Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

konstitutionell

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache  [kɔnstituʦi̯oˈnɛl]
Worttrennung kon-sti-tu-ti-onell · kon-sti-tu-tio-nell · kons-ti-tu-ti-onell · kons-ti-tu-tio-nell
Wortzerlegung Konstitution1 -ell
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
auf die körperliche Verfassung bezogen
siehe auch physisch
Beispiele:
Die Berliner Stadtreinigung will auf ihre langjährigen Mitarbeiter auch bei möglichen gesundheitlichen und konstitutionellen Einschränkungen nicht verzichten. [Insourcing statt Outsourcing, 10.10.2016, aufgerufen am 15.09.2018]
Ayurveda wird übersetzt als »Wissenschaft des Lebens«, diese sieht bei Morbus Parkinson das »Gleichgewicht der konstitutionellen Elemente gestört«. [Münchner Merkur, 29.08.2019]
Frauen seien konstitutionell nicht dazu in der Lage, Rennwagen entlang physikalischer Grenzen zu bewegen, behauptete Bernie Ecclestone im März 2016. [Die Welt, 19.05.2018]
Akuter Schmerz bedingt ein Akutmittel. Sind die Schmerzen chronisch, wird ein konstitutionelles Mittel gesucht. »Ziel ist es, ein Mittel zu finden, das dem Körper hilft, die Heilung selbst zu vollziehen.« [Kopfschmerzen, 27.08.2008, aufgerufen am 16.10.2019]
2.
den grundlegenden Aufbau betreffend; angeboren
Beispiele:
Der konstitutionellen DNA der EU hätte ein konsensuales Vorgehen, jedenfalls aber ein System entsprochen, das mit Anreizen arbeitet. [Süddeutsche Zeitung, 22.09.2017]
Das gehört möglicherweise so konstitutionell zum Luxus wie die Liebe zum Ding an sich, wie der Hang zur Vollendung und der Stolz auf das Werk. [Süddeutsche Zeitung, 22.12.2018]
Hitler preist in Mein Kampf die Protokolle [der Weisen von Zion] als das Beweisstück schlechthin für die konstitutionelle Schlechtigkeit der Juden und ihr Streben nach Weltherrschaft: […] [Die Zeit, 24.10.2017]
Das Ergebnis [von Unrecht] ist ein konstitutionelles Desinteresse der Intelligencija [Bevölkerungsgruppe der Intellektuellen] gegenüber Rechtsproblemen – Recht wird als bloßer Formalismus abgetan. [Schlögel, Karl: Petersburg. München / Wien: Carl Hanser 2002, S. 100]
Und davon ist es nun sowohl Ursache wie Wirkung, daß die Börse, das Zentrum des Geldverkehrs und gleichsam der geometrische Ort all jener Schätzungswechsel, zugleich der Punkt der größten konstitutionellen Aufgeregtheit des Wirtschaftslebens ist: […]. [Simmel, Georg: Philosophie des Geldes. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1900], S. 62770]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Konstitution · konstituieren · konstitutionell · Konstituente
Konstitution f. ‘Staatsverfassung’ (16. Jh.), mhd. constitucion ‘Verordnung’, dann ‘Körperbeschaffenheit’ (18. Jh.; vgl. Leibeskonstitution, 17. Jh.), entlehnt aus lat. cōnstitūtio (Genitiv cōnstitūtiōnis) ‘feste Einrichtung, (körperliche oder politische) Verfassung, Feststellung, Verordnung’. konstituieren Vb. ‘einsetzen, gründen, grundlegend sein’, reflexiv ‘sich eine Organisationsform, eine Verfassung geben’ (15. Jh.), aus lat. cōnstituere ‘hinstellen, -setzen, aufstellen, einsetzen, gründend aufstellen, eine feste Stellung, Verfassung, Halt geben’. konstitutionell Adj. ‘verfassungsmäßig, auf der Konstitution beruhend, sie betreffend’ (Ende 18. Jh.), nach gleichbed. frz. constitutionnel, abgeleitet von frz. constitution. Konstituente f. ‘sprachliche Einheit als Teil einer größeren Einheit, Bestandteil’, entlehnt (20. Jh.) über gleichbed. amerik.-engl. constituent aus lat. cōnstituēns (Genitiv cōnstituentis), Part. Präs. von lat. cōnstituere (s. oben).

Typische Verbindungen zu ›konstitutionell‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›konstitutionell‹.

Zitationshilfe
„konstitutionell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/konstitutionell#1>.

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konstitutionell

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache  [kɔnstituʦi̯oˈnɛl]
Worttrennung kon-sti-tu-ti-onell · kon-sti-tu-tio-nell · kons-ti-tu-ti-onell · kons-ti-tu-tio-nell
Wortzerlegung Konstitution2 -ell
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

auf einer Verfassung, einem Grundgesetz beruhend bzw. daran gebunden; auf die Verfassung, das Grundgesetz eines Staates Bezug nehmend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: eine konstitutionelle Demokratie, Monarchie, Regierungsform; ein konstitutioneller Staatsstreich
als Adverbialbestimmung: konstitutionell verankert
in Koordination: konstitutionell und parlamentarisch, demokratisch
Beispiele:
Da aber das Recht zu regieren der Exekutive obliegt, stellt sich als Erstes die Frage, ob die Aktionen des Premierministers die konstitutionelle Rolle des Parlaments, die Regierung zur Rechenschaft zu ziehen, untergraben. [Die Welt, 25.09.2019]
In England ist bereits die konstitutionelle Monarchie ein Kompromiss zwischen zwei Staatsformen. [Die Welt, 09.10.2019]
Du must [sic!] nicht mal wegen eines Verbrechens verurteilt werden, um in dieser konstitutionellen Republik deinen Job zu verlieren, wenn dieses Gremium feststellt, dass dein Verhalten als öffentliche Figur klar jenseits der Grenzen deiner Rolle ist. [Welt am Sonntag, 29.09.2019]
Damals [1973] war im Fall »Roe v. (= versus) Wade« das konstitutionelle Recht auf Abtreibung verankert worden. [Süddeutsche Zeitung, 29.06.2018]
Die neue Generation im Land [Jordanien] wolle politischen Dialog, konstitutionelle Gewaltenteilung, die Abschaffung von Korruption, Vetternwirtschaft und Privilegien. [Die Zeit, 10.02.2000]
Die Angelegenheit gewinnt durch die Stellung der Konservativen eine gewisse politische, ja sogar konstitutionelle Bedeutung. [Vossische Zeitung (Abend-Ausgabe), 03.03.1903]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Konstitution · konstituieren · konstitutionell · Konstituente
Konstitution f. ‘Staatsverfassung’ (16. Jh.), mhd. constitucion ‘Verordnung’, dann ‘Körperbeschaffenheit’ (18. Jh.; vgl. Leibeskonstitution, 17. Jh.), entlehnt aus lat. cōnstitūtio (Genitiv cōnstitūtiōnis) ‘feste Einrichtung, (körperliche oder politische) Verfassung, Feststellung, Verordnung’. konstituieren Vb. ‘einsetzen, gründen, grundlegend sein’, reflexiv ‘sich eine Organisationsform, eine Verfassung geben’ (15. Jh.), aus lat. cōnstituere ‘hinstellen, -setzen, aufstellen, einsetzen, gründend aufstellen, eine feste Stellung, Verfassung, Halt geben’. konstitutionell Adj. ‘verfassungsmäßig, auf der Konstitution beruhend, sie betreffend’ (Ende 18. Jh.), nach gleichbed. frz. constitutionnel, abgeleitet von frz. constitution. Konstituente f. ‘sprachliche Einheit als Teil einer größeren Einheit, Bestandteil’, entlehnt (20. Jh.) über gleichbed. amerik.-engl. constituent aus lat. cōnstituēns (Genitiv cōnstituentis), Part. Präs. von lat. cōnstituere (s. oben).

Typische Verbindungen zu ›konstitutionell‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›konstitutionell‹.

Zitationshilfe
„konstitutionell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/konstitutionell#2>.

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