Kneifzange f. ‘Zange mit zwei scharfen, gegeneinandergebogenen Schneiden’ (17. Jh.), md. auch Kneipzange.

Thesaurus

Synonymgruppe
kneifen · ↗zwicken  ●  ↗petzen  ugs.
Synonymgruppe
(einen) Schleiertanz tanzen · ↗(sich vor etwas) drücken · (sich) bedeckt halten · ↗(sich) nicht dem Risiko einer Sache (z.B. einer Blamage) aussetzen · (sich) um etwas herumdrücken · zu vermeiden suchen · zu vermeiden versuchen  ●  ↗(sich) futieren  schweiz. · (vor etwas) kneifen  ugs. · einen Eiertanz aufführen  ugs.
Synonymgruppe
(sich) aus der Verantwortung stehlen · ↗(sich) davonstehlen · (sich) der Verantwortung entziehen · (sich) einen schlanken Fuß machen · ↗(sich) entziehen · (sich) nicht stellen · aus dem Wege gehen · ↗ausweichen · ↗meiden · ↗scheuen  ●  (sich) drücken (vor)  ugs. · (sich) herumdrücken (um)  ugs. · ↗fliehen (literar.)  geh. · kneifen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Achsel Arm Arschback Augen Backe Bauch Brustwarze Daumen Eck Hintern Hose Hüfte Oberarm Oberschenkel Ohrläppchen Po Schwanz Unterarm Unterleib Wange abkneifen auskneifen einkneifen kneifen kratzen zu zukneifen zusammen zusammenkneifen zwicken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kneifen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da hieß es auch, jetzt kneift ihr, jetzt kritisiert ihr Koch nicht mehr.
Die Welt, 13.03.2004
Da wäre es wohl nicht fair gewesen, einfach zu kneifen.
Bild, 16.08.2000
Wenn man mal was nicht wußte, kniff er einen in die Haut des Oberarmes.
Kempowski, Walter: Tadellöser & Wolff, München: Hanser 1971 [1971], S. 117
Die kneift mich gern in die Beine; sie sagt, ich sei zu dick.
Lichtenstein, Alfred: Der Selbstmord des Zöglings Müller. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 35497
Ich war getäuscht, Rosa sah es mir an, sie kniff meinen Arm und lachte.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 21633
Zitationshilfe
„kneifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kneifen>, abgerufen am 16.10.2019.

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