krallen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung kral-len
Wortbildung  mit ›krallen‹ als Letztglied: ↗ankrallen · ↗einkrallen · ↗fest krallen · ↗festkrallen · ↗umkrallen · ↗zukrallen
 ·  mit ›krallen‹ als Grundform: ↗verkrallen · ↗zerkrallen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨sich an etw., jmdn. krallen⟩ sich an etw., jmdn. klammern
    1. ⟨etw. in etw. krallen⟩ etw. wie eine Kralle in etw. hineinbohren
    2. ⟨sich in etw. krallen⟩ etw. heftig ergreifen, sich krampfhaft an etw. festhalten
    3. ⟨etw. um etw. krallen⟩ etw. umklammern
  2. 2. ⟨die Finger, seine Hand krallen⟩ die Finger, seine Hand wie eine Kralle formen
  3. 3. [salopp] ⟨sich etw. krallen⟩ sich etw. aneignen
    1. jmdn. ergreifen
eWDG

Bedeutungen

1.
sich an etw., jmdn. krallensich an etw., jmdn. klammern
Beispiele:
der Käfer krallte sich an das Blatt
der Vogel krallt sich an den Zweig
ich krallte mich an das Geländer, an ihn
seine Finger, Hände krallen sich an den Ast, Sims
etw. in etw. krallenetw. wie eine Kralle in etw. hineinbohren
Beispiele:
er krallte seine Finger vor Schmerz in die Erde, in das Kissen
ich krallte meine Zehen in den Sand
sich in etw. krallenetw. heftig ergreifen, sich krampfhaft an etw. festhalten
Beispiele:
er krallte sich in das Gras
seine Finger krallten sich in meinen Arm
etw. um etw. krallenetw. umklammern
Beispiele:
die Finger, seine Hand um etw. krallen
er krallte seine Hand um den Knüppel, Revolver
seine Finger krallten sich um das Seil
2.
die Finger, seine Hand krallendie Finger, seine Hand wie eine Kralle formen
Beispiel:
gekrallte Finger, Hände
3.
salopp sich [Dativ] etw. krallensich etw. aneignen
Beispiele:
er krallte sich das Geld und verschwand
sich [Dativ] jmdn. krallen
jmdn. ergreifen
Beispiele:
die Polizei hatte sich den Gauner bald gekrallt
ich werde mir ihn krallen und zur Rede stellen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kralle · krallen
Kralle f. ‘gebogener Zehennagel bei Tieren’, seit dem 16. Jh. (in unterschiedlichen Formen wie Kral, Krale, Gralle, Krelle) bezeugt, doch wohl älter, vgl. mhd. erkrellen ‘mit den Krallen packen, ergreifen’ und vereinzeltes ahd. kral m. ‘Haken’ (10. Jh.). Wohl im Sinne von ‘Gekrümmtes’ zu der unter ↗krauen, ↗krumm (s. d.) genannten Wurzel ie. *ger- ‘drehen, winden’ gehörig. krallen Vb. ‘mit den Krallen ergreifen’, reflexiv ‘sich festhalten’ (17. Jh.); vgl. frühnhd. krellen sowie mhd. erkrellen (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) (ungerechtfertigterweise) aneignen · ↗(sich) einverleiben · (ungerechtfertigterweise) in seinen Besitz bringen · an sich bringen · an sich nehmen · ↗einheimsen · ↗erbeuten · ↗erjagen · zugespielt bekommen  ●  ↗(sich) zueignen  juristisch · ↗kapern  fig. · (sich an etwas) gesund stoßen  ugs. · (sich) an Land ziehen  ugs. · ↗(sich) grabschen  ugs. · ↗(sich) greifen  ugs. · ↗(sich) gönnen  ugs. · (sich) krallen  ugs. · (sich) reinpfeifen  ugs. · ↗(sich) reinziehen  ugs. · ↗(sich) schnappen  ugs. · (sich) unter den Nagel reißen  ugs. · ↗abgreifen  ugs. · ↗absahnen  ugs. · ↗abstauben (u.a. Sport)  ugs. · ↗einsacken  ugs. · ↗einstreichen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(mit Glück noch) bekommen  ●  ↗(noch) erhaschen  poetisch, regional · ↗ergattern (knappe Ware / letztes vorhandenes)  Hauptform · ↗(noch) erwischen  ugs. · (sich) an Land ziehen  ugs., salopp · ↗(sich) grabschen  ugs., salopp · ↗(sich) greifen  ugs., salopp · (sich) krallen  ugs., salopp · ↗(sich) schnappen  ugs., salopp · ↗abbekommen  ugs. · glücklich einen der letzten ... bekommen  geh., variabel
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (die) Gunst der Stunde nutzen · ↗(etwas) mitnehmen · nicht verstreichen lassen · ↗wahrnehmen (Termin, Vorteil, Chance) · ↗zugreifen  ●  beim Schopf(e) ergreifen  fig. · ↗ergreifen (Gelegenheit, Chance)  Hauptform · nicht links liegen lassen  fig. · ↗nutzen (Chance, Gelegenheit)  Hauptform · ↗ausüben (Option, Stimmrecht, Vorkaufsrecht)  fachspr., kaufmännisch, juristisch · beim Schopf(e) packen (Gelegenheit, Chance)  ugs., fig. · ↗zuschlagen  ugs., Hauptform
  • (jemandem) zuvorkommen  ●  ↗(jemandem etwas) (vor der Nase) wegschnappen  ugs. · schneller sein  ugs.
  • (jemandem) (buchstäblich / förmlich / nur so ...) aus den Händen gerissen werden · reißenden Absatz finden  ●  (sich) verkaufen wie geschnitten Brot  ugs. · weggehen wie warme Brötchen  ugs. · weggehen wie warme Semmeln  ugs.
  • aufspüren · ↗aufstöbern · ↗auftreiben · ausfindig machen · ↗besorgen · ↗finden · fündig werden · ↗lockermachen  ●  (sich) an Land ziehen  ugs. · ↗aufgabeln  ugs. · ↗ausbaldowern  ugs. · kommen an  ugs.
  • Selbstbedienungsmentalität · an sich selbst zuerst denken  ●  Hauptsache ich!  ugs.
  • angeln (nach) · ↗fischen (nach) · ↗grabschen (nach) · ↗haschen (nach) · ↗schnappen (nach) · zu erhaschen versuchen · zu erwischen versuchen · zu fangen versuchen  ●  ↗greifen (nach)  Hauptform
  • (sich) greifen · ↗(sich) schnappen · ↗ergreifen · ↗fassen · ↗festhalten · in die Hand nehmen · nicht aus der Hand geben · nicht loslassen · ↗packen  ●  ↗nehmen  ugs.
  • (etwas) wollen · (sich) interessieren für · an etwas (heran)kommen wollen · an sich bringen wollen · hinter etwas her sein wie der Teufel hinter der armen Seele (Verstärkung) · in seinen Besitz bringen wollen · interessiert sein an · unbedingt haben wollen  ●  (etwas) haben wollen  Hauptform · Begehrlichkeiten wecken  floskelhaft, mediensprachlich · (etwas) kriegen wollen  ugs. · (ganz) heiß sein auf  ugs. · (sich etwas) an Land ziehen wollen  ugs. · (sich etwas) grapschen wollen  ugs. · (sich etwas) krallen wollen  ugs., salopp · (sich etwas) schnappen wollen  ugs. · (sich) etwas unter den Nagel reißen wollen  ugs., fig. · geil sein auf  derb · hinter etwas her sein  ugs. · scharf sein auf  ugs. · spitz sein auf  ugs.
  • (etwas) abbekommen wollen · (etwas) abhaben wollen · (etwas) abkriegen wollen · (etwas) haben wollen (von)
  • (sich) reißen um · haben wollen · heiß begehrt sein · scharf sein (auf) · sehr gefragt sein  ●  Schlange stehen (bei)  fig. · heiß sein (auf)  ugs.
  • hinter etwas her sein · schon lange gesucht haben nach · schon lange suchen nach
  • (einen guten) Fang machen  fig. · (ein) Super-Schnäppchen ergattern  ugs. · (einen) Fitsch machen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›krallen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›krallen‹.

Verwendungsbeispiele für ›krallen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Während des Gehens rutscht das Tier immer wieder nach hinten ab und krallt sich dann am Kragen des Mannes fest.
Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2005, S. 90
So kräftig wie er krallt sich kaum einer ins Eis.
Die Welt, 11.01.2003
Er krallt sich mit seinen Fingern noch immer in den Hang.
Die Zeit, 21.10.1999, Nr. 43
Mac krallte sich das linke Bein des Mannes und riß ihn nach oben.
Moers, Walter: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 100
Ehemalige Hände krallen in den Kopf des Nebenmanns nach dem Tanz.
Tucholsky, Kurt: Stimme aus den Kalkgruben. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1925], S. 3611
Zitationshilfe
„krallen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/krallen>, abgerufen am 25.01.2021.

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