kratzen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungkrat-zen
Wortbildung mit ›kratzen‹ als Erstglied: ↗Kratzbeere · ↗Kratzbürste · ↗Kratzeisen · ↗Kratzer · ↗Kratzfuß · ↗Kratzspur · ↗Kratzwunde · ↗kratzfest
 ·  mit ›kratzen‹ als Letztglied: ↗abkratzen · ↗ankratzen · ↗aufkratzen · ↗auskratzen · ↗bekratzen · ↗einkratzen · ↗herauskratzen · ↗herunterkratzen · ↗runterkratzen · ↗verkratzen · ↗wegkratzen · ↗zusammenkratzen
 ·  mit ›kratzen‹ als Grundform: ↗Kratzen · ↗zerkratzen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
mit scharfem, spitzem oder rauem Gegenstand reiben, schaben oder ritzen
a)
sich, jmdn. kratzensich, jmdn. (mit den Nägeln) auf der Haut reiben
Beispiele:
sich blutig, wund kratzen
er hat sich am, auf dem Kopf, (vor Verlegenheit) hinter dem Ohr gekratzt
sich mit der Stricknadel, mit spitzen Fingernägeln kratzen
sich [Dativ] den Schädel kratzen
die Katze hat mich tüchtig gekratzt
scherzhaftsich [Dativ] den Bart kratzen (= rasieren) lassen
sprichwörtlichwen es juckt, der kratze sich (= wem etw. nicht behagt, der muss es sagen oder etw. dagegen tun)
etw. von etw. kratzenetw. durch scharfes Reiben entfernen
Beispiele:
den Schmutz von den Schuhen kratzen
einen Fleck von der Tapete kratzen
etw. an, in etw. kratzenetw. durch Ritzen eingraben
Beispiel:
etw., seinen Namen an, in die Wand kratzen
b)
jmd. kratzt
Beispiele:
sie kratzte und biss, um sich zu wehren
die Tiere kratzen mit den Krallen
sie kratzte (= schabte) mit dem Messer im Topf
übertragen
Beispiele:
was nützt einem schließlich die Ehre, wenn jeder Fremdling dran kratzen kann [BöllBillard272]
Bis dahin hab' ich aber noch hart zu kratzen (= muss ich noch mühsam Geld verdienen und sparen) [MarchwitzaJugend227]
c)
Beispiel:
Wolle kratzen (= mit der Kratze in einzelne Fasern auflösen)
d)
salopp, übertragen etw. kratzt jmdn.etw. ärgert, stört jmdn.
Beispiele:
das kann mich nicht, absolut nicht, nicht im geringsten, nur wenig kratzen
das Lob hat ihn mächtig gekratzt (= hat ihm wohlgetan)
Das ist es, was sie so kratzt, das Aufbegehren, die Meuterei [Feuchtw.Lautensack163]
2.
etw. kratzt (jmdn.)etw. verursacht (bei jmdm.) aufgrund seiner Beschaffenheit einen Juckreiz
Beispiele:
der Pullover kratzt
wollene Strümpfe und grober Stoff kratzen
der frischgesteifte Kragen kratzt (mich) am Halse
der Wein, Tabak war so schlecht, dass er in der Kehle kratzte
sein Kinn kratzt schon ein wenig (= er bekommt langsam einen Bart)
der starke Rauch verursachte ein unangenehmes Kratzen im Rachen
3.
durch Reiben, Schaben oder Ritzen ein kratzendes Geräusch erzeugen
Beispiele:
der Hund kratzt an der Tür
die Feder kratzt aber sehr
die Nadel kratzt über die Schallplatte
ihre Stimme kratzt wie eine Säge
scherzhaftauf der Geige kratzen (= schlecht Geige spielen)
das unablässige Kratzen im Radio raubte ihm die letzten Nerven
eine kratzende Geige
4.
salopp die Kurve kratzensich schnell und unauffällig entfernen, sich drücken
Beispiel:
als er von dem Auftrag erfuhr, hat er die Kurve gekratzt
5.
landschaftlich, salopp etw. auf nicht ganz erlaubte Weise beschaffen, stehlen
Beispiel:
das Baumaterial hatte er zum großen Teil aus seinem Betrieb gekratzt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kratzen · Kratze · Kratzer · abkratzen · zerkratzen · aufgekratzt · Kratzbeere · Kratzbürste · kratzbürstig · Kratzfuß
kratzen Vb. ‘mit einem rauhen, scharfen oder spitzen Gegenstand schaben, reiben, ritzen’. Neben ahd. krazzōn (9. Jh.), mhd. kratzen, aschwed. schwed. (mundartlich) kratta, dän. kratte stehen die j-Bildungen mhd. kretzen, mnl. cretten, cretsen sowie (ablautend) anord. krota ‘etw. mit Figuren verzieren’. Wenn außerhalb der germ. Sprachen alban. gërresë ‘Kratzeisen, Topfkratzer’ hierher zu stellen ist, kann von ie. *gred- ‘kratzen’ ausgegangen werden. Auf einer s-Erweiterung beruhen wohl mnd. nd. krassen und mnl. crassen, nl. krassen; vgl. Kaspers in: PBB (H) 77 (1955) 235 ff. Kratze f. ‘Werkzeug zum Kratzen’, mhd. kratze. Kratzer m. ‘wer kratzt’ (16. Jh.), ‘Kratzwunde, Schramme’ (20. Jh.). abkratzen Vb. ‘etw. kratzend entfernen’, mhd. abekratzen; derb umgangssprachlich ‘sterben’ (19. Jh.), nach ‘sich davonmachen, mit einem Kratzfuß abtreten’ (s. unten Kratzfuß). zerkratzen Vb. ‘durch Kratzen zerstören’, mhd. zerkratzen, zerkretzen. aufgekratzt Part.adj. ‘gut angezogen, munter, vergnügt’ (18. Jh.), aufkratzen ‘(sich) putzen, (sich) heiter stimmen’, eigentlich ‘durch Kratzen aufscharren, aufreiben’, z. B. Erde, Haut (16. Jh.), dann ‘durch Kratzen aufbereiten (Tuch, Kleider), erneuern’. Kratzbeere f. heute auch (in mundartlicher Lautung, vgl. omd. kroatzen) Kroatzbeere ‘Brombeere’, spätmhd. kratzber, nach den kratzenden Stacheln des Strauches. Kratzbürste f. ‘grobe, scharfe Reinigungsbürste’, übertragen ‘unfreundliche, widerspenstige Person’ (17. Jh.); kratzbürstig Adj. ‘unfreundlich, widerspenstig’ (19. Jh.). Kratzfuß m. ‘Verbeugung, bei der man einen Fuß scharrend nach hinten zieht’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
kratzen · ↗ritzen · ↗schaben · ↗scharren
Synonymgruppe
knarren · ↗knarzen · ↗knirschen · kratzen · ↗quietschen · ↗schnarren · ↗ächzen
Oberbegriffe
  • (ein) Geräusch machen · zu hören sein
Assoziationen
Synonymgruppe
abkratzen · ↗abschaben · durch Kratzen entfernen · kratzen (= kratzend bearbeiten) · ↗wegkratzen · wegschaben
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›kratzen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bart Ego Fingernagel Hals Hinterkopf Image Kinn Kopfball Kufe Kurve Lack Mythos Oberfläche Ohr Pfote Torlinie abkratzen ankratzen aufkratzen auskratzen beißen herauskratzen herumkratzen kratzen nachdenklich schaben spucken verlegen wegkratzen zusammenkratzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kratzen‹.

Verwendungsbeispiele für ›kratzen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wer keine Garage hat, muss morgens wieder mühsam die Scheiben seines Autos frei kratzen.
Die Welt, 06.02.2001
Soweit ich das beurteilen konnte, kratzten sich die meisten in meiner Straße allenfalls am Sack.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 193
Sie rennen nackt herum, und wenn es sie juckt, kratzen sie sich.
Der Tagesspiegel, 21.07.1999
Er kratzte sich nur am Kopf und guckte den Toten sprachlos an.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 43
Die kratzen sich zu fünften die Köpfe, suchen im Lokal.
Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz, Olten: Walter 1961 [1929], S. 198
Zitationshilfe
„kratzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kratzen>, abgerufen am 18.01.2020.

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