Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

kullern

Grammatik Verb · kullert, kullerte, ist/hat gekullert
Nebenform landschaftlich kollern · Verb · kollert, kollerte, ist/hat gekollert
Worttrennung kul-lern ● kol-lern
Wortbildung  mit ›kullern‹ als Erstglied: Kullerauge · Kullerpfirsich · Kullerträne
 ·  mit ›kullern‹ als Letztglied: herunterkullern · hinabkullern · runterkullern

Bedeutungsübersicht+

  1. [umgangssprachlich] ...
    1. 1. (mit Geräusch) rollen, kugeln
    2. 2. etw. (mit Geräusch) rollen lassen, kugeln
    3. 3. ⟨mit den Augen kullern⟩ mit den Augen rollen
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich
1.
(mit Geräusch) rollen, kugeln
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
Geldstücke, Erbsen kullern auf den Boden
der Ball ist unter den Tisch, Schrank gekullert
ein paar Kartoffeln waren aus dem Sack gekullert
ein Stein kullerte in die Tiefe
dicke Tränen kullern über ihr Gesicht
bildlich
Beispiel:
Da begannen Wörtchen aus meinem Mund zu kullern [ GrassKatz142]
2.
etw. (mit Geräusch) rollen lassen, kugeln
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
einen Ball kullern
Murmeln über den Tisch kullern
Sie kullern mit einer hölzernen Kugel [ StrittmatterOchsenkutscher310]
übertragen
Beispiel:
saloppsich (vor Lachen) kullern (= sehr lachen)
3.
mit den Augen kullernmit den Augen rollen
Schreibung: kullern
Beispiel:
Während sie das sagte, kullerte sie so scheinheilig mit ihren runden, schwarzen Augen [ HartungWunderkinder215]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kollern2 · kullern · Kuller · Kulleraugen
kollern2, kullern Vb. ‘rollen, purzeln’ gelangt im 18. Jh. aus md. und nd. Mundarten ins Hd. Das auch in der Variante md. kullen vorkommende Verb (vgl. mhd. kūlen neben kugelen ‘mit Kugeln spielen’) ist abgeleitet von ebenfalls mundartlichem (md.) Kulle ‘Kugel’, dieses mit Vokalkürzung hervorgegangen aus mhd. kūle, der kontrahierten md. Form von mhd. kugel(e) (s. Kugel); vgl. zum Verb gebildetes omd. Kuller f. ‘Kugel’. Kulleraugen Plur. ‘staunend aufgerissene (eigentlich kugelförmige) Augen’ (20. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›kullern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›kullern‹ und ›kollern‹.

Verwendungsbeispiele für ›kullern‹, ›kollern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der rutschte 1991 aus, der Ball kullerte nur einen Meter weit. [Süddeutsche Zeitung, 26.06.2004]
Der Ball kullerte zum 1:1 ins Tor, das Spiel ging 1:2 verloren. [Süddeutsche Zeitung, 27.02.2003]
Völlig verunsichert kullerte ihm mehrfach der Ball über den Fuß ins Aus. [Die Welt, 23.09.2005]
Wenn man ihn auf ein Papier legt und es leicht schräg hält, kullert er davon. [Die Zeit, 09.08.2010, Nr. 32]
Langsam, aber unhaltbar kullerte sie ins Tor, auch Juan kam zu spät. [Süddeutsche Zeitung, 12.12.2002]
Zitationshilfe
„kullern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kullern#1>.

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kollern

Grammatik Verb · kollert, kollerte, hat gekollert
Nebenform kullern · Verb · kullert, kullerte, hat gekullert
Worttrennung kol-lern ● kul-lern

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ...
    1. [bildlich] ...
    2. [umgangssprachlich, übertragen] hohle, rollende, glucksende Geräusche hören lassen
  2. 2. [übertragen] etw. schimpfend, polternd sagen
eWDG

Bedeutungen

1.
Beispiele:
der Truthahn kollert (= lässt seine Stimme mehrmals hintereinander rollend ertönen)
ein kollernder Puter
das Kollern der Schneehühner
die Truthähne […] ihre unordentlichen Tonleitern kollernd [ BobrowskiLevin9]
bildlich
Beispiel:
ein kollerndes Lachen
umgangssprachlich, übertragen hohle, rollende, glucksende Geräusche hören lassen
Beispiele:
es kollert in den Gedärmen, Eingeweiden
es kollert mir im Bauch
ich hörte jenes kollernde Geräusch im Magen der Dickhäuter [ SchomburgkAfrika357]
Einschläge rumsten und kollerten [ ApitzNackt113]
2.
übertragen etw. schimpfend, polternd sagen
Schreibung: kollern
Beispiele:
»Ich verstehe nichts davon«, kollerte der alte Mann
ich hörte kaum auf die kollernden Worte des Bischofs [ C. F. Meyer4,124]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kollern1 Vb. landschaftlich auch kullern, ‘rollende, gurgelnde Laute ausstoßen’, besonders vom Truthahn (16. Jh.), auch ‘glucksen, knurren’ in Magen und Gedärm (19. Jh.). Vermutlich lautnachahmende Bildung zu den Schreien des Truthahns. Aber auch Anschluß an Koller1 ‘Zorn, Wut’ (s. d.) ist möglich, da die Laute des Truthahns allgemein als zornig, wütend erachtet werden; vgl. kollern ‘von Sinnen sein, wüten, lärmen, närrisch, wunderlich sein’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›kollern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›kollern‹ und ›kullern‹.

Verwendungsbeispiele für ›kollern‹, ›kullern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Eine verschimmelte Orange kollerte über die Mole der eisernen Stadt. [Ransmayr, Christoph: Die letzte Welt, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1990], S. 230]
Im Weggehen hören wir es noch lange hinter uns dröhnend kollern. [Die Zeit, 22.08.1997, Nr. 35]
Der wunderbare rote Ball tanzt, hüpft, kollert, rollt und – verschwindet im geheimnisvollen düsteren alten Haus. [Die Zeit, 29.03.1996, Nr. 14]
Es klirrt wieder, es prasselt, man hört, wie der Stein dumpf hinten im Dunkel des Ladens irgendwo aufschlägt, noch einmal kollert, und es ist still. [Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 2, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 168]
Statt des erwarteten Blutes sieht und hört man einen hölzernen Kopf über den Boden kollern. [Mach, Ernst: Erkenntnis und Irrtum. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1905], S. 9630]
Zitationshilfe
„kollern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kollern#2>.

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