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kolonial

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ko-lo-ni-al
Wortzerlegung Kolonie -al
Herkunft aus gleichbedeutend colonialfrz
eWDG

Bedeutungen

1.
entsprechend der Bedeutung von Kolonie (1)
Beispiele:
die koloniale Frage
das koloniale Joch
die Struktur der Wirtschaft dieses Landes hatte kolonialen Charakter
mehrere Jahrzehnte kolonialer Herrschaft
die Pocken treten noch heute in früher kolonialen Gebieten auf
2.
entsprechend der Bedeutung von Kolonie (4)
Beispiel:
Leben die Beutetiere [der Pillenwespen] kolonial, oder sind einzelne Jagdreviere aus anderen Gründen besonders ergiebig … so werden solche Stellen immer wieder aufgesucht [ Urania1958]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kolonie · kolonial · Kolonialwaren · Kolonist · kolonisieren · Kolonisation
Kolonie f. ‘Ansiedlung bzw. Personengruppe gleicher Nationalität außerhalb des Mutterlandes, durch Unterwerfung angeeignetes und in Abhängigkeit gehaltenes (meist überseeisches) Gebiet’, entlehnt (16. Jh.) aus lat. colōnia ‘Bauerngut, Pachtgut, Ansiedlung, Niederlassung’, möglicherweise unter Einfluß von mfrz. frz. colonie, das zunächst (als Ausdruck der Geschichtswissenschaft) auf die griechischen und römischen Kolonien, dann (seit dem 16. Jh.) auf die überseeischen Kolonien der damaligen Weltmächte Spanien und Portugal bezogen wird. Das Substantiv ist eine Ableitung von lat. colere ‘bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren’ (s. Kult, Kultur). – kolonial Adj. ‘die Kolonien betreffend, aus ihnen stammend’ (19. Jh.), Übernahme von frz. colonial, seit etwa 1800 besonders in Zusammensetzungen wie Kolonialgeschichte, -handel, -politik. Kolonialwaren Plur. ‘Lebens- und Genußmittel aus Übersee’, zunächst für die durch Beschluß Napoleons (1810) im Rahmen der Kontinentalsperre mit einer Steuer belegten Waren dieser Art; zuvor Koloniewaren (Ende 18. Jh.). Kolonist m. ‘Siedler in einer Kolonie’ (2. Hälfte 18. Jh.), engl. colonist. kolonisieren Vb. ‘besiedeln, wirtschaftlich erschließen’ (2. Hälfte 18. Jh.), ‘eine Kolonie gründen, als Kolonie erobern’ (19. Jh.), engl. to colonize. Davon unabhängig ‘ansässig, einheimisch machen’ (vereinzelt 16. Jh.). Kolonisation f. ‘Besiedlung, Erschließung erworbenen, eroberten, unzureichend genutzten Landes’ (um 1800), engl. colonization.

Typische Verbindungen zu ›kolonial‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kolonial‹.

Verwendungsbeispiele für ›kolonial‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In unserer Zeit haben sich viele Länder von kolonialer Abhängigkeit befreit. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1959]]
Um diese Zeit ist auch die koloniale Aufteilung weitgehend abgeschlossen. [Die Zeit, 12.01.2006, Nr. 03]
Deswegen entzieht sich dieses Land auch der Anwendung der kolonialen Therapie. [Die Zeit, 26.02.1962, Nr. 09]
Vergleichsweise leicht scheint die koloniale Last der Deutschen zu wiegen. [Süddeutsche Zeitung, 27.04.2001]
Denn ich kenne die Gesetze des kolonialen Lebens und kolonialpolitischer Verwaltung. [Peters, Carl: Lebenserinnerungen. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1918], S. 35398]
Zitationshilfe
„kolonial“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kolonial>.

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